Ostaargau soll nicht im Verkehr versinken

Das überdurchschnittliche Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung im Ost­aargau bedarf einer Lösung. Nun informierte der Kanton in Baden.

Carlo Degelo, Leiter Sektion Verkehrsplanung, und Regierungsrat Stephan Attiger (rechts) bei der Infoveranstaltung im BBB (Bild: zVg)

von
Peter Graf

05. November 2019
09:45

Rund 30 Prozent mehr Menschen und 20 Prozent mehr Arbeitsplätze werden bis ins Jahr 2040 prognostiziert. Vor diesem Hintergrund war der Gros­se Rat aktiv geworden, wie Regierungsrat Stephan Attiger anlässlich der öffentlichen Informationsveranstaltung erklärte: «Er hat dem Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) 2017 den Auftrag erteilt, die künftigen Verkehrslösungen im Ostaargau gestützt auf die neue Mobilitätsstrategie mobilitätAARGAU weiterzuentwickeln und räumlich abzustimmen.» Das nun vorliegende Dossier «Regionales Gesamtverkehrs­konzept Ostaargau – rGVK Oase 2040» kann in die Vernehmlassung und öffentliche Anhörung für die Festsetzung im Richtplan. Die öffentliche Anhörung dauert bis 17. Januar 2020. 

In seiner Einleitung stellte Attiger fest, dass mit der Bevölkerungs­zunahme von rund 50'000 Menschen im Ostaargau das Mobilitätsbedürfnis einhergehe. Es sei daher wichtig, für die Zentren Baden-Wettingen und Brugg-Windisch eine Zentrumsentlastung zu schaffen. Dadurch könne auch der Verkehr aus dem Unteren Aaretal möglichst verträglich am Zentrum Brugg-Windisch Richtung A1 vorbeigeführt werden.

 

Zentrumsentlastung Baden

Am Prozess für den Raum Baden-­Wettingen waren neben den beiden Zentrumsgemeinden auch die Gemeinden Neuenhof, Obersiggenthal, Untersiggenthal, Turgi, Freienwil, ­Ennetbaden sowie der Regional­planungsverband Baden Regio beteiligt. Das Konzept sehe vor, so Carlo Degelo, Leiter Sektion Verkehrs­planung, dass ein Tunnel von der Siggenthaler Brücke unter dem Martinsberg und dem Chrüzliberg hindurch bis zur Neuenhoferstrasse gebaut werde. Zum Schutze des Thermalwassers muss der Tunnel im nördlichen Abschnitt möglichst weit östlich im Bereich der Hangkante des Martinsbergs bzw. des Oesterliwald-Plateaus geführt werden. 

In Abstimmung mit der Erhaltungsplanung der Kantonsstrassen werden auch die Ortsdurchfahrten von Unter- und Obersiggenthal überprüft und weiterentwickelt. Es wurde darauf hingewiesen, dass durch eine siedlungsverträglichere Führung des Verkehrs aus dem süddeutschen Raum Mehrverkehr auf der Nord-Süd-Achse vermieden wird. 

Ein wichtiger Teil der kantonalen Strategie ist auch das Mobilitäts­management, das in Zukunft die ­Verkehrsteilnehmenden vermehrt mit Informationen bei der Wahl von An­geboten optimaler Verkehrsmittel unterstützen soll.

 

Eine Velovorzugsroute

Besonderes Augenmerk gilt gemäss den Ausführungen von Frank Rüede, Projektleiter OASE, dem Veloverkehr. Dabei ist nicht Schnelligkeit, sondern Direktheit und ungestörter Fahrfluss wichtig. So soll dereinst eine Velo­vorzugsroute von Neuenhof über ­Baden, Siggenthal und Turgi nach Windisch bis ins Zentrum von Brugg sowie von Baden in Richtung Dättwil führen. Man strebe an, den Veloverkehr möglichst nahe an Bahnhöfen vorbeizuführen, um diesen mit dem ÖV zu verknüpfen. 

Vorgesehen ist auch ein markanter Ausbau des Bahnangebots. Alle Fernverkehrszüge und S-Bahnen sollen im 30-Minuten-Takt verkehren. Ziel ist es, dass auf stark gefragten Bahnachsen alle 15 Minuten ÖV-Verbindungen angeboten werden können.

 

Projekt schlägt Wellen

Vor wenigen Wochen fand der Spatenstich für die zweite Etappe der Limmattalbahn LTB von Schlieren nach Killwangen statt, die 2022 in Betrieb genommen werden soll. Für die Aargauer Regierung ist sie ein zentraler Baustein für die Mobilitätsbedürfnisse: Sie soll deshalb bis nach Baden weitergebaut werden. 

Die Region und der Verkehr weisen eine Dynamik auf. Es gelte daher, so der Wettinger Gemeindeammann Roland Kuster, an die Zukunft zu denken. Kuster, der auch Baden Regio präsidiert, bezeichnet das Gesamtverkehrskonzept als richtungsweisend. Allerdings gehe es nicht ohne Auffahrts­beziehung zur A1. Zudem müssen Ziel- und Quellenverkehr reduziert werden. 

In der abschliessenden Diskussion meldeten verschiedene Teilnehmende Bedenken an. So wird angeregt, den Tunnel in Neuenhof zu verlängern oder die Fahrbahnen nach dem Tunnelportal zu überdecken. Zudem könnte man in Neuenhof auf die LTB verzichten und diese bereits ab Killwangen nach Würenlos und Wettingen führen. Auch eine Weiterführung über die Hochbrücke nach Baden warf Fragen hinsichtlich einer neuen Limmatüberquerung für den Individualverkehr auf. Im Siggenthal und an der Mellingerstrasse erwartet man eine massive Zunahme des Verkehrs. 

Regierungsrat Attiger wies nochmals explizit darauf hin, dass noch nichts in Stein gemeisselt sei. Gegen Ende 2020 soll das Dossier «Richtplananpassung Oase» dem Grossen Rat für den Eintrag auf Stufe Festsetzung im Richtplan vorgelegt werden.

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