Neue Sicht auf Friedrich Theodor Fröhlich

Drei Konzerte und ein Vortrag hielten in Brugg die Erinnerung an Friedrich Theodor Fröhlich, den hier geborenen Frühromantiker wach.

«Passions-Cantate»: Chor und Orchester unter der Leitung von Markus J. Frey
«Passions-Cantate»: Chor und Orchester unter der Leitung von Markus J. Frey (Bilder: zVg/Kaspar Ruoff)

von
Walter Labhart

16. April 2019
08:55

Wie unerschöpflich das musikalische Schaffen von Friedrich Theodor Fröhlich (1803–1836) ist, ging am 13. und 14. April in Brugg an verschiedenen Orten hervor. Der hohe musikalische Gehalt der von renommierten Interpretinnen und Interpreten dargebotenen Kompositionen liess einmal mehr das Bedauern aufkommen, dass der Kulturkanton Aargau (noch) nicht die Mittel aufbringt, um das Lebenswerk des bedeutendsten Romantikers der Schweiz in einer Gesamtausgabe zugänglich zu machen. 

Umso verdienstvoller ist das Engagement der in Brugg lebenden Sängerin und Musikpädagogin Barbara Vigfusson, der Initiantin der Internationalen F. Th. Fröhlich-Gesellschaft und des Kulturvereins Fröhlich-Konzerte Brugg. Unterstützt wird sie vom Sänger und Dirigenten Markus J. Frey und ihrem Mann, dem Physiker und Pianisten Johannes Vigfusson, einem passionierten Fröhlich-Forscher.

Begleitet wurde der Projektchor vom Ensemble Chaarts
Begleitet wurde der Projektchor vom Ensemble Chaarts

 

Vortrag und Ausstellung

Für seine Einführung in die Familiengeschichte und den tragischen Lebensweg des Komponisten durch den Historiker Max Baumann (Stilli) hätte sich kein Raum besser eignen können als der Stäbli-Saal im Stadtmuseum. Die düsteren Gewitterlandschaften des Malers Adolf Stäbli stellten eine Verbindung zu Fröhlichs wenig fröhlicher Biografie her, die mit dem Freitod in Aarau endete. 

Eine dem Brugger Komponisten gewidmete Ausstellung im Stadtmuseum hinterliess weniger starke Eindrücke, bestand sie doch aus nur sieben Exponaten. Nebst einem Pfeifenkopf und Stimmflöten verdienten wenigstens die vergessenen «Schweizerlieder» op.1 beachtet zu werden.

 

Oratorium und Klavierlieder 

Eine geballte Ladung Chormusik bekam das Publikum am Samstagabend mit der als «Oratorium» angebotenen «Passions-Cantate» für Soli, Chöre und Orchester zu hören. Unter der Leitung von Markus J. Frey erfüllte die musikalisch umgesetzte Dramatik der Passionsgeschichte die bis zum letzten Platz gefüllten Stadtkirche. Begleitet wurde der rund 70-köpfige Projektchor vom renommierten Musikensemble Chaarts. Das Publikum zeigte sich von Fröhlichs Werk begeistert und belohnte das hohe Engagement der Beteiligten mit Standing Ovations.

Der frühnachmittägliche «Liederabend» am Sonntag im Rathaussaal war eine Freude. Die Sopranistin Muriel Schwarz und die auch als Musikwissenschafterin bekannt gewordene Pianistin Andrea Wiesli widmeten sich mit restloser Hingabe lauter vokalen Kostbarkeiten von Frühgestorbenen. In die Sechs Lieder op.7 von Fanny Hensel-Mendelssohn und ausgewählte Lieder von ihrem Bruder Felix Mendelssohn eingebettet, bezauberten so originelle Melodien wie «Liebeleide» und «Drei aargauische Volkslieder» von Friedrich Theodor Fröhlich dank überaus sensibler Gestaltung das entzückte Publikum. 

  

Erstaufführung

Vom Pianisten Benjamin Engeli temperamentvoll angeführt, erklang in der Stadtkirche nach Mozarts Klavierquartett g-Moll KV 478 mit den Mitgliedern Sebastian Bohren (Violine), Lech Uszynski (Viola) und Maja Weber (Violoncello) vom Stradivari-Quartett erstmals in öffentlicher Aufführung das vom Amadeus-Verlag, Winterthur, herausgegebene Klavierquartett d-Moll von 1835. Fröhlichs leidenschaftlich gefärbte Komposition in vier Sätzen wurde jedoch, spieltechnisch perfekt und brillant dargeboten, mit mehr sportlichem Elan als tief schürfendem Ausdruck interpretiert.

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