Ohne Gesundheit kein Lernen

Mit Schulbeginn wurde ein neues Präventionskonzept eingeführt, das Kinder, Lehrpersonen und Eltern gleichermassen stärken soll.

Die Fachgruppe Prävention und Partizipation: Samuel Schölly, Mirjam Luggen, Lea Neidhart, Volker Lehmann, Michèle Guerra. (Bild: zVg)

16. September 2020
15:23

Die Schule versteht sich als ein Ort der Begegnungen und des Lernens. «Voraussetzung für gutes Lernen ist, dass alle Beteiligten psychisch und physisch gesund sind und sich wohlfühlen», erklärt die Ehrendinger Schulsozialarbeiterin Michèle Guerra. Sie ist Teil der Fachgruppe «Prävention und Partizipation» der Schule Ehrendingen: Prävention, weil der Gemeinderat Ehrendingen Suchtprävention als Legislaturziel formuliert hat, und Partizipation, weil Schulleiter Samuel Schölly mehr Teilnahme aller Beteiligten am «Gesamtwerk Schule» wünscht. Die Fachgruppe setzt sich aus Lehrpersonen, Schulleitung, Elternrat, Jugendarbeit und Schulsozialarbeit zusammen. Das gemeinsame Ziel: Die Ehrendinger Schülerinnen und Schüler sollen in ihren fachlichen und auch überfachlichen Kompetenzen geschult und gestärkt werden, ganz wie das der neue Aargauer Lehrplan 21 vorsieht.


Gefühlskarten und Friedenstreppe
Die Fachgruppe wurde im August 2019 ins Leben gerufen und hat während eines Jahres ein Konzept für die Schule Ehrendingen ausgearbeitet. Die Umsetzung fing mit Schulbeginn an, das Konzept wird schrittweise eingeführt. Es basiert auf der Kinderrechtskonvention sowie den neuen Vorgaben des Lehrplans 21 und ist in sechs Themenbereiche aufgeteilt: Förderung der Medienkompetenz, Selbst- und Sozialkompetenz, Gewaltprävention, Gesundheit, Umgang mit Sexualität und Partizipation. «Wichtig ist», so Michèle Guerra, «dass alle beteiligten Personen am gleichen Strick ziehen – Kinder und Jugendliche, Lehrpersonen, Schulleitung, Eltern, Hausdienst, Jugendarbeit und Behörden wie Schulpflege und Gemeinde.

Dank dem Beitritt zum «Netzwerk gesundheitsfördernder Schulen» profitiert die Schule Ehrendingen von der Beratung durch Fachleute und ist mit anderen Schulen vernetzt, die sich für die Förderung der psychischen und physischen Gesundheit einsetzen. «Vieles wird bereits angewendet, etwa die bewährte Pausenapfel-Aktion oder der Sporttag. Aber Neues kommt hinzu», erklärt Guerra, die seit anderthalb Jahren in Ehrendingen tätig ist.
Ein wichtiges Thema sind etwa gewaltfreie Kommunikation und der Umgang mit Gefühlen. Es soll in der ganzen Schule eine gemeinsame Haltung und Sprache entstehen, so Guerra: «Das wird natürlich nicht von heute auf morgen passieren, es braucht Zeit.» Dazu hat jede Klasse Gefühlskarten und eine Friedenstreppe erhalten. Die Treppe soll den Klassen helfen, Streit oder kleinere Problem selbständig, eben Stufe für Stufe, lösen zu können. «Ganz zuoberst wird Frieden gemacht», erklärt Lehrerin Mirjam Luggen, die sich ebenfalls in der Fachgruppe engagiert. Zudem findet wöchentlich ein Klassenrat statt. So sollen die Kinder und Jugendlichen lernen, Verantwortung für die Gruppe zu übernehmen, Konflikte konstruktiv zu lösen und sich einzubringen.
Aber auch für die Erwachsenen – Lehrpersonen und Eltern – werden Schulungen angeboten. So finden nach den Herbstferien zum Beispiel bereits zwei Elternabende zum Thema «Digitale Medien» statt, allerdings nur für bestimmte Klassen.

Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist MindMatters, ein Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit. «Ziel von MindMatters ist einerseits, eine Schulkultur zu entwickeln, in der sich alle sicher, wertgeschätzt, eingebunden und nützlich fühlen», erklärt Michèle Guerra. Andererseits sollen auch die Arbeitsbedingungen und die Gesundheit der Lehrpersonen im Fokus stehen. Allen voran aber die Lernbedingungen und die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler. Dieses Programm, welches ursprünglich aus Australien stammt, wurde von der schweizerischen Gesundheitsstiftung «Radix» für die Schweiz adaptiert und dem Lehrplan 21 angepasst. Im Unterricht wird mit Modulen wie Ich-Bewusstsein, Beziehungskompetenz, Mitgefühl und anderen Themen gearbeitet.


Grosszügige Gemeinde
Die Programme und externen Anbieter kosten Geld. «Wir sind sehr dankbar für die grosszügige Unterstützung durch die Gemeinde», betonen die Mitglieder der Fachgruppe. Sie sind überzeugt, dass die Bemühungen nachhaltig sind und alle Beteiligten profitieren. «Es geht in dem Projekt auch um eine Auseinandersetzung mit Werten und Haltungen. Wir haben einen positiven, lösungsorientierten Fokus und wollen gemeinsam weiterkommen. So soll ein guter Geist an der Schule entstehen», erklärt Schulsozialarbeiterin Guerra.

Das Konzept ist auf fünf Jahre ausgelegt und wird laufend an die Bedürfnisse und Begebenheiten angepasst. Der Startschuss ist mit Beginn des Schuljahres gefallen. «Fachgruppe und Lehrerteam sind motiviert und freuen sich auf diesen spannenden Weg», so Schulleiter Samuel Schölly. 

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