Noch nicht alle Fragen geklärt

Es bestand grosses Interesse am neuen Lehrplan beim Publikum am CVP-Infoabend in Ehrendingen. Gleichzeitig sind die betroffenen Eltern aber noch stark verunsichert.

Referent Urs Oberthaler und Schulpflegemitglied Neide Zimmermann  (Bild: ce)

von
Claudio Eckmann

14. Mai 2019
10:40

Auf das Schuljahr 2020/21 wird an der Schule Ehrendingen der Lehrplan 21 eingeführt. Der Aargau habe eigentlich Glück, sagte Urs Oberthaler von der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz, der als kompetenter Redner für diesen Abend eingeladen worden war. Denn der Aargau sei der letzte Kanton, der nun den neuen Lehrplan einführe, so habe man von den Erfahrungen der anderen Kantone profitieren können; in den Kantonen Solothurn, Thurgau und Basel-Stadt sei er zum Beispiel schon vor sechs Jahren eingeführt worden. Der Lehrplan 21 heisst nämlich nicht wegen der Jahreszahl so, sondern weil 21 Deutschschweizer Kantone angeschlossen sind. Eingeladen zu diesem Abend hatte die örtliche CVP, und durch den Abend führte Neide Zimmermann, CVP-Mitglied und selber auch Mitglied der Schulpflege. Die Partei hatte damit ganz offensichtlich ein Thema aufgegriffen, das unter den Nägeln brennt, das zeigte die lange Fragerunde nach dem Referat.

  

Stufengerechte Kompetenzen

Zunächst erläuterte Urs Oberthaler die Idee des neuen Lehrplans: während früher vor allem die Bereiche «Inhalte» und «Lernziele» im Vordergrund standen, ist es jetzt der Bereich «Kompetenzen», wobei er ausdrücklich betonte, die beiden anderen Bereiche brauche es immer noch, nur würde der dritte massiv gestärkt. Die Kompetenzen sollen stufengerecht gefördert werden, und er zeigte dies am Beispiel Deutsch: Vom Kindergarten bis zur 2. Klasse soll das Kind «einfache Sachverhalte oder Aufträge in Bildform verstehen», in der 3. bis 6. Klasse soll es «in kurzen Texten Wesentliches markieren und Unklarheiten kennzeichnen» können, und in der Oberstufe «kann es sich eine eigene Meinung zu Aussagen aus Textdokumenten bilden und diese präsentieren».

  

Viele Bedenken

Die Stossrichtung der neuen Pädagogik war an diesem Abend zwar nicht bestritten, doch kamen dennoch viele Bedenken auf: Werden mit diesem anspruchsvollen System die Unterschiede zwischen schwachen und guten Schülern nicht noch verstärkt? Es sei Aufgabe der Lehrpersonen, den Unterricht individuell auf die Kinder einzustellen, antwortete der Referent, oder mit Flexibilität könnten an einer Schule die Klassen anders, angepasster aufgeteilt werden. Wie denn die Kontrolle der Lehrpersonen durchgeführt werde, damit der neue Lehrplan auch wirklich und gut umgesetzt werde? Gibt es Mitarbeitergespräche? Gibt es (obligatorische) Weiterbildungen? Wer kontrolliert die Schulleitungen? Es zeigte sich nun, dass die Schulleitung am Infoabend nicht anwesend war, und das wurde bedauert. Einige Fragen konnte der Referent klären: Die Qualitätssicherung sei Sache der Schulleitung, also zum Beispiel auch die Kontrolle über die Tätigkeit der Lehrerschaft. Die Schulleitung selbst ist wiederum der Schulpflege unterstellt. Weiter ins Detail konnte Urs Oberthaler jedoch nicht gehen, denn seine Aufgabe ist es ja, seitens der Fachhochschule die Umsetzung des Lehrplans 21 zu begleiten. Die Überprüfung von Strukturen oder Abläufen an den Schulen vor Ort liegt nicht in seinem Aufgabenbereich. Die Fachhochschule bietet etwa 500 Weiterbildungskurse im Jahr an. Mit dem neuen Lehrplan wird die Stundenzahl an den meisten Stufen steigen, ob das nun auf Blockzeiten hinauslaufe? Jedenfalls biete der neue Lehrplan eine gute Möglichkeit dazu, war die Antwort. Die Umstellung der Lehrmittel erfolgt übrigens in Ehrendingen, so war von Lehrerseite zu erfahren, schrittweise bereits ab jetzt.

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