Reformierte Kirche Turgi auf Partnersuche

Wie weiter mit der Kirche Turgi? Dies hatte die Kirchgemeindeversammlung vom 23. November zu entscheiden. Nun gehts an die Umsetzung.

Antonio Sirera: «Meine Vision ist ein Projekt, in dem sich der sozial orientierte und der kirchliche Nutzen ergänzen». (Bild: zVg)

01. Dezember 2021
19:33

Der Kirchgemeindeversammlung Turgi vom 23. November ging ein aufwendiger Prozess voraus. Gemeinsam mit einem externen Partner beschäftigte sich die Kirchenpflege mit der Zukunft der sanierungsbedürftigen Kirche. Die verschiedenen Strategien wurden der Gemeinde bereits vorgängig anlässlich einer Informationsveranstaltung vorgestellt (die «Rundschau» berichtete). Die Kirchgemeindeversammlung folgte dem Vorschlag der Kirchenpflege – «Halten und Partnersuche» – mit 33 Stimmen, der Antrag «Verkauf» erhielt 16 Stimmen.

Antonio Sirera, in einem aufwendigen Prozess haben Sie als Präsident der Kirchenpflege zusammen mit einem externen Berater diverse Zukunftsmodelle für die Kirche Turgi eruiert und an der Versammlung vom 23. November präsentiert. Gabs – nachdem ja bereits ein Infoabend zum Thema durchgeführt wurde – noch viel zu diskutieren?

Da es einen weiteren Antrag aus der Mitte der Kirchgemeindemitglieder gab, der verlangte, den sofortigen Verkauf des Kirchenareals in Angriff zu nehmen, kam es doch noch zu einer spannenden Diskussion um das Thema. Die Voten waren aber allesamt sachlich und wohlwollend und konnten in Ruhe diskutiert werden.


Stimmt Sie der Beschluss der Kirchgemeinde hinsichtlich der Zukunft der Kirche Turgi zuversichtlich?

Ehrlicherweise war es ein Beschluss, wo das Herz den Kopf überstimmt hat. Rein aus finanziellen Überlegungen wäre wohl ein Verkauf sinnvoller, aber der Standort Turgi und die Präsenz der reformierten Kirchgemeinde im Ort haben schliesslich stärker gewogen. Nun heisst es für die Kirchenpflege, den demokratisch bestimmten Auftrag umzusetzen. Ich hoffe sehr, dass wir den richtigen Partner finden, um unsere Vision umzusetzen.


Die Kirchgemeinde hat sich entschieden, die Variante «Halten und Partnersuche» weiterzuverfolgen – und, parallel dazu, die Variante «Minimaler Neubau» zu präzisieren. Für die erstere Variante haben Sie sich eine Deadline von zwölf Monaten gesetzt. Ist es realistisch, in dieser Zeit einen Partner zu finden?

Wir wissen, dass dies eine sportliche Zeitvorgabe ist. Wir haben jedoch auch transparent aufgezeigt, dass wir dies nur mit professioneller, externer Unterstützung schaffen. Ich bin überzeugt, dass das Kirchenareal, mit seiner idealen Lage nahe des Bahnhofs und des Dorfkerns, sehr attraktiv für einen potenziellen Partner ist, der mit uns zusammen ein Projekt umsetzen will. Aber wir als Behörde haben da nur beschränkte Erfahrung und Zeit, deshalb ist die externe Unterstützung nötig.


Bedeutet der Entscheid der Gemeinde, dass die Kirche abgerissen und ein Neubau lanciert wird, wenn sich innerhalb von zwölf Monaten kein Partner findet, oder sind die beiden Varianten nicht in diesem Sinn aneinander gebunden?

Die Abklärungen unseres externen Beraters haben ergeben, dass eine Sanierung der bestehenden Bausubstanz für uns nicht finanzierbar ist. Auch ist eine bessere Ausnutzung des Areals unabdingbar, wenn ein Partnerprojekt umgesetzt werden soll. Somit kann heute schon mit grosser Gewissheit gesagt werden, dass ein Erhalt der Kirche in der heutigen Form wohl nicht möglich sein wird.


Die Mitgliederzahlen gehen zurück, die Kirchenräume werden immer weniger für Veranstaltungen der Kirchgemeinde gebraucht: In diesem Sinn befindet sich die Kirchgemeinde Turgi ja auch in einer Vorreiterrolle, was das Nachdenken über die Zukunft von unterhaltsintensiven Kirchenbauten betrifft. Wie sieht die Zukunft der reformierten Kirche insgesamt für Sie persönlich aus?

Meine Vision ist ein Projekt, in welchem sich der sozial orientierte und der kirchliche Nutzen ideal ergänzen und neben- beziehungsweise miteinander symbiotisch verschmelzen. Für mich sind Kirche und Glaube nicht an Mauern gebunden. Trotzdem wollen wir einen Ort realisieren, der für unsere und die Ansprüche der zukünftigen Arealnutzer stimmt.


Welche konkreten Schritte gehen Sie nun zuerst an? Gibt es bereits mögliche Verhandlungspartner?

Wir stehen in Kontakt mit einer christlichen Galubensgemeinschaft, die seit Längerem einen eigenen Kirchenraum sucht. Eventuell ergibt sich da eine mögliche Partnerschaft. Ansonsten werden wir so rasch wie möglich mit potenziellen externen Beratern sprechen, die uns unterstützen könnten. Wir sind uns bewusst: Die Zeit rennt. Jetzt heisst es Gas geben!


Infos: refkirche-bgt.ch

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