Römische Wasserleitung freigelegt

Beim Aushub für die Erweiterung des Domino-Wohnheims in Hausen kam die ältere römische Wasserleitung zum Vorschein.

Das freigelegte 45 Meter lange Teilstück der «toten» römischen Wasserleitung auf dem Bauplatz der Stiftung Domino in Hausen (Bild: H. P. W.)

22. September 2020
11:45

Neben dem Wohnheim der Behindertenstiftung Domino in Hausen haben die Aushubarbeiten für einen Erweiterungsbau begonnen. Von Anfang an stand auch die Kantonsarchäologie auf dem Platz. Denn sie war aufgrund früherer Erkenntnisse darauf vorbereitet, dass man innerhalb des Bauareals auf die ältere, sogenannte «tote», römische Wasserleitung stossen würde, die vermutlich im 1. Jahrhundert n. Chr. errichtet wurde und das Legionslager Vindonissa sowie die umliegenden Zivilsiedlungen mit Brauch- und Trinkwasser versorgte. Die Annahme bestätigte sich.

 
Rasche Freilegung
Kaum war die Humusschicht abgeschält, beorderte Grabungstechniker Hermann Huber den grossen Bagger gezielt an die Stelle des erwarteten Leitungsverlaufs. Als sich die Baggerschaufel rund einen Meter tief in den Boden senkte, kam schon das 1,4 bis 1,5 Meter breite Fundament des antiken Bauwerks zum Vorschein. Vorsichtig wurde das Erdreich über und beidseits der Leitung abgetragen. Dank des guten Wetters und des lehmhaltigen Bodens entstand eine 4,5 Meter breite, saubere Baugrube mit der Wasserleitung in der Mitte. 
Direkt hinter dem fortlaufenden Baggeraushub legte die Grabungsequipe mit Schäufelchen, Besen und Staubsauger die Abdeckplatten aus bräunlichem Dogger sowie die Seitenwände aus weissem Kalkstein frei. In nur drei Tagen, schneller als erwartet, konnte der 45 Meter lange Leitungsabschnitt durch das Baugrundstück sichtbar gemacht werden. 
Hierauf begann die Vermessung und fotografische Dokumentierung der Leitung. Nach Abschluss der Bestandesaufnahme werden die unterbrochenen Aushubarbeiten fortgesetzt. Die nicht mehr intakte und trotz ihrer historischen Bedeutung nicht besonders geschützte Wasserleitung wird abgetragen. 

 
Ein technisches Meisterwerk
Neben der ein weiteres Mal sichtbar gemachten ersten römischen Wasserleitung existiert noch die etwas jüngere römisch-mittelalterliche Leitung, die bis heute den Brunnen vor dem alten Hauptgebäude der Klinik Königsfelden speist. Sie gilt als das älteste noch in Betrieb stehende technische Bauwerk der Schweiz, ja als die einzige noch intakte römische Wasserleitung nördlich der Alpen. Im Gegensatz zu ihr ist die tote Wasserleitung vermutlich ab dem früheren zweiten Jahrhundert aufgegeben worden. Sie stellte mit mindestens 3,3 Kilometer Länge ursprünglich das grössere Bauwerk dar.
Der genaue unterirdische Verlauf ist streckenweise noch nicht vollständig erfasst. Das Quellgebiet lag am Fuss des Guggerhübels, im Grenzgebiet Lupfig–Hausen. Die technische Meisterleistung der Erbauer zeigt sich allein darin, dass sie das Wasser mit einem minimalen Gefälle von vier Promille über eine relativ weite Strecke ins Legionslager zu leiten vermochten. Die Kanalwangen und die Kanalsohle waren mit Terrazzo-Mörtel verkleidet. Auf den Deckplatten lag eine Kies-Mörtel-Steinsplitt-Schicht und darüber eine Lehmschicht, die möglicherweise das saubere Leitungswasser vor unerwünschten Einsickerungen zu schützen vermochte.

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