«Sandgenossen» wollen um Gold spielen

Der Dättwiler Beachsoccerspieler Glenn Hodel freut sich auf die Weltmeisterschaft und hofft auf eine Finalrevanche gegen Brasilien.

Akrobatisch: Der Fallrückzieher ist eine von Glenn Hodels liebsten Abschlussvarianten
Akrobatisch: Der Fallrückzieher ist eine von Glenn Hodels liebsten Abschlussvarianten (Bilder: zVg)

22. April 2017
04:45

Die Spiele der Schweiz

Gruppenspiele:

  • Freitag, 28. April, 2 Uhr (MEZ): Bahamas – Schweiz
  • Samstag, 29. April, 23 Uhr (MEZ): Schweiz – Ecuador
  • Montag, 1. Mai, 23 Uhr (MEZ): Schweiz – Senegal

Finalspiele:

  • Im Falle des Gruppensieges: Freitag, 5. Mai, 00:30 Uhr (MEZ), Schweiz – Zweiter Gruppe B
  • Im Falle des Vize-Gruppensieges: Freitag, 5. Mai, 2 Uhr (MEZ), Erster Gruppe B – Schweiz
Der Fernsehsender Eurosport überträgt ausgewählte Spiele. SRF steigt bei einer Schweizer Beteiligung ab dem Viertelfinal ein.

Sonne, Sand, türkisblaue Küsten, meterhohe grünglänzende Palmen – und das alles auf einer der schönsten Inselgruppe im atlantischen Ozean. Während die Bahamas für die meisten Menschen prickelnde Feriengefühle hervorrufen, versprechen sie dem Dättwiler Beachsoccerspieler Glenn Hodel in den kommenden Tagen ein hartes Stück Arbeit. Elf Tage lang kämpft der 20-Jährige mit seinen Mitspielern um den Titel der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft. Es werde eine intensive Zeit, in der Strandtage wie im Badeurlaub keinen Platz haben, ist sich Glenn Hodel sicher. «An den spielfreien Tagen werden wir Trainingseinheiten absolvieren und ansonsten schauen, dass wir die Sonne so gut wie möglich meiden können.»

Heute Abend um 20 Uhr Ortszeit startet das Turnier für die Schweizer Equipe. Ein guter Auftakt ist wichtig und drei Punkte gegen den Gastgeber Bahamas praktisch Pflicht. Mit Noel Ott aus Wettingen ist neben Glenn Hodel ein weiterer Spieler aus der Region mit dabei. Gesamthaft sind 16 Teams aus aller Welt vertreten. Läuft für die Schweizer alles nach Plan, spielen sie am 7. Mai um den Weltmeistertitel.


Spiel in der Luft

Glenn Hodel entdeckte seine Leidenschaft für Fussball schon früh. Im Kindergartenalter schlug er seine ersten Pässe bis er sich im Alter von 14 Jahren für den Wechsel zu Beachsoccer entschied. Im Gegensatz zum Rasenfussball werden die Spielzüge im Beachsoccer mehrheitlich in der Luft vollzogen, weil die Spieler in knöcheltiefem Sand spielen. Auf der unebenen Unterlage Fussball zu spielen ist nicht nur sehr anstrengend, sondern erfordern ein hohes Mass an Präzision und damit ausserordentliche technische Fähigkeiten. «Spielt man flach, bleibt der Ball in den Sandlöchern hängen», erklärt Glenn Hodel.

Fussball im Blut

Ein Schnuppertraining mit Stephan Meier, dem wohl bekanntesten Schweizer Beachsoccerspieler, leitete Glenn Hodels Wechsel zu Beachsoccer ein. Das Fussballspielen an sich aber hatte er schon bei der Geburt im Blut und liegt in der Familie. Anfang der 90er Jahre begann die Fussballkarriere seines Onkels Marc Hodel. Der Verteidiger spielte unter anderem vier Jahre für den Grasshopper Club Zürich. Ein Traum, der auch für Glenn Hodel in Erfüllung ging. Vor zwei Jahren wechselte er zu GC und feierte einen eindrücklichen Einstand. In 12 Spielen gelangen dem Stürmer 38 Treffer, die ihm in seiner Saisonpremiere beim Zürcher Traditionsverein die Torjägerkrone bescherte. Die herausragenden Leistungen blieben nicht unentdeckt. Im gleichen Jahr schenkte ihm Nationalmannschaftstrainer Angelo Schirinzi in einem Ernstkampf das Vertrauen. Trotz den Erfolgen in den vergangenen Jahren geht es ihm genauso, wie den meisten anderen Schweizer Beachsoccerspielern. Finanziell gesehen lohnen sich die fast täglichen Trainings nicht, denn die Einkünfte aus dem sportlichen Engagement reichen bei Weitem nicht aus, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Darum arbeitet hauptberuflich im 70-Prozent-Pensum als kaufmännischer Angestellter. 

In der Schweiz ist Beachsoccer zu wenig präsent in der öffentlichen Wahrnehmung, dadurch fehlt die grosse Zahl an Sponsoren, die in die Ballsportart investieren würden. Gleichzeitig erschweren es die fehlenden Schlagzeilen, Beachsoccer bekannter zu machen. «Es ist schade, dass unser Sport nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt», bedauert Glenn Hodel. Am Ende spiele er Beachsoccer aber nicht des Geldes wegen, sondern weil es ihm nach wie vor grossen Spass mache.


Titeltraum ist in Reichweite

Trotzdem hofft der Dättwiler Ballkünstler darauf, dass die Euphorie eines Tages bei den Schweizern entfacht. Ein WM-Titel-Gewinn auf den Bahamas könnte auf jeden Fall für eine Initialzündung bei den Fussballfans sorgen. Und diese Traum liegt für die «Sandgenossen» allemal in Reichweite. Zwar wäre es etwas zu hoch gegriffen, die Schweiz als Titelfavoriten zu bezeichnen, aber als notabene Fünfter in der Weltrangliste, dürfen sich die Schweizer aber allemal Chancen für eine Finalteilnahme ausrechnen. Zumindest sollten das Schweizer Team mit den vermeintlich schwächeren Gruppengegnern aus Senegal, Ecuador und Bahamas zum Start der WM keine Probleme haben. Alles andere als der Gruppensieg wäre eine Überraschung.

Käme die Schweizer Nationalmannschaft ins Finale, könnte sie ihr bestes Resultat an einer Weltmeisterschaft egalisieren. Denn bereits 2009 an der WM in Dubai musste sich die Schweiz erst im Endspiel gegen Brasilien geschlagen geben. Kommt es nun zur Finalrevanche gegen die Sambakünstler? Glenn Hodel wäre nicht abgeneigt: «Wir wollen das Endspiel unbedingt erreichen. Ginge es dann gegen Brasilien, wäre es ein absolutes Highlight», bestätigt der Nationalstürmer.

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