Raritäten aus der Romantik

Für Überraschungen ist gesorgt, wenn der französische Pianist David Kadouch mit Musik von Komponistinnen aus der Romantik auftritt.

David Kadouch stand bereits mit 13 Jahren mit Itzhak Perlman auf der Bühne der Metropolitan Hall, New York. (Bild: zVg)

12. Januar 2022
17:53

In keiner Konzertreihe im Aargau gibt es so viele unbekannte Pianistinnen und Pianisten sowie selten gespielte Werke zu entdecken wie in dem von Oliver Schnyder und Thomas Pfiffner mit viel Spürsinn für Ausserordentliches geleiteten «Piano District».

Nach der glanzvollen Saisoneröffnung mit Alexandre Kantorow, einem in Frankreich geborenen Preisträger des Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerbs, gastiert mit David Kadouch ein Meisterpianist, der 1985 in Nizza zur Welt kam und in der Schweiz zwar kein Unbekannter ist, jedoch auserlesene Raritäten spielen wird.

Der Künstler genoss seine Ausbildung zuerst in seiner Geburtsstadt, danach am Pariser Konservatorium und an der Escuela Superior de Música Reina Sofia in Madrid. Er hat Meisterkurse bei Berühmtheiten wie Daniel Barenboim, Murray Perahia, Maria Joȃo Pires und Maurizio Pollini besucht und in der Schweiz an den «Sommets Musicaux de Gstaad» sowie am Verbier Festival Erfolge gefeiert. Als begeisterter Kammermusiker hat David Kadouch nebst Violinsonaten von Grieg auch Klavierquintette von Schumann und Schostakowitsch auf CDs eingespielt.


Drei Romantikerinnen
In seiner sehr persönlichen Werkauswahl für Baden konzentriert sich der Pianist ganz auf das 19.Jahrhundert. Werke der drei Romantikerinnen Louise Farrenc (1804–1875), Fanny Hensel-Mendelssohn (1805–1847) und Clara Schumann-Wieck (1819–1896) bilden zwischen solchen von Frédéric Chopin (3 Nocturnes op.9) und Franz Liszt (Réminiscences de Lucia di Lammermoor) den roten Faden.

Sein Rezital besteht grösstenteils gleichsam aus pianistischen Nachklängen zum Jubiläum «50 Jahre Frauenstimmrecht in der Schweiz». Eröffnet wird es mit dem idyllischen Charakterstück «Am Flusse. September» aus dem Zyklus «Das Jahr» von Fanny Hensel-Mendelssohn, der genialen Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy. Aus demselben Zyklus, worin die mit dem deutschen Maler Wilhelm Hensel verheiratete Musikerin im Jahr 1841 Einflüsse einer Italienreise verarbeitete, stammen auch das Präludium und der Choral «März» sowie die Serenade «Juni».

Von Louise Farrenc sind drei Sinfonien häufiger im Radio als ihre vielen Klavierstücke im Konzertsaal zu hören. So dürfte das Publikum dem entdeckungsfreudigen Pianisten für die Bekanntschaft mit den bezaubernden Kostproben Valse brillante, Mélodie As-Dur und Etüde op.26 Nr. 27 besonders dankbar sein.


Vernachlässigtes Frühwerk
Von Clara Schumann-Wieck erklingt mit den sechs «Soirées musicales» op.6 das bravouröse Frühwerk einer Fünfzehnjährigen. Darin stellte die als Klaviervirtuosin gefeierte Musikerin stimmungsvoll erzählerischen Stücken wie dem klangzarten Notturno und der ausdrucksvollen Ballade tänzerische wie die beiden Mazurken gegenüber. Den effektvollen Rahmen des immer noch in der Konzertpraxis vernachlässigten Werks bilden eine Presto zu spielende Toccatina und eine Polonaise. Das markante Thema der Mazurka in G-Dur kehrt bei Robert Schumann als Motto in den «Davidsbündlertänzen» op.6 wieder. Ihre Stücke gab die Komponistin später zusammen mit den ursprünglichen «Quatre Pièces caractéristiques» op.5 unter dem Titel «Soirées musicales, 10 Pièces caractéristiques» in zwei Heften neu heraus.

 

Samstag, 22. Januar, 19.30 Uhr

Druckerei, Baden

karten@pianodistrict.ch

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