Radiomacher und Podcaster

Kantischüler Eliah Brunner (18) aus Lengnau möchte Journalist werden. Dafür probiert er sich in allen Medien und Genres aus.

Grosser Filmfan: Jungjournalist Eliah Brunner vor dem Kino Trafo Baden. (Bild: rhö)

01. Dezember 2021
14:22

«Der letzte James Bond von Daniel Craig ist super», schwärmt Eliah Brunner vor der Plakatwand am Eingang des Badener Multiplex-Kinos Trafo. «Ich finde ‹No time to die› lustig, habe richtig mitgefiebert und war beim traurigen, aber schönen Schluss den Tränen nahe.» Der Lengnauer ist ein grosser Filmfan und konnte seit seiner Teilnahme an einem Ringier-Sommercamp schon einige Artikel zu diesem Thema für den «Blick» schreiben, darunter eine Vorschau auf kommende Kino-Highlights.

So fragen wir ebenfalls nach: Nicht verpassen will Brunner in den nächsten Wochen den Krimi «House of Gucci» mit Lady Gaga und Al Pacino, den satirischen Endzeit-Thriller «Don’t look up» mit Leonardo di Caprio und Jennifer Lawrence sowie «Spiderman – no way home». Letzterer ist beim Liebhaber von Marvel-Comic-Verfilmungen sicher nicht zu toppen. Ausser durch «Kevin – home alone», den er alle Jahre wieder an Weihnachten schaut …


Meinungen öffentlich machen
«Mein Interesse am Journalismus wurde an einem Zukunftstag in meiner Primarschulzeit geweckt, als ich meinen Onkel und Götti bei seiner Arbeit für die Aargauer Zeitung begleiten durfte», erzählt Brunner. Es handelte sich bei ihm um niemand Geringeren als Patrik Müller, den heutigen Chefredaktor von CH Media, deren Tageszeitungen fast eine Million Leser und Leserinnen erreichen. Besonders fasziniert den 18-Jährigen die Idee, dass Medienschaffende ihre Gedanken und Meinungen öffentlich machen und damit dazu beitragen können, dass die Leute informiert sind. Dabei rücken politische Themen – auch angefacht durch die Kontroversen um die Klimaerwärmung und Corona – immer mehr in seinen Fokus.

«Mein grosses Vorbild ist der österreichische Moderator Armin Wolf, der für ORF 2 knallharte Interviews führt, Sebastian Kurz schon mehrfach in die Mangel nahm und selbst vor Putin keine Angst hatte», erklärt Eliah Brunner. Beim Schweizer Fernsehen favorisiert er Sandro Brotz («Arena») und Arthur Honegger («10 vor 10»).

Der schulische Rucksack, den sich Brunner an der Kanti Baden mit den Schwerpunktfächern Psychologie, Pädagogik und Philosophie sowie dem Ergänzungsfach Geschichte umhängt, und die vielfältigen journalistischen Erfahrungen, die er bereits gesammelt hat, sind eine gute Grundlage, um sich den Berufswunsch Journalist erfüllen zu können. Schnuppertage und Workshops erlaubten ihm, bei Radio SRF Virus, Watson und dem Youtube-Format VideoGang Einblick zu nehmen. Ausserdem ist Brunner seit gut vier Monaten Moderator und Redaktor bei Radio 4TNG (For the next generation). «Das ist ein Radio für Jugendliche von Jugendlichen», erklärt er. «Wir sind alle zwischen vierzehn und zwanzig Jahre alt und senden donnerstags von 18 bis 21 Uhr live auf DAB und online.»


Podcasts als Maturarbeit
Das erworbene Know-how hat dem Kantischüler auch bei der Gestaltung seiner Maturarbeit geholfen, die er zwei Tage vor unserem Treffen abgegeben hat. Sie besteht aus sechs zwanzigminütigen Podcasts über die Veränderungen, die es in den letzten vierzig Jahren in der Medienwelt gegeben hat. Brunner hat dafür Medienschaffende aus allen Disziplinen wie Christian Dorer (Blick-Gruppe), Oliver Wagner (Radio Argovia), Nadia Leo (SRF) und Patrik Müller sowie Jugendliche über ihren Medienkonsum befragt. Eine Mitschülerin übernahm die technische Umsetzung. Das Gespann harmonierte so gut, dass aus ihm sogar ein Paar wurde.

Neben seiner Freundin und dem Journalismus gehört Brunners Herz der Blasmusik. Nachdem der Surbtaler vor zwei Jahren vom Fussballspielen genug hatte, trat er in die Musikgesellschaft Lengnau ein, in der er Euphonium, eine «Tenor-Tuba», spielt. «Obwohl ich wegen meiner vielen Aktivitäten immer knapp an Zeit bin, käme ich nie auf die Idee, keine Musik mehr zu machen, denn sie hat in unserer Familie eine lange Tradition», postuliert Brunner. Schon seine Grosseltern sangen im Chor. Die Mutter singt und ist – wie der Vater – Multi-Instrumentalistin. Inzwischen eifert man bereits Eliah selbst nach. Zwei der drei jüngeren Geschwister spielen ebenfalls ein Blechblasinstrument.


Cooler Radiomoderator
Die Liebe zur Musik ist einer der Gründe, weshalb es Brunners grösster Traum wäre, ein cooler Radiomoderator wie Tom Gisler oder Stefan Büsser zu werden. Und dies, obwohl die Zukunftsaussichten für Journalisten und klassische Medien alles andere als rosig sind. «Ich bedaure diese Krise enorm, aber sie wird mich nicht davon abhalten, meinen Berufswunsch weiter zu verfolgen», sagt er. «Speziell, weil kritischer Journalismus im Zeitalter von Fake News für unsere Demokratie besonders wichtig ist.»

Brunner plant, ab nächsten Sommer Politikwissenschaften zu studieren. Momentan würde er sich nicht trauen, über politische Themen zu schreiben. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat er allerdings am vergangenen Wochenende gewagt und als ersten Artikel für die «Rundschau» eine Reportage über das Jugendparlament Baden gemacht. «Regionaljournalismus ist vielseitig. Er bietet die Chance, das Handwerk von Grund auf zu lernen», meint Brunner. «Und die möchte ich nun nutzen.»

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