Schönheit mit Abgründen

Claudia Spinelli und Maria Bänziger vom  Kunstraum Baden haben auf ihren Atelierbesuchen in der Region reiche Beute gemacht und präsentieren in der 4. Ausgabe von  «Truffes & Trouvailles» aktuelle Werke von 53 Künstlerinnen und Künstlern, die zu einem grossen Teil während des diesjährigen Lockdowns entstanden.

Die Ausstellungs-Kuratorinnen Claudia Spinelli und Maria Bänziger vor einem Exponat von Tom Fellner. (Bild: ub)

26. November 2020
16:16

«Wir haben uns auf der Suche nach unseren Fundstücken wie Trüffelschweine durch die Ateliers in der Umgebung gewühlt», erzählt Kunstraum-Leiterin Claudia Spinelli und lacht. So kam der Ausstellungsname «Truffes & Trouvailles» zustande. Viele der Kunstschaffenden nutzten die Corona-Zeit, um sich zurückzuziehen und neue Stilrichtungen oder Techniken zu entwickeln. Entsprechend vielfältig sind die Werke, welche sie zeigen.


Skurril und provokativ
Ins Auge sticht eine Skulptur von Tim Hergersberg. Er hat aus farbigen Murano-Glasteilen vom Brockenhaus und Kunststoff ein riesiges drachenähnliches Monster gestaltet. Das Künstlerduo Boskovic/Scarth präsentiert sich mit einer skurrilen Malerei von einem Mann, der zwei Pistolen versteckt. Damit bringen sie das Kopfkino des Betrachters zum Laufen. Noch eigenwilliger ist die auf Stoff gemalte schwarze Puppe neben Trump, der in einem Sportwagen davonsaust. Tom Fellner nennt sein provokatives Werk «Make America white again». An einer anderen Ausstellungswand setzt derselbe Künstler alte japanische Druckgrafiken in Kontrast zu Bildern von vergrösserten Coronaviren. Tomaz Gnus hat Fotos von Explosionen aus Kriegsgebieten auf transparente Stoffe gedruckt, die bei jedem Luftzug hin und her wiegen. Brigham Baker präsentiert sich an der Ausstellung mit einem Gitter aus verzinktem Maschendraht, in dem sich Distelsamen verfangen haben. Viele Exponate sind zwiespältig und zeigen, wie nahe Abgründiges und Schönes beieinander liegen.


Neue Perspektiven
«Diese Ausstellung spricht Besucherinnen und Besucher auf einer sehr emotionalen Ebene an», meint Spinelli, «Kunst ist auch in der Corona-Zeit wichtig, weil sie immer wieder neue Perspektiven eröffnet.» Die gebürtige Kolumbianerin Viviana Gonzalez Mendez kam vor dreieinhalb Jahren der Liebe wegen nach Baden. Sie liess sich von sensorischen Wahrnehmungen in ihrer alten und neuen Heimat zu eigenwilligen Landkarten aus verschiedenen Stoffstücken anregen. «Vieles habe ich hier in der Altkleidersammlung gefunden», erzählt sie. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Cäcilia Wameling kombiniert alte historische Fotos von Ennetbaden mit ihrer abstrakten Malerei. Aus der Fülle an Exponaten kann das Publikum bis zum 31. Januar 2021 sein Lieblingswerk bestimmen, welches mit 1000 Franken honoriert wird. Spinelli: «Das Preisgeld wird vom Verein Kunstraum Baden zur Verfügung gestellt. Wegen Corona wurden fast alle Veranstaltungen aus dem Programm genommen. Was eingespart wurde, soll nun einem oder einer der Kunstschaffenden zugutekommen.»


Bis 31. Januar 2021
Kunstraum Baden
kunstraum.baden.ch

War dieser Artikel lesenswert?

Wir setzen uns mit Herzblut und Know-how für gute Geschichten aus Ihrer Region ein. Wenn auch Sie hochwertigen Journalismus schätzen, können Sie uns spontan unterstützen. Wir danken Ihnen – und bleiben gerne für Sie am Ball.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Eine Maske wie keine andere

Seit 1927 stellt die Firma Künzli aus Windisch Schuhe her. Nun wurde man… Weiterlesen

Sein Ziel ist die Weltspitze

Motorradrennfahrer Jordan Bartucca (14) aus Endingen gehört zu den ganz grossen… Weiterlesen

region

«Ich bin ein Geburtshelfer»

Er wird dann gerufen, wenn Gemeinden fusionieren wollen: Jean-Claude Kleiner.… Weiterlesen

region

Der Mittwoch ist nicht mehr «heilig»

Ein ungeschriebenes Gesetz fällt: Ab August ist für die 7. Klassen am… Weiterlesen

region

«Der Fotografenberuf wird unterschätzt»

Im April 2021 geht Max Gessler nach 45 Jahren Berufsfotografen-Dasein in… Weiterlesen