Nomination zur richtigen Zeit

Ligia Vogt aus Windisch hilft mit ihrer Organisation bei der Integration von Migrantinnen. Sie war deshalb für die «Helden des Alltags» nominiert.

Ligia Vogt hofft, dass ihre Organisation weiterhin bestehen bleibt
Ligia Vogt hofft, dass ihre Organisation weiterhin bestehen bleibt (Bild: zVg)

von
Claudia Laube

10. Mai 2018
09:00

Auf Spanisch sind es «5 minutos de Gloria», im deutschen Sprachgebrauch zehn Minuten mehr: die sprichwörtlichen 15 Minuten Ruhm. Ligia Vogt aus Windisch durfte sie im Januar erleben, dank der Nomination für die «Helden des Alltags». Mit dieser Auszeichnung ehrt das Schweizer Fernsehen einmal im Jahr besonderes freiwilliges Engagement – und macht publikumswirksam auf das wertvolle «stille Schaffen» aufmerksam, das in der Schweiz so zahlreich geleistet wird. 

300 Vorschläge sind für die Wahl eingegangen. Ligia Vogt schaffte es bis unter die letzten drei. «Nie hätte ich geglaubt, so weit zu kommen!» Noch immer überrascht sie das. Sie durfte ihre Freiwilligenarbeit prominent präsentieren: in der Sendung «Schweiz aktuell» und im Radio auf SRF 1. Am Ende gewann sie knapp nicht, aber das war ihr auch nicht wichtig: «Ich machte bei der Wahl mit, um auf Nosotras Aargau und unser Wirken aufmerksam zu machen. Ich wollte ein positives Bild der Integration zeigen.»

 

Grosse Nachfrage

Vor 13 Jahren startete die Windischer SP-Einwohnerrätin ihr Herzensprojekt. Sie war elf Jahre zuvor der Liebe wegen in die Schweiz gekommen – und musste wieder von vorne anfangen. In Venezuela dozierte sie an einer Uni als Professorin für Sozialwissenschaften, hier war ihre Ausbildung nichts mehr wert. Sie vermisste den Kontakt zu anderen in einer ähnlichen Situation und ahnte, dass sie nicht die einzige Lateinamerikanerin sein würde, die sich nach Austausch sehnte. Also rief sie Nosotras Aargau ins Leben. Schon bald war ihr Engagement ein unbezahlter 100-Prozent-Job. Die Nachfrage war riesig, und sie musste erschreckt feststellen, dass viele ihrer «Schützlinge» von häuslicher Gewalt betroffen waren. Sie beherrschten weder die Sprache noch wussten sie, wohin sie sich wenden konnten.

Ob Anwälte, Psychologen, Dolmetscher und andere, Ligia Vogt fand Fachleute, die sie freiwillig unterstützten. In den früheren Räumlichkeiten des Karussells Baden bot sie Konversations- und Integrations-Workshops, Computer- und Elternbildungskurse sowie Familien- und Schwangerschaftsberatungen – mithilfe zahlreicher Freiwilliger. Auch die Nomination für die «Helden des Alltags» half, neue freiwillige Kräfte zu gewinnen. Zudem wurden Organisationen wie der Aargauische Katholische Frauenbund auf sie aufmerksam. Dieser spendete Nosotras Aargau im März 3000 Franken. Eine Dame aus Aarau bot ein Haus zur Nutzung an, für alleinerziehende Frauen in Not. 

 

Ein Wink des Schicksals

Kurz vor der Nomination musste sie aus Geldmangel die beiden Räume künden, in denen die Organisation inzwischen ansässig war. Einen der Räume darf sie als Untermieterin zwar weiter nutzen, der andere aber fehlt nun. Er diente der Kinderbetreuung, damit die Frauen in Ruhe die Kurse besuchen konnten. «Doch ohne Kinderbetreuung wird das für sie schwieriger», bangt Ligia Vogt um ihre Klientinnen. Vielleicht sorgt am Ende die neu gewonnene Aufmerksamkeit aber auch hier noch für Abhilfe: «Wir haben einen anderen Raum für die Kinderbetreuung in Aussicht, aber es ist noch nichts spruchreif. Wir hoffen sehr, dass es klappt!»

 

Kräftezehrende Jahre 

Ligia Vogt selbst packte die Gunst der Stunde und trieb Projekte voran, die sie schon länger mit sich herumtrug – «weil man uns nun kannte.». So ist zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit dem Regionalen Pflegezentrum Baden in Planung, um Migrantinnen mit älteren Menschen zusammenzubringen: «Wir wollen Gelegenheiten bieten.» Die Ideen gehen ihr nicht aus, aber sie hat aus den vergangenen kräftezehrenden Jahren gelernt: «Inzwischen nehme ich alles Schritt für Schritt.» 24 Stunden täglich war sie damals für ihre Schützlinge erreichbar und immer zur Stelle, wenn es brannte. Das hinterliess Spuren. Noch kurz vor der Nomination wollte sie ganz aufhören, sie konnte nicht mehr. 

Früher hätte sie Nein zu einer Teilnahme bei den «Helden des Alltags» gesagt: «Ich habe die Öffentlichkeit nie gesucht, eben weil ich mit vielen Fällen von häuslicher Gewalt konfrontiert bin und mich und meine Familie nicht verletzlich machen will.» Der Zeitpunkt jetzt sei nun aber ideal gewesen, nickt Ligia Vogt dankbar: «Ich hoffe, dass dank der Aufmerksamkeit, die wir erhalten haben, die Organisation weiterhin bestehen bleibt.» 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Baden ist. Erstmals farbig!

Kunterbunt ist garantiert: Fünf Kilometer beträgt die Strecke beim Colorrun. Bei... Weiterlesen

Mit «den Winzlingen» im Zelt

Unbedingt positive Zeichen setzen: Das war mitunter die Hauptmotivation der... Weiterlesen

region

«Lampefieber-Kids» – Showtime im Zelt

Im «Zelt» treten nationale und internationale Entertainer auf. Mitten drin... Weiterlesen 0 Kommentare

specials

Der Jahrhundertbau im Regionalzentrum

Mit der Einweihung des HTL-Neubaus im August 1968 wurde der Grundstein für den... Weiterlesen 0 Kommentare

specials

«Wir sind auch ein Experimentierfeld»

«Wir sind umgeben von interaktiver Technologie», stellt Doris Agotai fest. Sie... Weiterlesen 0 Kommentare