Offenes Ohr für die Brugger Altstadt

Im Rathaussaal Brugg fand das erste Brainstorming in Sachen Entwicklungsleitbild Altstadt statt. Die Zahl der Ideen am war gross. Und auch der Wille, zu echten Ergebnissen zu kommen.

Rund 20 Akteure kamen in den Rathaussaal und diskutierten ausgiebig
Rund 20 Akteure kamen in den Rathaussaal und diskutierten ausgiebig (Bild: wag)

von
Hans Christof Wagner

07. Februar 2019
09:00

Ein «Kernteam» begrüsste die Anwesenden am 29. Januar im Rathaussaal. Es besteht aus: Bigna Lüthy, seit Sommer 2018 Planerin, als Vertreterin der Stadt und Kaspar Ruoff als Repräsentant der Altstadtbewohner. Mit im Boot sitzt auch Elsbeth Hofmänner von der Abteilung Planung und Bau. Als Moderatoren wirken Andrea Smith und Markus Pfyl vom Planungsbüro Eckhaus AG Zürich. Und während Pfyl am Abend die Debatte leitete, heftete Smith Karteikarten an die Flipcharts, auf denen sich, je weiter der Abend fortschritt, immer mehr Ideen ansammelten.

Im Übrigen aber, beteuerten beide, seien sie «völlig unwichtig» in diesem speziellen Prozess. Protagonisten der inzwischen zweiten Altstadt-Klausur, die erste fand mit Vertretern der Stadt schon im Dezember statt, sollten diejenigen sein, die in der Altstadt leben, wohnen, arbeiten oder alles auf einmal: Gewerbetreibende, Einzelhändler, Gastronomen, Kulturschaffende, der reformierte Pfarrer und Vereinsabgesandte fanden sich ein und gaben auf die Frage, was die Brugger Altstadt ausmacht, ob sie schön sei oder es noch Verbesserungspotenzial gebe, Antworten. Planerin Lüthy nannte die Altstadt «einen sehr schönen Ort», ebenso wie Hofmänner («Ich schätze Althergebrachtes»). 

  

Zu monoton und uniform?

Doch dann kamen auch schon die Defizite zur Sprache. Ruoff sprach die Leerstände in den Erdgeschossen an, vermisste Grün im öffentlichen Raum und Möglichkeiten «zum Verweilen». Einer der Teilnehmenden nahm an seinem ersten Tag in Brugg die Stadt als Stadt der Verbote wahr und kassierte auch schon prompt eine 100-Franken-Busse. Weder Hauptstrasse noch Hofstatt lüden wirklich zum Verweilen ein. Ein anderer nannte die Altstadt «zu monoton und uniform». Eine Vertreterin des Gewerbevereins Zentrum Brugg ging sogar so weit und sagte: «Unser Eindruck ist, dass man eigentlich gar niemanden in der Altstadt haben will, dass alle besser wegbleiben sollten.» Schon allein der Haupteingang der Altstadt am Schwarzen Turm bestärke diesen Eindruck. 

Die Bandbreite der Klausur-Teilnehmer war gross. Romano Chiecchi, Messergeschäft-Inhaber in der Hauptstrasse und seit 1940 Bewohner der Altstadt, war ebenso darunter wie Max Kuhn, seit 1955 in der Prophetenstadt und Präsident der Genossenschaft Altstadt, und Architekt Krishna Menon, Mitglied der Initiative Altstadt – allesamt alte Hasen, denen im Bereich der Altstadt keiner mehr was vormachen kann. Aber auch Neulinge sassen in der Runde. 

 

Brugg soll grüner werden

Schon sehr bald kristallisierte sich ein erstes Meinungsbild heraus: Brugg soll grüner werden, den Menschen schöne Plätze bieten, wo sie sich treffen können, sich gerne aufhalten und sich wohlfühlen, beispielsweise auf der Hofstatt oder am Kirchplatz. Brugg soll sein Potenzial nutzen, gerade hinsichtlich des Aare-Ufers und die Altstadt als Chance, nicht als Bürde sehen. Ein Teilnehmer spitzte es zu: «Die Zukunft der Altstadt liegt im Freizeitbereich, nicht im Einkaufen.» Man könne das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Einigkeit herrschte darin, dass die Altstadt nicht an der Aare zu Ende ist, dass man sie nicht ohne die Neustadt betrachten kann und dass sie eigentlich alle betrifft, auch die aus Lauffohr oder Altenburg. So kam auch die Anregung gut an, man müsse die Quartiervereine der Stadtteile aktiv in den Prozess einbinden. 

Und der geht mit einer weiteren Klausurtagung am 25. März weiter, dann mit Stadtrat und Verwaltung am Tisch. Zudem ist geplant, einen Stammtisch einzurichten, der noch mehr Möglichkeiten zu Kommunikation und Austausch bietet, wie Planerin Bigna Lüthy ankündigte. Moderator Markus Pfyl drückte aufs Gas und beschloss den Abend. Er zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis: Hauptsache der Entwicklungsprozess komme ins Laufen und bleibe es – auch wenn man vorderhand nur kleine Projekte umsetze – und vieles einfach mal ausprobiere.

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