Rettungsschwimmer-Trio fährt an die EM

Diese drei Rettungsschwimmer geben alles für ihren vielseitigen Sport. Kürzlich haben sie sich für die Teilnahme an der EM qualifiziert.

Julian Roeber, Julian Moesch und Jonas Rudolf vor dem Training in der Badi Brugg. (Bild: cd)

von
Dahl, Caroline

08. September 2021
15:39

Das Sonnenlicht an diesem Spätsommerabend fällt samten auf den Rasen des Brugger Freibads. Hier absolvieren Julian Moesch (18), Jonas Rudolf (18) und Julian Roeber (17) rund ums Jahr ihre selbständigen Trainingseinheiten. Die drei Rettungsschwimmer der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) Baden-Brugg sind Mitglieder der U18-Nationalmannschaft und frischgekrönte Schweizermeister: Am 28. August holten sie den Titel an der Staffel-Schweizermeisterschaft. Nun ruft die Jugend-Europameisterschaft vom 12. bis 18. September in Castellón (Spanien).


Warum Rettungsschwimmen?

Warum begeistern sich die drei ausgerechnet fürs Rettungsschwimmen? «Es ist sehr abwechslungsreich, nicht vergleichbar mit Leistungsschwimmen, wo man Delfin, Rücken, Kraul hat, sondern es kommen je nach Disziplin Puppen, Schwimmflossen und weitere Geräte zum Einsatz, oder in Freigewässern auch das Rettungsbrett», erklärt Rudolf die Liebe zu seinem Sport. Alle drei haben früh damit angefangen, sie kennen sich seit Jahren. Die Freundschaft schweisst das Trio unübersehbar zusammen.


Disziplin in jeder Disziplin

«Die Vielfalt in diesem Sport ist extrem schön», stimmt auch Moesch zu. «Im Leistungsschwimmen muss man viel früher viel mehr investieren, hier kann man relativ gut regulieren, wie viel man trainiert. Wenn jemand ambitioniert ist, kann man in die Nationalmannschaft gelangen und an nationalen und internationalen Wettkämpfen teilnehmen. Auch wenn das viel Eigeninitiative erfordert», gibt er zu.

Die drei Rettungsschwimmer verfügen aber nicht nur über Eigeninitiative, sondern haben darüber hinaus auch eiserne Disziplin. Die beiden Kantischüler Julian Roeber und Julian Moesch sowie Jonas Rudolf, der eine Berufslehre als Konstrukteur macht, verfolgen einen straffen Trainingsplan. Eine typische Woche beinhaltet drei bis vier Einheiten Schwimmen, dazu Krafttraining, Freiwassertraining sowie Rumpf- und Sprinttraining. So kommen bis zu zwölf Stunden reine Trainingszeit zusammen. Die detaillierten Trainingspläne stellen sie selbst auf. In den Wettkampfvorbereitungen werden die Ausdauer aufgebaut und die Technik für die verschiedenen Disziplinen perfektioniert. «Im Wettkampf muss jede Bewegung, jeder Atemzug, jeder Handgriff in jeder einzelnen Disziplin wie im Schlaf sitzen», sagt Moesch. «Da hat man keine Zeit, um zu überlegen.»

Die drei Sporttalente aus der Region müssen auch die Zeit für ihr Privatleben sehr genau einteilen. Regeneration, wann immer möglich, und sportgerechte Ernährung sind zentrale Faktoren. Roeber fasst zusammen: «Die Psyche ist auch in diesem Sport ausserordentlich wichtig. Wenn es mental nicht stimmt, geht gar nichts.»


Nationalsport der Australier

Im Rettungsschwimmen gibt es Pool- und Freigewässerdisziplinen, die wiederum in viele weitere Disziplinen unterteilt sind. Der Sport stammt aus Australien, wo er sich vom beruflichen Rettungsschwimmen bis hin zum Nationalsport entwickelt hat. «Der Rettungsschwimmsport ist hierzulande leider nicht sehr bekannt. In Australien ist er populärer als bei uns Fussball, das ist dort der Sport Nummer eins!», erzählen die drei Athleten.

Um ihre interessante Sportart zu finanzieren, sind Julian Roeber, Jonas Rudolf und Julian Moesch eine Partnerschaft mit «I believe in you» eingegangen. Sie suchen noch Sponsoren und freuen sich über jeden Spendenbeitrag auf ihr Crowdfunding «Zu dritt an die Europameisterschaft». An der Jugend-EM in Castellón treten sie zu sechst an. Ebenfalls mit dabei sind: Yanik Arn, SLRG Lyss, im Staffelteam, sowie Kevin Nauer, SLRG Innerschwyz, und Silvan Stucki, SLRG Bern.

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