Musiker wird Sirupproduzent

Was bitte ist Sorghum? Simon Bättig hat sich in das Getreide verliebt. Und will daraus Sirup herstellen. Dafür spannt er mit einem Landwirt zusammen.

Der Badener Simon Bättig setzt auf die Pflanze Sorghum, die mit der Hirse verwandt und trockenresistent ist. (Bild: zVg)

09. Juni 2021
13:19

Simon Bättig aus Baden hat viele Ideen. Als leidenschaftlicher Hobbykoch und -musiker kann er davon viele umsetzen. Seit einem Jahr verfolgt er ein ganz spezielles Projekt: Er will aus Sorghum Zuckersirup herstellen. Bis anhin hatte er wenig mit Landwirtschaft zu tun und wusste nichts über Sorghumhirse. Bättig hat Bauprozessmanagement studiert und arbeitet heute im Bereich von Photovoltaikanlagen. Als Corona kam, brachen die Veranstaltungen und Musikproben weg. Das gab ihm Raum für neue Inspirationen.


Die süsse Alternative

Auf Sorghum kam Simon Bättig, der in Birrhard aufgewachsen ist, indirekt. Ursprünglich wollte er Ahornsirup aus Kanada importieren. Nicht den industriell hergestellten, sondern den aus kleinen Manufakturen, wo noch viel Handarbeit drinsteckt. «Es ist ein toller Anblick zuzuschauen, wie der Saft des Ahornbaums über dem Feuer gekocht wird», schwärmt Simon Bättig, der ein Jahr in Kanada lebte. Doch er verwarf die Idee; ein Import wäre nicht nachhaltig. Trotzdem vermisst er in der Schweiz ein ähnliches Produkt. Nach einigen Nachforschungen stiess er auf das Getreide Sorghum. In den Südstaaten der USA hat die Produktion des würzigen Zuckersirups eine lange Tradition. «Genau da müssen wir geschmacklich hin», sagt Bättig, der unter dem Namen «The Sorghum Guy» auf Instagram postet. Zuerst führte ihn sein Weg zu Stefan Zumsteg, Landwirt in Wil. Er setzt schon seit Längerem auf den Mais «ohne Kolben».


Zu viel des Guten

Simon Bättig nahm Kontakt mit dem Landwirt auf und fragte ihn, ob er ihm für seine Zuckersirup-Experimente ein paar Pflanzen zur Verfügung stelle würde. «Nimm so viel du willst», habe der innovative Landwirt zu ihm gesagt. Und so kam es, dass Simon Bättig im letzten Herbst in seiner Küche die Sorghum-Pflanzen schälte, in kleine Stücke schnitt, diese in einen Entsafter füllte und anschliessend den Saft einkochte. Das Experiment funktionierte. Das Ergebnis war ein  würziger Sirup. «Aber nicht brauchbar,» erzählt Bättig schmunzelnd. Zu stark, bitter, zu viel Geschmack. «Die Gesamtnote war nicht ausbalanciert», erläutert der leidenschaftliche Koch.


Test mit verschiedenen Sorten

Er kam zu dem Schluss, dass dies die falsche Sorte war, und schon bald fand der findige Forscher einen Saatgutproduzenten in Frankreich, der bereit war, ihm ein Paket mit Samen von vier verschiedenen Sorghum-Pflanzen zu schicken. Noch in dieser Woche werden die Samen in vier Reihen à zehn Meter auf dem Feld von Stefan Zumsteg für neue Versuche ausgesät. «Für gute Ideen bin ich immer zu haben», sagt der Landwirt. «Das Leben bietet Möglichkeiten, Neues zu probieren und damit auch etwas für die Zukunft zu verändern.» Ein Beweggrund, der ihn vor ein paar Jahren dazu brachte, Sorghum als Futtermittel für seine Angus-Mutterkühe anzubauen. Da seine leichten Böden schon in normalen Jahren im Sommer unter Trockenheit leiden, gab es bei dem angebauten Mais immer wieder Probleme, da dieser empfindlich auf Wassermangel reagiert. Die Lösung sah er auf einer seiner Reisen in Mittelamerika. Dort besuchte er einen Kollegen, der seit längerem Sorghum anbaute und ihm das nötige Know-how vermitteln konnte.


Eine vielseitige Pflanze

Diese zur Familie der Süssgräser zählende Pflanze hält wegen ihrer langen Wurzeln trockene Phasen besser aus. Sie stammt ursprünglich aus Afrika. Die Wuchsform ist dem Mais ähnlich, doch statt Kolben bildet sie Rispen. Zumstegs Kühe vertragen das Futter sehr gut. Einen Vorteil sieht er im geringeren Energiehaushalt von Sorghum. «Mit Mais in der Futterration würden meine Angus-Kühe verfetten», erklärt er. In der Schweiz wird Sorghum vorwiegend als Futtermittel angebaut. In der Ostschweiz hat Simon Bättig einen Landwirt gefunden, der Sorghum für die Humanernährung anbaut. Bättig hilft dem Bauern, das Getreide in Unverpackt-Läden oder in der Gastronomie zu vertreiben. Das vollkörnige Getreide ist glutenfrei und hat einen hohen Anteil an Magnesium und Eisen. Simon Bättig sieht viele Vorteile im Anbau von Sorghum, da es vielseitig genutzt werden kann: als Futter, als Biomasse, für die Humanernährung oder für Sirup. Doch vorerst legt der kreative Familienvater sein Augenmerk auf die Produktion eines geschmackvollen Sirups. Die beiden innovativen Partner sind zuversichtlich, in den nächsten Jahren das Projekt weiter ausbauen zu können.

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