Premiere für Sandro Brotz

Im Kern der Bundesfeier­ansprache von Sandro Brotz stand der Einbezug der Menschen mit einem Handicap in unsere Gesellschaft.

TV-Moderator Sandro Brotz sprach in Spreitenbach. (Bild: pg)

04. August 2021
18:45

Für Markus Mötteli war es einer der ersten öffentlichen Auftritte nach seiner Wahl zum Spreitenbacher Gemeindepräsidenten. Er zeigte sich in seiner Begrüssung denn auch erfreut über den grossen Aufmarsch der Bevölkerung, um gemeinsam mit der Alphorngruppe Reussblick und den flott aufspielenden Niederwiler Stubetehöckler den 730. Geburtstag der Eidgenossenschaft zu feiern. Auch wenn auf den traditionellen Apéro und das Volksfest verzichtet werden musste, hat der vollständig anwesende Gemeinderat mit der Verpflichtung von Sandro Brotz eine ausgezeichnete Wahl getroffen, vermochte doch der gewiefte Fernsehmann das Publikum zu begeistern.


«Spreitenbach hat mehr zu bieten»

Hätte ihm vor wenigen Jahren jemand gesagt, dass er je einmal eine 1.-August-Rede halten werde, hätte er geantwortet «Bist du vom Affen gebissen?». Denn, obwohl er es gewohnt sei, vor Publikum zu sprechen, bezeichnete er diesen Auftritt als Premiere. Auch wenn er dazu neige, die Gäste im Studio zu unterbrechen oder in die Enge zu treiben, werde er heute davon absehen, sich aber trotzdem kritisch äussern, zumal man dies ja von ihm erwarte. «Ich werde nicht auf die Pandemie, welche unsere Lebensbereiche durchdringt und die wir nur als Gemeinschaft überstehen können, eingehen». Sandro Brotz, der in einem Hochhaus in Zürich-Oerlikon aufgewachsen ist, erinnert sich an die Zeit, als das «Shoppi» als Paradies angepriesen wurde und wo er sich am Kiosk immer ein Heftli aussuchen durfte. Brotz sieht auch Parallelen zwischen Oerlikon und Spreitenbach, und wenn auch das Image von Spreitenbach dann und wann angekratzt wurde und werde, und sich die Bevölkerung darüber ärgere, so habe die Gemeinde viel mehr zu bieten als Schlagzeilen. In seiner launigen Ansprache hob Brotz das Vereinsleben, die Vielfalt und Offenheit hervor, welche das Zusammenleben zwischen den unterschiedlichen Kulturen ermöglichen. Dabei sei es wichtig, einander vermehrt zuzuhören und nicht nur eigene Standpunkte zu vertreten. Ein Konsens bei Lösungsfindungen sei unabdingbar.


Es bleibt noch viel zu tun

Das Zusammenleben mit Menschen anderer Kulturen habe er bereits früh als Bereicherung erlebt, erklärte der TV-Moderator. Der Kern seiner Aussagen bezog sich jedoch auf Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung. So erinnerte er sich an einen Jungen aus seinem Umfeld, der im Rollstuhl sass. Es sei ihm daher ein Anliegen, am Nationalfeiertag an den Sinn und Wert der Gemeinschaft zu erinnern. «Wir sprechen in dieser Zeit viel über Diversität, also die Vielfalt, und meinen dabei oft Jung und Alt, Mann und Frau. Dabei leben in der Schweiz 1,7 Millionen Menschen mit einer Beeinträchtigung, was bei der vielzitierten Diversität selten thematisiert wird.» Viele dieser Menschen seien im Alltag bei unterschiedlichen Tätigkeiten auf Hilfe angewiesen. Denn, obwohl in der Schweiz vieles behindertengerecht sei, gebe es noch immer Barrieren, die zu einer Diskriminierung führten. Dadurch würden Menschen auf ein einziges Merkmal reduziert und die Schwächen, statt die Stärken hervorgehoben, ist Brotz überzeugt. Zum Schluss bedankte er sich bei all jenen, welche die Werte der Demokratie hochhalten und sich vorab der Kommunalpolitik zur Verfügung stellen. Denn in einem Land, in dem die Meinungsfreiheit hochgehalten werde, brauche es für ein politisches Engagement Zeit, Einsatzwille und Nerven. Seine Gedanken wurden von den Anwesenden mit kräftigem Applaus und einem Präsent verdankt.

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