«Produktionsstandort Aargau wird bleiben»

CVP-Grossrat Andreas Meier aus Klingnau sieht der Energiewende kritisch entgegen. Er fordert Forschermut für die Technik.

CVP-Grossrat Andreas Meier aus Klingnau
CVP-Grossrat Andreas Meier aus Klingnau (Bild: zVg)

von
Urs Heinz Aerni

10. März 2017
14:50

Zur Person Andreas Meier

Der Unternehmer und Winzer Andreas Meier aus Klingnau wurde 2016 als CVP-Kandidat in den Aargauer Grossrat gewählt. Unter anderem ist er auch im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaft und Gesellschaft (AWG).

Hand aufs Herz, die Kernenergie ist für den Kanton Aargau eine wichtige wirtschaftliche Grösse, kann es sein, dass Sie der Energiewende deshalb kritisch entgegenblicken?

Andreas Meier: Energie in Form elektrischer Energie ist nicht mehr rentabel. Dabei kann diese fehlende Rentabilität nicht mit fehlender Effizienz gleichgesetzt werden. Stromproduktion gehört zum Primärsektor wie auch die Landwirtschaft. Als vor zehn Jahren der Weltpreis für Weizen auf 7 Dollar sank, war es in der Ukraine mit den fruchtbarsten Schwarzerdeböden der Welt nicht mehr rentabel, Getreide anzubauen. Ist deshalb der Weizenanbau in der Ukraine wirtschaftlich unsinnig? Nein – die Produktionsüberschüsse der USA zu exportieren, ist unsinnig und unfair. Genauso unfair ist Deutschland. Der Kanton Aargau nennt sich Energiekanton. Wenn der Strom keine Rendite mehr abwirft haben wir im Aargau verloren. Die äusserst angespannte Rechnung des Aargaus zeigt dies überdeutlich.


Welche Hausaufgeben müssten nun Ihrer Meinung nach die Chefs und CEOs der betroffenen Kraftwerke angehen?

Es gibt kurzfristige und längerfristige Entscheidungen, die anstehen. Ab 2020 ist die sichere Stromversorgung gefährdet. Um eine Stromlücke zu verhindern, braucht es kurzfristig wieder Kamine, also Gaskraftwerke. Längerfristig sind Geothermie und neue Techniken der Kernenergie ein Thema. Die Schweiz muss Forschermut aufbringen, ein Vorsprung in dieser Technik kann Wohlstand für die Schweiz bedeuten. Physikalische Grundgesetze müssen über populistische Irrwege bestimmen. Biogas, Windkraft und Sonnenkraft sind unzuverlässiger Unsinn, erst recht, wenn damit Wärmepumpen in kalter Winternacht oder Elektroautos betrieben werden sollen. Die CEOs müssen mit klarem Kopf und verständlichen Argumenten der heutigen Bauchgesellschaft entgegentreten.

 

Welche Massnahmen wären sonst oder gar zusätzlich nötig, damit der Aargau auch trotz der realisierten Energiewende fit bleiben möchte?

Der Aargau war nur in der Helvetik ein Verwaltungskanton – seither hat er seinen Wohlstand dem Ertrag des Produktionsstandortes zu verdanken. Das wird weiter bleiben. Es ist am wahrscheinlichsten, dass die Fertigung hoch technischer Produkte unsere Wirtschaft fit behält. Bildung, Forschung und das Pionierprojekt «Hightech Aargau» sind hoffentlich der richtige Weg.


Sehen Sie trotz allem doch auch Chancen für erneuerbare Energie? Wenn ja, gäbe es auch Potenzial beim Sparen?

Sinnvolle erneuerbare Energie ist in der Schweiz die Wasserkraft, sicher nicht Wind und Sonne. Energiesparen ist immer richtig und für jedes Unternehmen schon heute ein Muss, einerseits aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch wegen Bau- und Produktionsbestimmungen. Letztere sind bereits heute meist klar geregelt. 60% der Energie braucht die Wirtschaft und nur 40% die privaten Haushalte. Sparpotenzial gibt es sicherlich, in den letzten Jahren wurde bereits viel gespart. Wirtschaftliche Prosperität ist das Ergebnis von Wissen, Kapital und Energie.

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