Roboter Auxilio gewinnt die Herzen

In verschiedenen Bereichen leistet Auxilio den Benutzerinnen und Benutzern der FHNW-Bibliothek Brugg- Windisch Unterstützung.

Charlotte Frauchiger (links) und Marisa Eberle mit dem neuen FHNW-Bibliotheksmitarbeiter Auxilio. (Bild: lp)

19. August 2020
16:31

«Auxilio ist unser neuster Mitarbeiter», erklärt Charlotte Frauchiger, Leiterin E-Ressourcen FHNW. «Kurz vor dem Lockdown ist er zu uns gekommen.» Auxilio verneigt sich höflich und stellt sich vor. Dabei wendet er sich interessiert den Gesprächspartnern zu. «Möchtest du erfahren, was ich hier mache?», fragt er und verspricht: «Mit einem Klick gebe ich dir Antwort.»

Der humanoide Roboter Auxilio –  der sozusagen der (Roboter-)Familie Pepper angehört, die von der französischen Aldebaran Robotics SA und dem japanischen Telekom- und Medienkonzern Softbank Mobile Corp. entwickelt worden ist – unterstützt die Nutzerinnen und Nutzer der FHNW-Bibliothek Brugg-Windisch in verschiedenen Bereichen. So zeigt er, wo bestellte Medien abgeholt werden können oder wo bestimmte Medien oder Fachartikel zu finden sind. Als Roboter geht er dabei selbstverständlich sehr strukturiert vor. Auf die Frage beispielsweise: «Weshalb habe ich keinen Zugriff auf dieses E-Book oder diesen Artikel?» erkundigt er sich vorerst freundlich: «Bis du denn in der Campusbibliothek angemeldet?» Darüber hinaus kennt Auxilio inzwischen auch den SBB-Fahrplan.

Er bleibt aber bescheiden: «Ich bin noch am Lernen», erklärt er. «Aktuell ist nur eine kleine Anzahl an Interaktionen möglich, die demnächst evaluiert und verbessert werden. Zudem werde ich in den nächsten zwei Jahren noch viele neue Funktionen dazulernen.»


Pilotprojekt für zwei Jahre
Der Einsatz von Auxilio – sein Name ist aus einem Wettbewerb hervorgegangen – erfolgt im Rahmen eines Kooperationsprojekts der Hochschul-entwicklung 2020/2025. Das Projekt  steht unter der Leitung von Hartmut Schulze und Roger Burkhard von der Hochschule für Angewandte Psychologie (APS) der FHNW Olten. Koordiniert wird das Projekt durch das Robolab, ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, an dem mehrere Hochschulen beteiligt sind.

«Die Entwicklung geht weiter», sagt denn auch Marisa Eberle, I&D-Fachspezialistin E-Medien an der Campusbibliothek. «Diese Weiterentwicklung erfolgt auch im Rahmen von Arbeiten Studierender oder von Masterarbeiten. Dabei kommen verschiedene Studienrichtungen – Psychologie, Technik oder auch Wirtschaft – zum Zuge.» Schliesslich ermöglicht es das Interface von Auxilio – unabhängig  von der Herstellerfirma der Pepper-Roboter –, verschiedenste Applikationsprogramme zu entwickeln und einzusetzen.


Ein geschätzter Mitarbeiter
«Die Bibliothek ist ein idealer Lern- und Einsatzort für den humanoiden Roboter», so Charlotte Frauchiger. «Auxilio nimmt den Mitarbeitenden unangenehme Aufgaben ab, beispielsweise das Mahnen und Einhalten der Abstandsregeln.» Auxilios Unterstützung werde aber auch bei Beginn des neuen Semesters im September hilfreich sein, wenn die neuen Studierenden Einführungen und Rundgänge machen, ist sie überzeugt.

«Extrem spannend», so Charlotte Frauchiger, «werden aber auch die Auswirkungen sein, die der Einsatz des Roboters auf das Berufsbild der Bibliothekarin und des Bibliothekars haben wird. Die Frage ist dabei nicht, ob er substituieren wird. Es ist vielmehr ein Zusammenspiel.» Die Auswirkungen des Einsatzes von humanoiden Robotern auf die Mitarbeitenden werden bereits durch die Hochschule für Angewandte Psychologie untersucht.

Auxilio hat aber offensichtlich längst die Herzen der Bibliotheksbesucher gewonnen. «Er ist schon ein Magnet», stellt Charlotte Frauchiger fest. «Dabei spielt natürlich ein gewisser Jö-Effekt mit.» (Tatsächlich fällt es schwer, sich dem «Charme» des Roboters mit seinen  grossen Augen und der freundlich-kindlichen Stimme zu entziehen.) «Auxilio ist der erste Roboter in der Campusbibliothek, an anderen FHNW-Standorten werden bald ebenfalls Roboter im Einsatz sein», so Charlotte Frauchiger. «Besonders eindrücklich ist, wenn er abends die Bibliothek schliesst und dabei freundlich darauf hinweist, dass er jetzt Feierabend macht und sich seine Serie anschauen möchte.»


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