Pomme & Cherry setzen auf Polos

Kraftvolle Motive und bunte Farben, das zeichnet die Polo-Shirts von Pomme & Cherry aus. Lanciert wurde das Label von zwei Windischerinnen.

«Diese Tasche gab unserem Label den Namen»: Nicole Gränicher im Odeongarten Brugg. (Bild: aru)

von
Annegret Ruoff | Jasmin Steger

15. September 2021
16:18

Bei ihrem Besuch im Odeongarten ragen die Sneaker-Socken kaum über den Rand der weissen Turnschuhe. Nichts deutet auf die grosse Leidenschaft von Nicole Gränicher hin. Was für andere der Morgenkaffee, ist für sie die Wahl der passenden Socken. Und eins ist klar: Schön bunt müssen sie sein. «Ich bin ein grosser Fan von trendigen, farbenfrohen Mustern», lacht die Windischerin. Die spielerischen Kreationen ihres Lieblingslabels «Dilly Socks» haben es ihr gar derart angetan, dass sie beschloss, noch mehr Farbe in ihren Alltag zu holen – und ein eigenes Label zu gründen.

Gemeinsam mit Freundin und Geschäftspartnerin Carmen Engler, die in Hausen aufgewachsen ist und lange in Windisch wohnte, machte sie sich auf die Suche nach schönen, bunten Mustern – allerdings nicht für Socken, sondern für Polo-Shirts. Die beiden Frauen ergänzten sich perfekt. Carmen Engler, gelernte Kauffrau, brachte ihr Flair für Administration und Zahlen und ihre Begeisterungsfähigkeit mit ein, Nicole Gränicher, Primarlehrerin – sie unterrichtet aktuell an der Schule Schinznach Bad – und ausgebildete Polygrafin, ihr Auge fürs perfekte Farbenspiel, ausgefallene Stoffe und stimmige Designs.

 

Bekannte Gesichter aus der Region standen Modell für die Polos von «Pomme & Cherry». (Bilder:zVg)

 

Sich bequem und elegant kleiden
Flamingos, Lobster, Rauten und Vögel zieren die Jersey-Stoffe der ersten Kollektion von «Pomme & Cherry». «Wir teilen die Begeisterung für tolle Stoffe und wollten einfach etwas Schönes zusammen produzieren», erzählt Nicole Gränicher. «Dass wir damit einen Trend setzen, war nicht unser Ziel.» Aus den farbenfrohen Shirts könnte trotzdem einer werden. Denn sie transportieren nicht bloss Qualität und Ästhetik, sondern zugleich ein Lebensgefühl. «Für so ein Kleidungsstück steht man am Morgen einfach gern auf», strahlt Gränicher.

Zum Nähen kam die Mutter von vier Kindern rein zufällig. Als sie von ihrer Grossmutter eine «Husqvarna» erbte, begann sie mit eigenen Kreationen für den Familien- und Freundeskreis. Zuerst standen unkomplizierte Dinge wie «Wickelsets», Taschen und Mützen auf dem Programm, später – mittlerweile hatte sich Gränicher eine luxuriösere «Bernina» gekauft – kamen Hosen, Jacken und Shirts dazu – immer in bunten Farben. «Gerade bei der Männermode sind frischere Töne und lustvollere Muster eine Marktlücke», findet die Windischerin.

Ein Glück, dass sich ihr Mann, Musiker Martin Meier, experimentierfreudig zeigte und für Gränichers Kreationen nicht nur Testperson, sondern auch Model spielte. Dank ihm – einem Liebhaber von Polo-Shirts – kam die quirlige Frau auf die Idee, diesem Kleidungsstück eine eigene Reihe zu widmen. «Mir wurde erst durch Rückmeldungen aus dem Freundeskreis bewusst, dass Polos als versnobte Golfer- und Tennisbekleidung gelten», lacht Gränicher. Nichtsdestotrotz blieb sie den speziellen Kleidungsstücken treu. «Ich finde sie interessanter als T-Shirts», sagt sie. «Man kann mit den Knöpfen und Kragen variieren.» Zudem gefalle ihr die gelungene Mischung aus «bequem und trotzdem sportlich-elegant».

Carmen Engler und Nicole Gränicher, die Begründerinnen des Polo-Labels.

 

Nachhaltig produzieren
Auf den witzigen Namen ihres Labels kamen Nicole Gränicher und Carmen Engler durch ihre gemeinsame Vergangenheit. Als sie früher zusammen auf Stoffeinkaufstour gingen, wählte Nicole meist Apfelmuster und Carmen Kirschen. So kamen sie auf den Namen «Apple & Cherry». Doch das mit dem Begriff «Apple» war so eine Sache. «Rechtlich wären wir da wohl schnell in Schwierigkeiten gekommen, da der IT-Konzern mit diesem Namen omnipräsent vertreten ist», erklärt Gränicher. So wählten sie schlussendlich die Variante «Pomme & Cherry».

Doch allein mit schönen Designs gaben sich Gränicher und Engler nicht zufrieden. Den beiden Frauen ist wichtig, dass ihre Produkte regional und nachhaltig produziert werden. Die Stoffe stammen grösstenteils von traditionellen, kleinen Stoffherstellern aus Süddeutschland. «Sie müssen im Minimum schadstoffgeprüft und aus Bio-Jersey sein», betont Nicole Gränicher. Die Polo-Shirts werden nicht einfach vorproduziert, sondern auf Bestellung von Hand zugeschnitten und in der Werkstatt der Sozialfirma Trinamo in Aarau genäht.

Damit sie selbst nicht aus der Übung kommen, verarbeiten Nicole Gränicher und Carmen Engler ihren Lieblingsstoff jeweils bei sich zu Hause. Bestellt also jemand das Modell «Forever young» mit Lobster-Muster, setzt sich Gränicher in ihrem Nähzimmer an die Maschine. Wer ein Polo-Shirt von «Pomme & Cherry» kauft, wartet im Durchschnitt zwei Wochen auf die Auslieferung.


Selbsttragend werden
Bei den Polo-Shirts wollen die beiden Designerinnen vorerst bleiben. Farbenfrohe Unterwäsche für Frauen zu produzieren, wäre zwar ein weiterer Wunsch von Nicole Gränicher, «aber das stellt hohe Anforderungen an die Nähkünste». Jetzt feilen die beiden erst ein Mal an ihrem Label, bis es selbsttragend ist – und das ist laut Gränicher «schon eine grosse Herausforderung».  Danach könnten sie sich vorstellen, ihren eigenen Stoff zu designen und ihn nachhaltig produzieren zu lassen. «So hätten wir mehr Freiheit mit den Mustern und könnten den Stoff auch unvernäht verkaufen», sagt die Windischerin. An Ideen für neue Kreationen fehlt es ihr jedenfalls nicht. Doch eins ist klar: Bunt müssen sie sein.

pommeandcherry.ch

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