Pläne zur Süssbach-Aufwertung

Das Entwicklungsleitbild von Hausen sieht die Aufwertung des Süssbachraums vor. ­Vorerst erfolgt eine längst ­fällige Uferpflege.

Bei der Uferpflege in Hausen wird das Gestrüpp nur sektoriell ausgelichtet… (Bilder: h.p.w.)

von
Hans-Peter Widmer

11. Februar 2020
14:30

Der Süssbach führt wieder Wasser – sogar viel Wasser für die Jahreszeit, weil es in den ersten Februartagen mehr als die halbe durchschnittliche Monatsmenge geregnet hat. Der Zufluss kommt vor allem vom Scherzbach. Er entspringt am Nordosthang des Chestenbergs und speist die beiden Scherzer Mühleweiher sowie ein 1989 beim Bau der Autobahn A3 angelegtes kleines Biotop. Dank der stetigen Wasserabgabe aus den drei Rückhaltebecken trocknet der Bach auf der Strecke bis zum Seebli, wo er die Bahnlinie Brugg-Birrfeld unterquert, nie ganz aus. Doch weiter unten, in Hausen und auf der Reutenen in Windisch, gleicht das Gerinne oft nur noch einem feuchten Schwamm. Ein Grund ist der Mitte der Neunziger­jahre erstellte Hochwasserentlastungskanal Birrfeld-Aare. Damit hat man den Süssbach kastriert.

 

Bescheidenes Gewässer

Der 6,3 Kilometer lange Bachlauf gehört zu den bescheidenen aargauischen Kleingewässern. Bedeutender waren die römischen Wasserleitungen in seiner Nähe, die das Legionslager Vindonissa mit Trinkwasser versorgten. Immerhin ist der Süssbach das einzige Oberflächengewässer des Eigen­amts zwischen Chestenberg, Wülpelsberg und Eitenberg. Hier brauchte es jedoch keinen grösseren Vorfluter, weil die Niederschläge in der Schotterebene versickerten. Erst als Industrie- und Wohnbauten grös­sere Flächen des Birrfeldes versiegelten, musste das Meteorwasser künstlich abgeleitet werden. Dafür baute man den 17 Millionen Franken teuren Entlastungskanal.

Seit die Reichhold Chemie AG in Hausen ihren Betrieb eingestellt hat, fällt der Süssbach kaum mehr auf. Vorher belasteten ihn Abwässer des Unternehmens. Geruchsimmissionen belästigten die Anwohner bis zur Einmündung in die Aare. Sonst aber erschien der Bach harmlos, abgesehen davon, dass er in den letzten 50 Jahren zwei-, dreimal bei Hochwasser die SBB-Strecke und die A3 bedrohte. 

 

… während auf dem Bachabschnitt in Lupfig die Böschungen ziemlich freigelegt werden

 

Als Freiraum gestalten

Der Entwurf für das neue Räumliche Entwicklungsleitbild der Gemeinde Hausen sieht vor, den Süssbach als ­attraktiven lokalen Freiraum aufzuwerten und zu einer regionalen Fuss- und Radwegverbindung Brugg-Windisch-Hausen-Birrfeld umzugestalten. Eine solche Nord-Süd-Achse für den Langsamverkehr könnte in das momentan viel diskutierte Oase-Konzept passen. 

Die Planer haben schöne Ideen und ansprechende Bilder zur neuen Süssbachgestaltung zu Papier gebracht, zum Beispiel abgeflachte Böschungen mit einer besseren Zugänglichkeit und Erlebbarkeit des Bachlaufs – bis hin zu Sitzstufen am Wasser (sofern solches vorhanden).

Gewiss besteht hier Potenzial für mehr Naturnähe statt des zugewachsenen Niemandslandes. Das Gewässer müsste laut Gesetz zugänglich sein. Das ist nicht überall der Fall. Bei jüngsten Neuüberbauungen, zum Beispiel am Heuweg, wurde aber auf die Freihaltung des Bachprofils geachtet. Zur Aufwertung des Süssbach-Freiraums dürften vor allem eine konti­nuierliche Wasserführung und bessere Uferpflege beitragen. Ersteres bedingte wasserbauliche Massnahmen, das Zweite ist endlich in Gang gekommen: Der Forstdienst Birretholz lichtet im Auftrag des Kantons die Bachböschungen aus.

 

Auslichten – aber wie?

Es ist eine harte Arbeit für die Forstleute. Sie müssen sich im Bachlauf vom ehemaligen Reichhold-Areal bis zum Heuweg in Hausen durch Dornen­gestrüpp kämpfen. Dennoch machen sie nicht Tabula rasa mit dem Dickicht, sondern nehmen punktuelle Auslichtungen vor. Optisch wirkt das halbfertig. Aber Uferpflege habe eben mehrere Aspekte, sagt Forstwart Peter Huber. Es gelte in erster Linie, das Gerinne freizuhalten. Zudem seien ökologische und ornithologische Kriterien zu beachten. Den Vögeln biete Gestrüpp mehr als ein aufgeräumter Uferstreifen. Das ist nachvollziehbar.Anderseits fragt man sich, wie die von Brombeerstauden überwucherten Uferflächen der Biodiversität dienen.

Dieser Tage ist auch auf dem Bachabschnitt Seebli-Fuchshalde im Gemeindebann Lupfig die Uferpflege durch den Forstdienst Birr-Lupfig im Gang. Es fällt auf, dass hier die Böschungen stärker und in zeitlich kürzerem Abstand ausgelichtet werden als im Süssbachperimeter Hausen. 

Letztmals geschah dies vor vier Jahren. Damals riss ein Hochwasser noch nicht weggeräumtes Schnittgut mit und verstopfte den Einlauf zum Entlastungskanal Birrfeld-Aare. Der Bach trat über die Ufer und drohte die A3-Unterführung Seebli zu überschwemmen. Im letzten Moment bekam die Feuerwehr die Situation in den Griff.

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