Neue Hoffnung für Krebspatienten

Matthias Guckenberger mag hochkomplexe Techniken. Bei der Protonentherapie spannt der Onkologe mit dem Paul Scherrer Institut in Villigen zusammen.

Spezialist für Strahlentherapie: Klinikdirektor Matthias Guckenberger
Spezialist für Strahlentherapie: Klinikdirektor Matthias Guckenberger (Bild: zVg)

von
Annegret Ruoff

09. Mai 2018
09:00

Protonentherapie

Die Protonentherapie am Paul Scherrer Institut PSI ist eine Erfolgsgeschichte. Schon seit 1984 profitieren Patienten, die an einer Tumorerkrankung leiden, von der Behandlung mit Protonenstrahlen. Das am PSI in Pionierarbeit entwickelte Spot-Scanning-Verfahren, das 1996 erstmals im klinischen Betrieb eingesetzt wurde, ist heute das Standardverfahren in der Protonentherapie. Am PSI wurden bereits mehr als 1200 Krebspatienten routinemässig mit dieser Technik behandelt. Am 13. Mai wird der hochmoderne Behandlungsplatz Gantry 3 eingeweiht. Er wird in klinischer Zusammenarbeit mit der Klinik für Radio-Onkologie des Universitätsspitals Zürich betrieben. 

Matthias Guckenberger, hätten Sie sich auch vorstellen können, Physiker zu werden?

Tatsächlich habe ich meine Abiturprüfung auch in Mathematik und Physik abgelegt und danach ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium erwogen: Medizin war dann für mich die Möglichkeit, mein Interesse an Mensch und Technik zu verbinden.

 

Als Mediziner sind Sie Experte für Präzisionsstrahlentherapie. Was ist darunter zu verstehen?

Es geht dabei um Forschung an der Schnittstelle zwischen Robotik, Informationstechnologie, Physik und Medizin. Unsere Krebspatienten sollen von dem rasanten Fortschritt in diesen technischen Bereichen profitieren können und dadurch eine schonendere oder wirksamere Behandlung erhalten. 

 

Und was fasziniert Sie im Speziellen an der Protonentherapie, wie sie in Würenlingen zur Anwendung kommt?

Die Protonentherapie ist eine von mehreren Methoden der Präzisionsstrahlentherapie. Auf der einen Seite fasziniert mich das Beherrschen dieser hochkomplexen Technik. Auf der anderen Seite treibt mich die Hoffnung an, insbesondere für Kinder die Verträglichkeit einer Strahlentherapie noch weiter zu verbessern.

 

Sie beschäftigen sich nebst der menschlich-sozialen Komponente, die in Ihrem Alltag als Arzt eine wichtige Rolle spielt, auch mit hochkomplexen wissenschaftlichen Themen und arbeiten mit Forschenden weltweit zusammen. Verstehen Sie da jedes Detail der am PSI angewandten Geräte, oder wie funktioniert diese Kooperation?

Es wäre vermessen zu behaupten, jedes technische Details zu verstehen. In der Radio-Onkologie arbeiten wir daher sehr eng mit Medizinphysikern zusammen, und gemeinsam verstehen wir dann alle Details, die medizinischen und die physikalisch-technischen.

 

Kommenden Montag wird am PSI der Behandlungsplatz Gantry 3 eingeweiht. Was bedeutet dies für Sie und die Klinik für Radio-Onkologie am Universitätsspital Zürich?

Der Behandlungsplatz Gantry 3 ist ein Gemeinschaftsprojekt des PSI, des Universitätsspitals Zürich sowie der Universität Zürich. Wir werden durch die Gantry 3 die Kapazitäten zur Protonentherapie ausbauen und dadurch allen Patienten, die von einer Protonentherapie profitieren, eine zeitnahe Behandlung anbieten können. Dies erfolgt in enger klinischer und wissenschaftlicher Kooperation.

 

Wie viele Ihrer Patienten sind auf die Behandlungen am PSI angewiesen? 

Die Protonentherapie wird in der Schweiz nur bei wenigen und seltenen Tumorerkrankungen von den Krankenkassen bezahlt, am häufigsten bei Kindern. Obwohl Zürich die meisten Patienten aus der Schweiz zur Protonentherapie an das PSI überweist, sind dies insgesamt weniger als fünf Prozent aller Patienten, die bei uns mit Photonen bestrahlt werden. Ein Grund ist die ebenfalls rasante Entwicklung und Verbesserung der Bestrahlung mit Photonen, die bei den meisten Krebserkrankungen mindestens ebenso gute Ergebnisse erzielen kann wie die Protonentherapie.

 

Und wie gelingt es Ihnen, die Patienten optimal zu begleiten, auch wenn die Behandlung fern von Zürich und in einem Forschungszentrum stattfindet?

Das ist meines Erachtens ein sehr wichtiger Punkt. Krebstherapie ist heute fast immer eine multimodale Behandlung, bestehend aus Chirurgie, Strahlentherapie und Systemtherapie. Und die enge Abstimmung und Koordination in einem onkologischen Zentrum, mit allen Experten an einem Tisch, definiert einen optimalen Rahmen. Die räumliche Distanz zum Forschungszentrum PSI ist nun mal gegeben, und sie muss daher durch eine noch engere Abstimmung und Kooperation kompensiert werden.

Das PSI ist führend im Bereich der Protonentherapie: Demonstration des Behandlungsablaufs an der neuen Gantry 3
Das PSI ist führend im Bereich der Protonentherapie: Demonstration des Behandlungsablaufs an der neuen Gantry 3 (Bild: zVg/Scanderbeg Sauer Photography)

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