Rückschau auf 20 und 2000 Jahre

e Badener Neujahrsblätter widmen sich ganz dem Baden. Das Werk ist seit dieser Woche im Handel.

Ein Teil der Redaktion: Sara Venzin, Nick Stöckli, Salome Egloff und die Archäologin Andrea Schaer. (Bild: bf)

25. November 2020
16:25

Es ist der Wunsch aller Verleger: «Unser Buch ist ein wichtiges Zeitdokument» Und: «Zukünftige Historiker sollen die Artikel dereinst konsultieren.» Die Hoffnungen für die «Badener Neujahrsblätter 2021» sind nicht unberechtigt. Wer sich für die Bäderkultur von Baden interessiert, kommt um die vielen Beiträge nicht umhin.

Am Dienstag wurde das Buch im Hotel «Blume» vorgestellt. Der Ort sei nicht zufällig gewählt geworden, sagte Sara Venzin, eine der beteiligten Redaktorinnen. «Das Hotel feiert nächstes Jahr 600 Jahre Bestehen.» Dieses Jubiläum wird wohl im Schatten der sehnlichst erwarteten Eröffnung der Thermalquelle «FortySeven» stehen. Das Erscheinungsbild des neuen Bäderquartiers wird sich nächstes Jahr komplett ändern.

Das Thema «Baden in Baden» sei eigentlich schon lange in den Schubladen gewesen, sagte Venzin. «Wir haben das Thema aber immer wieder nach hinten geschoben. Für 2021 passt es nun aber perfekt.»

22 Artikel wurden zum Schwerpunktthema gesammelt. Highlight für Venzin ist der Artikel des bekannten Journalisten Roman Huber. Auf 15 Seiten breitet Huber die – je nach Sichtweise – 20 Jahre lange  Entwicklungsgeschichte des zukünftigen Bäderquartiers aus. Nochmals werden akribisch die Eckdaten aufgezählt. Der Text beinhaltet aber auch eine Retrospektive des Investors Benno Zehnder, der trotz Rückschlägen immer an das Projekt glaubte.


«Prophet im eigenen Land»
Auch Andrea Schaer blickte bei der Buchpräsentation in die Vergangenheit. Bis zu den Römern. Die Archäologin und bekannte Bäder-Expertin verfasste für die Neujahrsblätter den Text «Die Bäder als Wissensquell». Im breiten Berner Dialekt schwärmte sie von den Funden der letzten Monate. «Wenn ich meinen Forscherkollegen von der Stadt Baden erzähle, wissen die gleich, worum es geht.» In Baden selbst fühle sie sich aber manchmal wie der berühmte «Prophet im eigenen Land». Dem wird bekanntlich nicht immer zugehört. Das Geschichtsbewusstsein um die eigene Kultur vor der Haustüre sei in der Stadt nicht überall sehr hoch entwickelt.

Fast sieben Jahre lang war sie Projektleiterin des Thermalbads von Mario Botta. Den Auftrag erhielt sie von der Kantonsarchäologie Aargau. Schaer fasst die Behörden trotzdem nicht mit Glacé-Handschuhen an. Von der Römerzeit bis in die 1960er-Jahre seien zum Beispiel  die Thermalquell-Leitungen mit Lehm abgedichtet worden. Dieses Verfahren wurde also 2000 Jahre lang genutzt. Anscheinend hielt dieser Dichtungslehm. Jetzt, bei den Bauarbeiten rund um das Bäderquartier, sei moderner, sulfatbeständiger Beton für die neuen Abdichtungen verwendet worden. Schaer bedauert das, will die Stadt um die verpasste Gelegenheit einer baugeschichtlichen Referenz aber nicht kritisieren. So zu bauen wie früher, sei halt auch kostenintensiver. Einen Stossseufzer ringt sich Schaer doch ab: «Ich möchte nicht in den Schuhen der Arbeiter stecken, die den Beton einmal ablösen müssen.»

Das funktioniert nämlich nur mühsam mit dem Pickel. Ein bisschen Pathos schwang dann im grossen Sitzungsraum trotzdem noch mit: «Das Wissen um das Erbe soll als Potenzial für Baden und zukünftige Bäder genutzt werden.» Überhaupt: «Es ist nicht nur alles altes Zeugs.»


Buch mit zwei Schönheitsfehlern
Das Buch selbst ist im Verlag «Hier und Jetzt» herausgekommen. Das Taschenbuch kommt kompakt daher. Bilder und Pläne lockern die Texte auf, die sich qualitativ ziemlich unterscheiden. Ein Schönheitsfehler sind die fehlenden Angaben zu den Autorinnen und Autoren. In den früheren Ausgaben wurden diese mit kurzen, informativen Sätzen vorgestellt.

Ein QR-Code, der auf die Liste der bereits erschienen Neujahrsblätter führt, funktionierte an der Präsentation nicht. Das Buch ist seit dieser Woche im Handel und kostet 25 Franken.

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