Neues Konzept für die Bibliothek

Die Stadtbibliothek Brugg braucht mehr Platz. Und einen zentraleren Ort. Was aber soll sie alles anbieten? Ein neues Konzept soll Klarheit schaffen.

Cécile Bernasconi, Leiterin der Stadtbibliothek Brugg: «Eine Bibliothek soll ein einladender Ort sein»
Cécile Bernasconi, Leiterin der Stadtbibliothek Brugg: «Eine Bibliothek soll ein einladender Ort sein» (Bild: aru)

von
Annegret Ruoff

29. Juni 2017
15:00

Die Mitteilung, welche die Stadtbibliothek Brugg am 20. Juni per E-Mail an die rund 2500 Inhaber von Jahresabonnements verschickte, liess aufhorchen. Zumal es das erste Schreiben dieser Art war, das die Mitglieder nach den Turbulenzen der letzten Jahre erreichte. Der Neuanstellung der jetzigen Bibliotheksleiterin Cécile Bernasconi im September 2016 ging die Kündigung ihrer Vorgängerin Joséphine Erne-Anrig voraus. Diese hatte ihre Stelle nach nur gerade 18 Monaten wieder aufgegeben. Für ihren Abgang hatte sie Differenzen mit dem Vorstand sowie die Verschleppung der Standortfrage geltend gemacht.


Gespräch mit dem Stadtrat

Ungeachtet dessen scheint die Zusammenarbeit zwischen der neuen Geschäftsleiterin Cécile Bernasconi und dem Vorstand bis jetzt sehr gut zu funktionieren. So jedenfalls bringt es die E-Mail zum Ausdruck, in welcher der Vorstand beteuert, man habe mit Bernasconi «das grosse Los gezogen». Sie habe «gut strukturiert und mit grossem Engagement» die Reorganisation in Angriff genommen und Betriebsstrukturen aufgebaut, die ein effizientes und kundenfreundliches Arbeiten ermöglichten. 

Ungeklärt bleibt weiterhin die Situation bezüglich Platzbedarf und zukünftigen Standorts der Bibliothek. Auf die Dringlichkeit dieses Problems weist der Vorstand in seinem Mitgliederbrief ebenfalls hin: «Die Platzverhältnisse genügen den Ansprüchen an eine moderne Bibliothek in keiner Weise und werden mit den eingeleiteten Entwicklungsmassnahmen zum akuten Problem.» So habe am 16. Mai ein Gespräch zwischen dem gesamten Stadtrat, der Bibliotheksleiterin und Vertretern des Vorstands stattgefunden, in welchem dem Stadtrat «die prekäre Situation» erläutert worden sei.


Bibliothek als Treffpunkt

Das Schreiben an die Mitglieder sei nicht in einer besonderen Absicht verfasst worden, sagt Ruth Fassbind, seit drei Jahren Vorstandsmitglied des von Käthi Süess präsidierten Vereins Stadtbibliothek Brugg. «Es ist ganz einfach ein erster Schritt Richtung Mitgliederkommunikation.» Schliesslich seien die 2500 Angeschriebenen, «immmerhin ein Viertel der Stadtbevölkerung», nicht nur Inhaber von Abonnements, sondern auch Vereinsmitglieder. Und als solche hätten sie ein Anrecht auf direkte Informationswege. Bis anhin, so Fassbind, seien Entwicklungen und Bestrebungen der Bibibliothek ja vor allem über die Presse an die Öffentlicheit gelangt, was nicht optimal sei. «Die Optimierung der Kommunikationsmassnahmen im Hinblick auf die Zukunft ist uns wichtig», sagt Fassbind, die hauptberuflich als Direktorin der Bibliomedia Solothurn tätig ist. «Wir brauchen einen guten Kontakt zu unseren Mitgliedern, um zu ergründen, was für Ansprüche und Wünsche an eine Bibliothek im Raum stehen.» Eine umfassende Evaluation dieser Kundenbedürfnisse sei im Rahmen des neuen Bibliothekskonzepts geplant, welches Cécile Bernasconi nun in Angriff nehme. «Im Moment sitzen wir auf einer Baustelle», sagt Fassbind und stellt klar: «Es muss vorwärts gehen, sonst ist die Stadtbibliothek am Ende.»

Traditionellerweise war die Bibliothek eine reine Ausleihestelle. Dies entspricht jedoch seit geraumer Zeit nicht mehr dem aktuellen Trend, wo Bibliotheken zu einladenden Treffpunkten im Zentrum geworden sind, die mittels Veranstaltungen, Lesesälen, Cafés und zeitgemässen Medienangebots zur Attraktivität von Städten beitragen. «Lange geht es in dieser Form nicht mehr weiter», sagt Ruth Fassbind, «sonst springt uns hoch qualifiziertes Personal ab.» Als dringlichste Massnahme müsse nun die Standortfrage geklärt werden. Es gelte sowohl grössere als auch zentralere Räumlichkeiten zu finden. «Hier in der Vorstadt stirbt die Bibliothek ab», so Ruth Fassbind. Eine attraktive Bibliothek im Zentrum wirke wie ein Magnet, das grosse Teile der Bevölkerung anzieht. «Das bringt auch der Stadt etwas», ist Ruth Fassbind überzeugt. 


