Noch 210'000 Franken bis zum Ziel

Ende Juni stimmt die Bevölkerung von Freienwil über die Dorf AG ab. Gemeinderat Gaudenz Schärer beantwortet offene Fragen.

Gaudenz Schärer ist seit dem 1. Januar 2021 Freienwiler Gemeinderat. (Bild: is)

09. Juni 2021
17:30

Nach dem Ja der Genossenschaft Dorfladen Freienwil ist nun die Bevölkerung an der Reihe: Am 24. Juni werden die Ortsbürger- und die Einwohnergemeindeversammlung über die Gründung einer Dorf AG entscheiden. Damit soll ein wichtiger Schritt zur Rettung des Dorfladens gemacht werden. Neben grossem Zuspruch gibt es im Dorf auch kritische Stimmen. Gemeinderat Gaudenz Schärer nimmt Stellung zu den Finanzen, zum Standort und zum Bauprojekt.


Gaudenz Schärer, wie nehmen Sie die Stimmung gegenüber dem -Projekt Dorf AG wahr?

Positiv und unterstützend. Komplexe Probleme haben in der Regel nie nur die eine richtige Lösung. Es wird immer andere Ansätze geben, die jemand ins Spiel bringt, mit möglichen Vor- und Nachteilen. Nur müssen wir irgendwann die Richtung festlegen, in die wir gehen wollen. Sonst wird auch in fünf Jahren kein neuer Dorfladen stehen – und den alten wird es wahrscheinlich nicht mehr geben. Und wenn er einmal weg ist, wird es ungleich schwieriger, ihn wieder zu etablieren.

Was heisst das in Bezug auf die Dorf AG? 

Dass wir jetzt die Möglichkeit haben, ohne Zeitverzug ein gutes, machbares, mehrheitsfähiges, breit abgestütztes und unterstütztes Projekt zu starten, um das Weiterbestehen des Dorfladens an einem überaus guten Standort zu sichern. Das heisst aber auch, dass im Laufe des Bauprojektes und auch später Korrekturen möglich und vielleicht notwendig sind, wie bei jedem grösseren Projekt. Sollten davon zum Beispiel die Statuten betroffen sein, wird die Generalversammlung der AG darüber entscheiden. Das grundlegende, verbindende Interesse von allen, die sich für die Dorf AG engagieren, einschliesslich der Gemeinde, ist ein funktionierender, überlebensfähiger Dorfladen.

Wie viele Scheine sind bis dato gezeichnet worden?

Aktuell sind Zeichnungsscheine im Wert von mehr als 80'000 Franken eingegangen, von insgesamt rund 290' 000 Franken Aktienkapital, das durch die Einwohnerinnen und Einwohner erworben werden kann. Wir bedanken uns bei allen, die bis jetzt ihre Unterstützung bekundet haben und damit ein starkes Zeichen setzen. Diese Scheine schliessen die bestehenden Anteilsscheine der Genossenschafterinnen und Genossenschafter nicht mit ein, sondern sind «frisches» Kapital, das für das Projekt Dorfladen neu zur Verfügung gestellt wird.

Wie viel Geld fehlt konkret?

Es fehlen noch rund 210'000 Franken zur Vollfinanzierung des Projekts. Wir sind also auf weitere Aktionärinnen und Aktionäre angewiesen, auch wenn nicht das gesamte Aktienkapital von Anfang an zur Verfügung stehen muss, sondern erst im Laufe des Bauprojekts. Wenn alle in Freienwil eine Aktie zeichnen, sind wir dem neuen Dorfladen einen grossen Schritt näher.

Weshalb steigt die Verschuldung nicht?

Ich wurde darauf hingewiesen, dass aus finanztechnischer Sicht der verwendete Begriff «Verschuldung» Raum für Interpretation gelassen hat. Richtig ist, dass die Nettoverschuldung der Gemeinde nicht zunimmt, da die Aktien im Finanzvermögen – auf der Aktivseite der Bilanz – als Beteiligung ausgewiesen werden und auf der Passivseite die Verpflichtung respektive Schuld in gleicher Höhe steht. Dies, wenn das Kapital für den Aktienkauf zum Beispiel durch ein Darlehen beschafft wird und nicht flüssig zur Verfügung steht. Das heisst, die Schuld, absolut gesehen, nähme um ein solches Darlehen zu, die relevante Nettoverschuldung jedoch nicht.

Der Standort beim Gebäude -Eintracht ist gesetzt?

Er ist im Gestaltungsplan definiert. Aber auch wenn er das nicht wäre – es gibt keinen besseren Standort für einen Laden als mitten im Dorf. Vor allem, wenn er auch als Treffpunkt dienen soll. Ein signifikanter Anteil am heutigen Umsatz wird durch Kunden generiert, die nicht in Freienwil wohnen, sondern durch das Dorf hindurchfahren. Der direkte Anstoss an die Badenerstrasse und die Sichtbarkeit sind sehr wichtig. Dies wird nicht nur durch die jetzige Betreiberin bestätigt, sondern auch durch grosse Detailhändler und Banken. Der allergrösste Teil des Landes gehört der Genossenschaft. Der Standort ist sehr gut. Weshalb sollten alle diese Vorteile zugunsten einer Satellitenlösung am Dorfrand aufgegeben werden?

Wer wird eigentlich den Verwaltungsrat der AG präsidieren? 

Das ist offen. Im Projektteam sind wir einstimmig der Meinung, dass diese Person nicht aus den Reihen des Gemeinderats stammen sollte, im Sinne grösstmöglicher Neutralität.

Wie konkret ist das Bauprojekt eigentlich, Stand heute?

Viele Rahmenbedingungen sind im Gestaltungsplan und in den Sondernutzungsvorschriften festgelegt. Der nächste Schritt ist die Konkretisierung: Die für den Gestaltungsplan erstellte Testplanung wird in ein Planerwahlverfahren für eine Architekturkonkurrenz überführt. Zuerst müssen wir aber das Gefäss dazu schaffen – die Dorf AG. Dies kann mit einem Ja zur Alimentierung der Dorf AG an beiden Gemeindeversammlungen am 24. Juni erreicht werden.

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