Schweiz als Mittelpunkt der Welt

Im Theaterdinner «Mehr Meer» dreht sich alles um das Wasser. Das Wasserschloss bietet die perfekte Bühne dafür.

Regisseur Adrian Meyer mit dem Schauspielteam Michael Wolf, Charlotte Wittmer und Philippe Nauer an der Limmat. (Bild: ub)

07. Juli 2021
14:37

«Mehr Meer»

Open-Air-Theaterdinner im Garten der Kantine Wasserschloss,
Verein Lernwerk, Limmatstrasse 55, 5412 Vogelsang.

Vorstellungen: 15. Juli (Premiere): 17., 23., 24. Juli, 6., 7., 12., 14.,
21. und 22. August (Derniere)

Schlechtwetterersatzdaten:
26. und 28. August

mehrmeer-theaterdinner.ch

Der Ort für das Open-Air-Theater ist traumhaft und beinahe mystisch. Vor den Augen der Gäste im Gartenrestaurant der Kantine Wasserschloss fliesst die Limmat vorbei. Der Blick fällt auf die gegenüberliegenden Felder und einen Weidenstrunk, der wegen starker Regenfälle in den vergangenen Wochen angeschwemmt wurde. Kein Ort könnte für das Szenario des Open-Air-Theaters «Mehr Meer» idealer sein. Denn im Stück von Regisseur Regisseur Adi Meyer geht es um ein Projekt, in dem sich alles um das Wasser dreht.

Vom Ende des zweiten Weltkriegs bis in die 1950er-Jahre schwebte in den Köpfen von tollkühnen Visionären die Idee herum, einen «transhelvetischen Kanal» zu erbauen, der die Schweiz mit der Nordsee und dem Mittelmeer verbindet. Vogelsang wäre ein Fixpunkt auf der Achse von Nord nach Süd gewesen. Aber die utopischen Projekte scheiterten an der Realität, an Regulativen und Kosten. Aus war der Traum von Hochseefrachtern auf Schweizer Gewässern, von Hafenkneipen und singenden Matrosen im Kanton Aargau. Die drei professionellen Schauspielgrössen Charlotte Wittmer, Philippe Nauer und Michael Wolf machen die spannende Zeit des Projektierens und Phantasierens wieder lebendig.

Zwischen drei kulinarischen Gängen, die sich das Publikum einverleibt, spielen sie Szenen aus der damaligen Zeit der Aufbruchsstimmung. Vor der eigens aufgebauten Kulisse eines Hafenkrans lassen sie die 50er- und 60er-Jahre aufleben und diskutieren über Weite und Enge, Globalität und Regionalität. Themen, die heute so aktuell sind wie noch nie, auch wenn das Projekt «transhelvetischer Kanal» mittlerweile Geschichte ist.


Neuer Kultur-Hotspot

Die Theaterszenen zu «Mehr Meer» hat der Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagoge Adi Meyer geschrieben. Die Produktion ist die dritte Gemeinschaftsarbeit mit Christian Bolt, dem Vorsitzenden in der Geschäftsleitung des gemeinnützigen Vereins Lernwerk, nach «Heimat 52» und «Hinz und Kunz». Während vorher ausschliesslich Laien auf der Bühne standen, hat man diesmal auf drei Topprofis gesetzt. Sowohl Wittmer als auch Nauer und Wolf sind seit vielen Jahren in der Theaterszene Schweiz verwurzelt. «Dieses Projekt ist ein Pilotversuch. Wenn es gut läuft, machen wir sicher nächstes Jahr weiter», ist Bolt überzeugt. Bereits etabliert hat sich am neuen Kulturort nach Corona die «Mittwochsmusig» von Robbie Caruso. Und es sollen noch weitere Events stattfinden an einem der schönsten Flecken des Kantons Aargau, der noch grösstenteils unentdeckt ist.


Wieder Arbeit in der Gastronomie

Der Verein Lernwerk setzt sich seit vielen Jahren für die Integration von Menschen in den Arbeitsmarkt ein. Das Open-Air-Theaterdinner «Mehr Meer» soll vor allem im Gastronomiebereich Arbeit und Umsatz zurückbringen. Denn während der Corona-Krise wurde das Catering für Hochzeiten, Geburtstage und andere Feiern gestrichen. Die traumhafte Szenerie, in der die Produktion stattfindet, wird irgendwann einer neuen Überbauung weichen müssen. «Wo wir dann für unsere Menschen einen neuen Platz finden, ist noch offen», gibt sich Bolt bedeckt.

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