«Nervös bin ich vor Auftritten immer»

Am Freitag, 9. November, spielt die Aargauer Pianistin Sophie Holma das zweite Klavierkonzert von Chopin in der Stadtkirche Brugg. Begleitet wird sie vom Orchesterverein.

Kann sich nun ganz auf die Musik fokussieren: Pianistin Sophie Holma
Kann sich nun ganz auf die Musik fokussieren: Pianistin Sophie Holma (Bild: zVg)

von
Aufzeichnung: Annegret Ruoff

08. November 2018
09:00

Sophie Holma, 19

wuchs in Gränichen auf. Sie erhielt mit fünf Jahren ihren ersten Klavierunterricht von ihren Eltern, den Pianisten Junko und Teemu Holma. Weiter ausgebildet wurde sie von Oliver Schnyder und Tomas Dratva. Seit Herbst studiert sie bei Adrian Oetiker an der Hochschule für Musik und Theater München. Sophie Holma ist mehrfache Preisträgerin, 2015 und 2017 gewann sie den 1. Preis beim Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb. Sie nahm an verschiedenen Meisterkursen teil, unter anderem am Menuhin Festival Gstaad 2016, wo sie mit dem Pianisten Lang Lang arbeitete.

Konzert «jeunesse»

Zusammen mit dem Orchesterverein Brugg spielt Sophie Holma das 2. Klavierkonzert von Frédéric Chopin. Ebenfalls erklingt die 3. Sinfonie von Nils W. Gade sowie Franz Schuberts Ballettmusik II aus «Rosamunde».


Freitag, 9. November, 20 Uhr
Stadtkirche Brugg
www.orchesterverein-brugg.ch 

«Das zweite Klavierkonzert von Frédéric Chopin spiele ich zum ersten Mal öffentlich. Mir gefällt, dass der Komponist viele seiner Gefühle ins Werk hat einfliessen lassen. Ich mag es sehr gern, zugleich ist es total anspruchsvoll – einerseits, was die Technik angeht, andererseits hinsichtlich der Klangwelt. Sie zu verstehen und im Sinne des Komponisten zu spielen, ist eine grosse Herausforderung. Emotionale Stücke spiele ich gern, sie sind persönlich, gehen mir nahe. Dieses Konzert hat Chopin ja seiner damaligen grossen Liebe gewidmet, die Gefühle sind also intensiv spür- und hörbar. Insgesamt kann ich mich gut einlassen auf verschiedene Arten von Musik, es muss also nicht immer Romantik sein.

Nervös bin ich vor Auftritten immer. Mittlerweile bin ich aber schon erprobt und kann mich auf meine Erfahrung verlassen. Einige Male bin ich bereits als Solistin mit Orchestern aufgetreten, und ich freue mich auch diesmal darauf, mich von diesem grossen Klangteppich tragen zu lassen. 

Seit drei Wochen studiere ich in München. Ich wollte nach der Matur an der Alten Kanti in Aarau unbedingt weg, in eine grosse Stadt. Und weil mein jetziger Lehrer Adrian Oetiker in München unterrichtet, bin ich ihm dorthin gefolgt. Voraussichtlich bleibe ich nun vier Jahre da, bis zu meinem Bachelor-Abschluss. Danach schaue ich weiter. Es gefällt mir sehr. Die Atmosphäre an der Hochschule ist toll. Beim Üben muss ich mich allerdings etwas umstellen. Zu Hause hatte ich immer die drei Flügel meiner Eltern – sie sind ebenfalls Pianisten – zur Verfügung, konnte mich dransetzen, wann immer ich wollte. Nun muss ich schauen, wann ein Zimmer zum Üben frei ist und mich dafür beim Pförtner anmelden. Das Üben funktioniert somit mehr nach Plan. Ebenfalls bin dabei mit vielen unterschiedlichen Instrumenten konfrontiert. Als Pianistin kenne ich diese emotionale Verbundenheit mit einem Instrument, wie es zum Beispiel Geiger haben, eh nicht. Ich muss mich immer wieder neu einstellen. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, und meistens klappt das auch ganz gut. Es gibt Flügel, die liegen mir besser als andere, aber grundsätzlich versuche ich immer, das Bestmögliche aus einem Instrument rauszuholen. 

Dass ich mich so sehr auf die Musik fokussieren kann wie jetzt, habe ich mir lange gewünscht. Während der Schulzeit lief ja vieles nebenher, das zu meistern, war sehr anspruchsvoll. Natürlich habe ich mich auch mit Freundinnen und Freunden getroffen, aber nebst Musik und Schule blieb mir nicht so viel Zeit dafür. 

Pianistin zu werden, war schon lange mein Wunsch. Spezielle Vorbilder hatte ich nicht. Zuerst habe ich mich an meinen Eltern orientiert. Dann an meinen Lehrern, Tomas Dratva und Oliver Schnyder. Es gab auch Zeiten, da wollte ich ein anderes Instrument spielen, aber dann sass ich wieder ans Klavier – und blieb dabei. Mir gefällt, dass man sich mit diesem Instrument so gut ausdrücken kann und dass das Repertoire derart umfassend ist. Bläser beispielsweise sind da viel eingeschränkter. Zugleich macht es Spass, als Pianistin gleichzeitig solistisch und in Ensembles tätig zu sein. 

Klavierspielen hat für mich viel mit Training zu tun. Ich übe jeden Tag, muss dranbleiben. Dass dabei die Musik und nicht die Leistung im Vordergrund bleibt, ist mir wichtig. Inzwischen bin ich es gewohnt, jeden Tag zu üben, und zum Weiterkommen braucht es das. Es ergeben sich mehr Möglichkeiten, meine Interpretationen so zu gestalten, wie ich es will, wenn ich auch technisch besser bin. Ich kann dann zum Beispiel den Anschlag besser kontrollieren und so den Klang differenzierter beeinflussen.

In den Sommerferien habe ich mit dem Einüben von Chopins Konzert angefangen. Zuerst habe ich die Noten gelesen, dann die Fingersätze gesetzt und mit dem technischen Einüben begonnen. Parallel dazu habe ich mir überlegt, wie ich es musikalisch gestalten will. Erst nach und nach habe ich Aufnahmen anderer Pianisten zu Rate gezogen, ich wollte mich zu Beginn nicht zu sehr davon beeinflussen lassen. Das Üben gestalte ich jeweils unterschiedlich. Am Morgen, wenn ich noch frisch bin, spiele ich oft die  schwierigsten Stellen. Es ist wichtig, dabei total konzentriert zu sein. Sonst übe ich Fehler ein, die ich dann fast nicht mehr wegkriege. Wenn ich müde werde, mache ich eine Pause, lege mich hin oder gehe spazieren. 

Mit Üben ist man nie fertig. Obwohl ich seit Monaten mit Chopin unterwegs bin, gibt es Stellen im Werk, die haben sich mir erst jetzt eröffnet. Nun bin ich gespannt aufs Konzert. Ich wünsche mir, dass ich so richtig in die Musik eintauchen – und trotzdem die Kontrolle über mein Spiel behalten kann.»

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