Musizieren wie anno dazumal

Das Stella Maris Orchestra musiziert auf histo­rischen Instrumenten. Am Freitag führt es in der Klosterkirche Wettingen sein Herbstprojekt auf.

Profis musizieren mit Amateuren: das Stella Maris Orchestra um Cristoforo Spagnuolo (Dritter von links). Bild: zVg

von
Ilona Scherer

10. September 2019
20:00

Hinter dem Fachbegriff «historisch informierte Aufführungspraxis» verbirgt sich mehr als nur das Musizieren auf alten Instrumenten. Die Klangmittel von damals tönen nämlich nicht nur anders, «man muss sie auch technisch anders spielen, um es authentisch klingen zu lassen», erklärt Musikwissenschafterin Franziska Frey, die als Violinistin selbst Teil des Wettinger Ensembles Stella Maris Orchestra ist. Die alten Instrumente werden zudem in einer tieferen Tonfrequenz gestimmt, die Tonlage der Stücke ist insgesamt tiefer: «Es braucht einige Wochen Vorbereitung, um sich auf diese für unser Ohr ungewohnte Stimmung einzustellen», weiss Frey.

Doch worin unterscheiden sich die historischen Instrumente von den heutigen? Der Instrumentenbau habe sich seit Mozarts Zeiten weiterentwickelt, «eine Geige ist heute ganz anders gebaut», so Frey. Das beginne beim Holz, das anders beschaffen sei. Auch die Bögen waren früher leichter und kürzer. Und wurden die Saiten einst aus Darm hergestellt, so spielt man heute auf modernen Kunststoff- oder Metallsaiten. 

 

Alte Instrumente sind empfindlicher

Die alten Instrumente sind dadurch natürlich viel anfälliger auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit und benötigen besondere Sorgfalt. Die Musizierenden mieten die historischen Instrumente jeweils für die ­Projekte – mitunter eine kostspielige Angelegenheit. Insgesamt sind die historischen Aufführungen recht aufwendig, weshalb das Stella Maris Orchestra jeweils nur einmal pro Jahr solche Produktionen aufführt. 

Sie stellen auch an die Musizierenden hohe Anforderungen. Viele Mitglieder des Stella Maris Orchestra verfügen jedoch über breite Erfahrung mit der historischen Aufführungspraxis. Das Stamm-Ensemble unter der Leitung von Cristoforo Spagnuolo und Konzertmeisterin Renate Steinmann besteht aus rund 25 Streichern im Alter von 17 bis 50 Jahren, aus Amateuren wie Profis. Für sein diesjähriges Herbstprojekt «Sinfonia hoch drei» hat sich das Wettinger Kammerorchester zudem mit zwei Barock-Oboen, einem Barock-Fagott sowie zwei Naturhörnern verstärkt, die bei der abschliessenden «Sinfonia concertante» von Wolfgang Amadeus Mozart bestens zur Geltung kommen. Zuvor werden die Sinfonia g-Moll von Johann Christian Bach sowie die Sinfonia für Streicher Nr. 12 in g-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy gespielt. 

 

Neu: Der Stella-Trail

Bei der ersten Aufführung am Freitag wird zudem erstmals der «Stella-Trail» für Konzertbesucher durchgeführt. Auf einem Einführungsspaziergang vermitteln die beteiligten Fachpersonen vielseitige Informationen über die Instrumente und die aufzuführenden Werke. Der Trail beginnt eine Stunde vor dem Konzert vor der Klosterkirche. Dieser Trail ist eine andere, bewegte Form der Konzerteinführung. Franziska Frey: «Ziel des Trails ist, diese Art von Musik möglichst interessant und lustvoll ans Publikum zu bringen. Wir möchten das Konzert als Erlebnis gestalten.»  

Freitag, 13. September, 19.30 Uhr
Klosterkirche Wettingen
Vorverkauf: www.stellamarisorchestra.ch 

2. Konzert: 
Sonntag, 15. September, 17.00 Uhr
Obere Kirche, Zurzach

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