Rechnungen künftig per «Butler»

Die Bevölkerung nimmt zu – und dennoch ist für das agile Tegerfelden eine Gemeinde­fusion im Surbtal ein wichtiges Thema.

Reto Merkli, heute einziger Mann in der Tegerfelder Exekutive. (Bild: bkr)

19. Januar 2022
15:53

Am 30. Juni 2020 zählte Tegerfelden laut Bevölkerunsstatistik 1230 Einwohnerinnen und Einwohner. «Bis 2024 dürften es 1400 werden», sagt Gemeindeammann Reto Merkli. Die Gründe dafür sind – wie in anderen Surbtalgemeinden – der Siedlungsdruck der Agglomeration Zürich, aber auch die hervorragende Lage des intakten Weinbauerndorfs (Ortsbild von nationaler Bedeutung) in einer Erholungslandschaft mit besten Verkehrsbeziehungen in die Wirtschaftsregion Unteres Aaretal, nach Bad Zurzach oder in die Region Baden.

«Derzeit», sagt Merkli, «sind einige Mehrfamilienhäuser in Bau oder Planung, was auch für den Bereich der Einfamilienhäuser gilt.» Er erwähnt ein Projekt mit sechzehn Doppel-Einfamilienhäusern. Zudem will die Gemeinde eine eigene Liegenschaft verkaufen. Hier geht es ebenfalls um eine Überbauung mit mehreren Wohnungen. Aus dem Verkauf dürfte die Gemeinde rund 500'000 Franken erzielen.

Wachstum löst Investitionen aus – insbesondere im Schulbereich. «Spätestens 2025/26 ist mehr Raum erforderlich», sagt Merkli und freut sich: «Wir wollen den Zuzug von Familien.» Das bestehende Schulhaus steht unter Denkmalschutz, womit eine Auf­stockung kein Thema ist. Der Gemeinderat habe sich aber bereits andere Gedanken gemacht und wird die verschiedenen Varianten demnächst mit der Bevölkerung diskutieren.


Sanierung des Scheibenstands der Schiessanlage
Zudem stehen Sanierungen an – neben den üblichen Tranchen für Strassen und Werkleitungen jene des Scheibenstands der Schiessanlage. Hier geht es um eine Altlastensanierung – das Blei im Kugelfang. Die Kosten? Happig. Genaueres wird eine Analyse zeigen. In der Pipeline ist auch ein neues Abfallreglement. Die freie Zugänglichkeit der Container für Alteisen und Karton, welche jeweils vor den Altpapiersammlungen auf­gestellt werden, musste bereits aufgegeben werden. Insbesondere der Altmetallcontainer wurde für andere Abfälle zweckentfremdet.

Spannend, was Merkli zum Thema Digitalisierung erzählen kann. Hier sind er und seine Gemeinde richtige «Turbos». Für die Gemeinderatsmitglieder per Webtool verfügbare Akten sind längst Realität, wie auch eine elektronische Visierung von Rechnungen. Apropos Rechnungen. Bis zum Jahresende möchte die Gemeinde ihre Rechnungen den Bürgerinnen und Bürgern mit dem Tool «Brief-Butler» zustellen. Per E-Mail gibt es einen Link, über den – Datenschutz ist garantiert – die Zahlung per E-Banking ausgelöst werden kann. «Keine Angst», sagt Merkli, «das ist nicht mit Zwang verbunden. Wer nach einer gewissen Zeit den Link nicht genutzt hat, bekommt wie bisher die Rechnung per Post.»


Erstaunt über Aktion der Alt-Gemeindeammänner
Das Thema Fusion zu einer Gemeinde Surbtal? Da zeigt sich Merkli über den Vorstoss der Alt-Gemeindeammänner «schon etwas erstaunt». Auch hier sind er und seine Gemeinde eher unter den Turbos zu finden. «Ich war von 1988 bis 1998 bereits Gemeindeammann und bin nach meiner Pensionierung vor zwei Jahren wieder in dieses Amt eingestiegen – man fand schlicht keinen anderen.»

Im Verwaltungsbereich zeigten sich in der Vergangenheit teilweise Schwierigkeiten bei der Besetzung von Teilzeitstellen im Leitungsbereich. Ansonsten ist die Aufteilung auf mehrere Teilzeitstellen in der Verwaltung vor allem auch bei Absenzen vorteilhaft, da bei einer allfälligen Abwesenheit einer oder eines Angestellten trotzdem noch jemand teilweise anwesend ist. Merkli ist mit dem Tegerfelder Verwaltungsteam sehr zufrieden und freut sich, dass per 1. Februar mit der Ehrendingerin Claudia Erne eine neue Finanzverwalterin in einem 50-Prozent-Pensum sowie mit Moritz Müller aus Untersiggenthal ein neuer Leiter Technische Betriebe im 80-Prozent-Pensum gefunden werden konnte.


Vier Frauen im Gemeinderat
Apropos: In der Gemeinde Tegerfelden herrscht Frauenpower. Vier der fünf Gemeinderatsmitglieder sind Frauen: Isabelle Schmid, Karin Wiedemeier, Cynthia Lang und neu Anya Berner – und die Kanzlei wird von einer Gemeindeschreiberin geleitet. Merkli sagt, er schätze die Zusammenarbeit mit Schreiberin Aline Obergfell und den vier Politikerinnen an seiner Seite sehr. Und er sagt schmunzelnd: «Vor dreissig Jahren wäre eine Frau im Tegerfelder Gemeinderat noch undenkbar gewesen».

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