Argumentarium wird erstellt

Bindeglied zur Stadt ist Vorstandsmitglied und Stadtrat Leo Geissmann.  «Der Stadtrat ist sich bewusst, dass die Bibliothek mehr Platz braucht», zeigt Geissmann Verständnis für die Situation. Und gibt zugleich zu bedenken: «Was aus Sicht des Vorstands wie eine verschleppte Sache scheinen mag, ist im politischen Kontext ein realistisches Tempo.» Der Stadtrat könne keinen so grossen, zentralen Raum aus dem Boden stampfen. Man halte jedoch stets die Augen offen für einen grösseren Bibliotheksstandort. So habe sich der Stadtrat etwa beim Verkauf des ehemaligen Kaufhauses Rössli an der Hauptstrasse für einen Erwerb engagiert. Die Immobilie sei aber schliesslich einer anderen Partei verkauft worden. Nun habe man für den Raumbedarf der zukünftigen Bibliothek von 350 bis 450 Quadratmetern den Standort innerhalb des Konzepts «Verwaltungsgebäude Alte Post» an der Schulthess-Allee im Visier. Die hohen Finanzierungskosten an dieser Lage müssten jedoch mit einem entsprechenden Nutzen für die Stadt und die Investoren gerechtfertigt werden. «Die blos­se Forderung nach Quadratmetern reicht nicht aus, um auf einer gemeinsamen Basis argumentativ zu untermauern, was die Bibliothek in Zukunft will und soll», beteuert Geissmann. Für Die Ausarbeitung eines entsprechenden Konzepts durch die Stadtbibliothek habe die Stadt im Budget 2017 5000 Franken eingestellt. 

Gehen die Prozesse rund um die Neukonzeption des Verwaltungsgebäudes den obligaten Lauf, geht Leo Geissmann davon aus, dass man eine entsprechende Vorlage zirka in einem Jahr vorbereiten könne. «Wir sind jedoch nicht fokussiert auf diesen Standort, sondern prüfen auch andere Möglichkeiten», macht Geissmann deutlich. Welche dies seien, könne er momentan der Öffentlichkeit nicht preisgeben.


Website wird überarbeitet

Bezüglich des neuen Konzepts, das Cécile Bernasconi in den kommenden Wochen in Angriff nehmen will, orientiert sich die erfahrene Fachfrau an modernen Vorbildern von Stadtbibliotheken, wie sie etwa in Aarau und Baden zu finden sind. «Heute ist eine Bibliothek nicht mehr nur ein Ort der Ausleihe, sondern Veranstaltungsort und Treffpunkt zugleich», sagt sie. Sie wünsche sich, dass die Brugger Stadtbibliothek, die auch für die gesamte Region von hohem Wert sei, durch ein niederschwelliges Angebot überzeuge. Anstreben möchte sie auch Kooperationen sowie eine gemeinsame Nutzung mit verschiedensten Partnern. «Ich kann mir zum Beispiel gut vorstellen, dass Räumlichkeiten für Veranstaltungen auch von Vereinen genutzt werden können», sagt sie. Ins Konzept einbinden will sie auch die Bedürfnisse der Bevölkerung. «Eine Bibliothek ist eine Dienstleistung. Sie muss das anbieten, was den Menschen dient», hält sie fest. 

Dass grosse Veränderungen ihre Zeit brauchen, ist der engagierten Bibliotheksleiterin klar. «Das geht nicht Schlag auf Schlag», sagt sie. «Aber um motiviert zu bleiben, muss auf ein Ziel hinarbeiten können, eine längerfristige Perspektive sehen.» Die Motivation der letzten Wochen jedenfalls trägt sichtbare Früchte. So hat Cécile Bernasconi zusammen mit ihrem Team die EDV ausgebaut, gut funktionierende Arbeitsplätze eingerichtet,  den Bestand aktualisiert, Adresskartei und Katalog bereinigt und die Veranstaltungsarbeit aufgebaut. Um Platz für Anlässe zu generieren, hat sie zusätzliche Räder an die Bücherregale anbringen lassen. So können diese bei Bedarf bequem zur Seite geschoben werden. Als nächste Massnahme wird Anfang Juli die neue Website aufgeschaltet, und ab September  erhalten alle Neugeborenen in der Region ein «Buch-Startpaket».

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