«Neugier ist meine Triebfeder»

Der Turgemer Markus Wälty möchte in der bürgerlich dominierten Exekutive auch links-grüne Anliegen vertreten. Der Schulleiter sieht sich als Generalist.

Markus Wälty lebt seit 2015 in Turgi und hat zwei erwachsene Söhne. (Bild: is)

03. September 2020
07:39

Vor fünf Jahren ist Markus Wälty mit seiner Partnerin in eine Wohnung im geschichtsträchtigen Kosthaus gezogen. In dieser Zeit hat der 56-Jährige die Gemeinde im Wasserschloss schätzen gelernt. «Ich fühle mich hier sehr wohl. Turgi hat viele Vorzüge und eine spannende Geschichte, die an vielen Stellen noch sichtbar ist. » Als Berufspendler schätzt er auch die gute Erschliessung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Drei Mal pro Woche fährt er mit der S12 nach Winterthur, wo er seit 2018 als Schulleiter an der Primarschule Neuwiesen-Brühlberg tätig ist. «Weil ich im Kanton Zürich arbeite, bin ich in Turgi allerdings noch nicht so vernetzt», ist dem Vater zweier erwachsener Söhne bewusst. Das soll sich nun ändern.


Unterstützung von vielen Seiten
Wälty kandidiert am 27. September für den Turgemer Gemeinderat. Er wird von der IG Turgi, den Grünen des Bezirks Baden sowie der SP Turgi unterstützt und ist nach dem Rückzug von Guido Bertozzi (siehe Artikel «Neugier ist meine Triebfeder») der einzige Bewerber. Von seiner beruflichen Erfahrung her wäre Wälty prädestiniert für die Ressorts Bildung, Kultur und Gesundheit, die nach dem Rücktritt von Romina Suppa (CVP) im November interimistisch durch die verbleibenden Gemeinderatsmitglieder betreut wurden. «Aber ich sehe mich als einen von fünf und habe bei der Ressortverteilung keine Präferenzen. Im Gemeinderat muss man alles können. Ich bin ganz klar ein Generalist, kein Spezialist», sagt Wälty, der in Schöftland aufgewachsen ist.

Deshalb hat er sich einst für das Pädagogisch-Soziale Gymnasium (PSG) in Aarau entschieden: «Da war selbst Chor obligatorisch. Diese Breite sprach mich an.» An der HPL Zofingen absolvierte er die Ausbildung zum Primarlehrer, danach war er in verschiedenen Funktionen und Stufen tätig. «Den Lehrerberuf verstand ich immer als Kunsthandwerk. Man hat eine grosse Gestaltungsfreiheit, auch wenn zunehmend mehr reglementiert wird», erklärt Wälty. Seit fünfzehn Jahren ist er nun Schulleiter – in Bern, Oberrohrdorf, Remetschwil und Baden – und damit in einer administrativen Funktion tätig. Bei einem Abstecher zur Stadt Olten erhielt er als Leiter Publikumsdienste Einblick in die Arbeit bei einer öffentlichen Verwaltung. 

Als prägend bezeichnet Markus Wälty auch die drei Jahre als Lehrer Bildung im Strafvollzug in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf. «Egal, wie schlimm ihre Taten waren – für mich waren die 450 Insassen immer in erster Linie Menschen. Ich habe mich da eher als Sozialarbeiter verstanden. Hauptziel war vom Tag des Eintritts an die Resozialisierung», erzählt Wälty. Gefängnisdirektor Andreas Nägeli sei bis heute ein grosses Vorbild für ihn, «seine persönliche, fachliche und kommunikative Kompetenz hat mich tief beeindruckt.»

Er habe sich damals aus Neugier im Gefängnis beworben, verrät Markus Wälty. «Neugier ist eine meiner Triebfedern, auch jetzt bei meiner Kandidatur für den Gemeinderat», sagt er. Zudem gehe es ihm gut, deshalb wolle er etwas zur Gemeinschaft beitragen. Das politische Mandat in Turgi sei eine ideale Ergänzung zu seinem Teilzeitjob in Winterthur: «Ich finde solche Puzzles spannend.»


Ja zur Fusion mit Baden – aber nicht um jeden Preis
Die vier aktuellen Gemeinderatsmitglieder gehören allesamt der Bürgerlichen Vereinigung Turgi (BVT) an. Dass Links-Grün in der Exekutive vertreten ist, sei auch im Hinblick auf eine mögliche Fusion mit Baden wichtig, glaubt Markus Wälty, der an seinem früheren Wohnort Baden zwei Jahre lang für teambaden im Einwohnerrat sass. Diese Kontakte pflegt er bis heute, und sie könnten nun hilfreich bei der Fusion sein, glaubt Wälty. Er ist ein klarer Befürworter des Zusammenschlusses, «aber wir sollten uns den Badenern nicht um jeden Preis an den Hals werfen – denn Turgi hat auch seine Qualitäten. Das Bauland auf dem Bahnhofareal hat Potenzial, welches Baden fehlt.» Wichtig seien aber auch Details wie die Postleitzahl 5300, die unbedingt erhalten werden soll: «Das sind Kleinigkeiten, die entscheidend sein können fürs Bauchgefühl», ist Markus Wälty überzeugt.

Treffen mit Markus Wälty
Samstag, 12. September, 10 Uhr, Dorfpark, und Dienstag, 15. September,
19 Uhr, Kindergarten Allmend, Turgi

www.ig-turgi.ch

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