Retter als Anti-Helden

Im neuen Unternehmensfilm von Schutz & Rettung Zürich wird eine ganze Geschichte erzählt. Kameramann und Regisseur war der Würenlinger Unternehmer, Feuerwehrmann und Zivilschützer David Henzmann (30).

Vom Forstwart zum Unternehmer: Seit 2016 ist David Henzmann mit den Avarel Studios in Würenlingen ansässig (Bilder: wag und zVg)

von
Hans Christof Wagner

26. März 2020
09:00

Die Premiere hätte sich David Henzmann, Geschäftsführer und Mitgründer der Avarel Studios, ganz anders gewünscht. Geplant war die Vorführung des 11-Minuten-Streifens vor grossem Publikum in einem Zürcher Kino. Aber die Aufführung fiel wegen Corona ins Wasser. Jetzt ist der Film eher leise und unauffällig auf dem Youtube-Kanal von Schutz & Rettung Zürich aufgeschaltet worden. Die Organisation, die unter ihrem Dach Feuerwehr, Rettungsdienst, Zivilschutz, Einsatzleitzentrale und Feuerpolizei der Stadt vereint, wird ihn im Rahmen von Führungen, von denen es laut Henzmann 400 pro Jahr gibt, zeigen. «Das ist in dieser Länge sicher kein Social-Media-Clip», sagt Henzmann. Aber: «Testzuschauer, denen wir den Film zuvor gezeigt haben, schätzten seine Dauer oft auf nur drei Minuten» – für das Team Beweis genug, dass das Publikum trotz der Länge mitfiebert und am Ball bleibt. 

 

Eine Familie im Zentrum

«Wir wollten auf jeden Fall eine Geschichte erzählen, und das braucht eben seine Zeit», meint Henzmann. Im Film steht eine Familie im Fokus. Vater, Mutter, Kinder, Grossmutter samt Hund spielen. Nach und nach verknüpft sich die Handlung mit der Arbeit von Schutz & Rettung – wenn die Mutter an einem Brandort vorbeifährt, wenn das Grosi stürzt und mit der Rettung ins Spital muss, wenn der Freund der Tochter bei der Street Parade Kreislaufprobleme bekommt. 

Die Botschaft: Die Wege kreuzen sich. Passiert ist schnell etwas, und jeder ist froh, wenn im Ernstfall Profis helfen. Wobei die eben nicht als die Superhelden dargestellt sind, sondern als Menschen wie du und ich. Die Avarel-Produktion dreht den Spiess um. Statt nur die Protagonisten von Schutz & Rettung selbst in den Vordergrund zu stellen, fokussiert der Film auf deren Kunden und kann so beim Zuschauer grössere Nähe und mehr Einfühlungsvermögen wecken. 

Keine Maskerade 

«Wir waren die Einzigen mit diesem anderen Blickwinkel», berichtet der 30-jährige Geschäftsführer. Und offenbar gefiel der Ansatz den Auftraggebern so gut, dass das Würenlinger Studio unter rund einem Dutzend Mitbewerbern den Zuschlag bekam. Schon beim ersten Bewerbungsvideo von 2017 machten die Aargauer Eindruck: Es beginnt mit David Henzmann in Alltagskleidung. Dann verwandelt sich dieser plötzlich in einen Feuerwehrmann und einen Zivilschutz-Kompaniekommandanten.

Aber das ist keine Maskerade. Denn Henzmann war zu der Zeit tatsächlich Atemschutzträger und Unteroffizier in der Feuerwehr Bözberg sowie Offizier beim Zivilschutz Brugg Region. Mit dem Hintergrund dachten wohl auch die Zürcher: «Da kann uns einer in Szene setzen, der Ahnung von unserem Metier hat.»

Bevor die Dreharbeiten starten konnten, musste vieles abgeklärt werden: Genehmigungen einholen, Storyboard erstellen, Locations aussuchen. Um spektakuläre Bilder zu bekommen, zündeten sie, gezielt und überwacht, sogar ein Haus an und drehten auf dem Flughafen Kloten. Schauspieler zu casten, war auch Teil der Vor­bereitungen. Wobei die eigentlichen Hauptdarsteller die Mitarbeiter von Schutz & Rettung sind. Schauspieler sind nur die Darsteller der Familie und eine Joggerin. «Wie oft habe ich bei den Dreharbeiten eingegriffen und gestoppt, weil für mich die Darstellung unrealistisch war», erinnert sich der 30-Jährige, der die Produktion leitete und Regie führte, was er sonst eigentlich nicht macht.

 

Von Lausanne auf den Bözberg

1990 in Lausanne geboren, kam er 2001 in die Deutschschweiz, nach Linn auf den Bözberg. Schon in der Schule wollte er sich bei Aufführungen immer um Licht und Technik kümmern und das Bühnengeschehen filmen. Während seiner Berufslehre als Forstwart EFZ besuchte er am Abend die Produzentenschule. 

Bis 2016 hat er noch als Forstwart gearbeitet. «Dann habe ich den Beruf schweren Herzens aufgeben müssen», sagt er. Das selbständige Arbeiten im Bereich Video und Web liess einfach nicht mehr genug Zeit dafür. «Aber wenn möglich helfe ich immer noch im Forst aus.» Als Feuerwehrmann streckt er gerade die Fühler Richtung Gebenstorf aus, und Zivilschützer im Raum Brugg ist er weiterhin. 

 

Trailer schon 40'000 Mal angeklickt

Heute, nach mehr als zwei Jahren Projektzeit, sind Henzmann und seine 14 Angestellten stolz auf den Film über Schutz & Rettung Zürich. Stolz darauf, dass sie als Aargauer in Zürich den Zuschlag bekommen haben. Dass es gelungen ist, das ambitionierte Konzept auch in der Praxis ohne Abstriche umzusetzen. Dass es einer der grössten und aufwendigsten Produktionen in der jetzt schon 20-jährigen Unternehmensgeschichte von Avarel Studios war. Und stolz darauf, dass der Trailer zum Film auf Facebook schon mehr als 40'000 Mal geklickt wurde. 

www.avarelstudios.ch 

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