«Scheiter heiter» hilft im Alltag

Marianne Barth unterrichtet im Dampfschiff in Brugg Improvisationstheater. Sie ist überzeugt, dass man «Impro» in den Alltag trägt.

Marianne Barth in ihrer Spielstätte – dem Kulturlokal Dampfschiff
Marianne Barth in ihrer Spielstätte – dem Kulturlokal Dampfschiff (Bild: cl)

von
Claudia Marek

05. November 2019
10:00

Marianne Barth spielt seit vielen Jahren Improvisationstheater. Bei dieser Theaterform wird nichts einstudiert. Es gibt kein Drehbuch. Keiner auf der Bühne weiss zu Beginn, welche Art von Geschichte entsteht und welche Charaktere vorkommen. Wir treffen uns im Kulturlokal Dampfschiff in Brugg. Obwohl Marianne Barth in Baden wohnt und in Wettingen als Lehrerin arbeitet, ist das Kulturlokal eine Art zweites Zuhause für sie. Im Dampfschiff ist sie für die Kultur verantwortlich, und dort gibt die ausgebildete Theaterpädagogin wöchentlich Kurse für Improvisationstheater. Gleichzeitig ist sie Mitglied der Impro-Theatergruppe «Freischwimmer» aus Zürich. Am 15. November treten die Freischwimmer und die «Impro-Leck-TuElle» aus Turgi im Dampfschiff gegen einander an. 

 

Die Freude am Spielen

Marianne Barth ist in Aarau in einem kinderreichen Quartier aufgewachsen. «Wir hatten viele Freiheiten», erzählt sie. Die ganze Umgebung war ein wunderbarer Spielplatz mit Wiesen und einem Wald ganz in der Nähe. «Dort spielten wir Geschichten nach», führt sie aus. Ein Glück, wie sie sagt. «Ich habe die Kindheit spielend erlebt.» Marianne Barth konnte das spielende Kind in sich bewahren und kann es bei Gelegenheit hervorrufen. Eine Quelle der Fantasie und des Ideenreichtums. Dadurch kann sie sehr schnell und spontan reagieren. Sie lacht. «Manchmal bin ich auch zu schnell», sagt sie. Denn Impro-Theater sei Teamarbeit. Impulse werden gegeben und aufgenommen. «Ich will beides können», sagt sie. Denn auf eine Idee zu reagieren, sei genauso wichtig, wie eine zu liefern. 

 

Komik als Nebenwirkung

Die «Freischwimmer» gibt es seit 2008. Die Gruppe besteht aus drei Spielern und einem Musiker (Marianne Barth, Isabel Sulger Buel, Marc Locatelli, Bernhard Wagner). Die Schauspieler lassen sich in der Regel ein Thema oder einen Vorschlag aus dem Publikum geben. Diese Vorschläge sind Leitfaden für die daraufhin spontan entstehenden Szenen. «Es ist toll, wenn man gemeinsam in einen ‹Flow› kommt», erzählt Marianne Barth. Durch gegenseitige Inspiration entstehen Geschichten sowie Handlungen mit überraschenden Wendungen, auf die man allein im stillen Kämmerlein nie gekommen wäre. An die zwölf Charaktere spiele man an einem Abend. Ideen für die Figuren liefert ihnen das tägliche Leben. Menschen, die ihnen im Zug begegnen, beim Einkaufen, auf Reisen. «Diese Charaktere muss man gernhaben, sonst spielt man sie übertrieben und ist nicht authentisch», erklärt Marianne Barth. «Wir versuchen auch nicht besonders originell oder lustig zu sein», führt sie aus. «Die Komik entsteht aus der Szene.»

 

Scheitern gehört dazu

Aber natürlich laufe es nicht immer so gut. Manchmal gehe eine Geschichte «grauenhaft in die Hose», erzählt Marianne Barth und lacht. Man spielt ohne Netz und doppelten Boden. Gemeinsam stilvoll zu scheitern, hat auch was. Ganz nach dem Motto «Scheiter heiter». Schliesslich sei das Theater der Ort der öffentlichen Unordnung. Alles ist erlaubt. Es helfe aber auch, dass sie eine gewisse Distanz zu den Figuren habe, das mache das Scheitern einfacher, führt sie aus. Aber diese Gesinnung – sich nicht immer ganz so ernst zu nehmen, helfe durchaus im Alltag, betont Marianne Barth.  Überhaupt trage man das Improvisationstheater in den Alltag. Es beeinflusse positiv das eigene Verhalten. Marianne Barth freut sich, im Dampfschiff eine Spielstätte gefunden zu haben, in der sie ihre Leidenschaft ausleben kann. Am Ende des Gesprächs zitiert sie Plato: «Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen als im Gespräch in einem Jahr.»

Freitag, 15. November, 21 Uhr
Bar ab 20 Uhr, Dampfschiff, Brugg

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