Seine Präsenz ist überall spürbar

Maria Anna Weber führt den Skulpturenpark ihres Mannes – zumindest vorübergehend – in die Zukunft. Am 10. April wäre er neunzig geworden.

Maria Anna Weber im obersten Turmzimmer des Wohnhauses. (Bild: ub)

07. April 2021
18:13

Ihre feuerroten Haare sind Maria Anna Webers Markenzeichen. Die jugendlich wirkende 75-Jährige steht für das Gespräch in der Küche des turmförmigen Wohnhauses, an dessen Gestaltung sie tatkräftig mitwirkte. Ein Märchenwunderland voller Fabelwesen und Mosaike in einer einzigartigen Formensprache. «Bruno war der Spiritus Rector, was die Kunst anging. Aber er liess mir und unseren Zwillingstöchtern Mireille und Rebecca bei den kreativen Arbeiten auch die Freiheit, diese eigenständig auszuführen», bekundet sie. «Im Küchenbereich wollte ich beispielsweise keine Skulpturen. Und das hat er akzeptiert», sagt die aparte und engagierte Frau. Die ganze Theke aus Nussbaumholz sticht durch geschwungene Formen und eingebaute Drehschränke ins Auge. Das Besteck zieren Widderköpfe, auf den Tellern sind Papagena und Papageno abgebildet. Alles Kreationen von Bruno Weber, dessen Präsenz immer noch überall spürbar ist. Auch wenn sein Todestag zehn Jahre zurückliegt. Am 10. April wäre er neunzig Jahre alt geworden. Um den Künstler zu ehren, hat sich ein Team vom Schweizer Fernsehen angekündigt. Zur Feier des Tages wird auch das Mausoleum im Park mit den monumentalen Skulpturen eines Stiers und einer Kuh fürs Publikum geöffnet. Weil es einer von Bruno Webers Lieblingsorten war, liegt dort seine Urne.


Harte Diskussionen

Maria Anna Weber lernte ihren Mann 1965 kennen. Sie war knapp zwanzig. Damals war er hauptsächlich als Maler beschäftigt. Früh kaufte er mit Unterstützung seiner Eltern das Grundstück auf Spreitenbacher Boden im Grenzgebiet Dietikon und kreierte die ersten fantasievollen Säulen aus Beton für sein Lebenswerk – den Bruno Weber Skulpturenpark. «Wenn er im Park arbeitete oder Aufträge hatte, sprudelte er nur so vor Ideen. Aber er brauchte ein Vis-à-vis. Wir haben viel und oft hart darüber diskutiert, was Sinn macht und was nicht», blickt die Künstler-Witwe auf seine Aktivzeit zurück. Wieselflink wie ein junges Mädchen hüpft sie die enge Wendeltreppe zum obersten Turmzimmer hinauf. Dort funkeln an der Decke tausende von bunten Glassternen, die den Raum in ein magisches Licht tauchen. Mireille hat den Entwurf ihres Vaters für die Decke des Sternenzimmers umgesetzt. Den Boden – ebenso im Sternenmotiv – hat  Rebecca nach eigenen Ideen gestaltet. Den Töchtern des Ehepaars wurden die kreativen Gene offensichtlich in die Wiege gelegt.


Sie zogen am gleichen Strick

Die Ausbildung zur Keramikerin gab Maria Anna Weber auf Wunsch ihres Mannes auf. Nicht aber ihre Leidenschaft fürs Fotografieren, die in zahlreiche eigene Ausstellungen mündete. Trotzdem zog die gebürtige Österreicherin (ihr Vater ist Franzose) mit ihrem Künstlergatten von Anfang an am selben Strick. Zusammen mit ihm nagelte sie die Nut- und Kammbretter für die Zimmerdecke im Wohn- und Bürozimmer. Sie pflasterte den Platz vor dem Haus bis zum Tor. Gemeinsam fertigte das Paar erste Kunststoffarbeiten wie die Schlangenrutschbahn und den drei Meter hohen Eulenspiegel. Hätte Maria Anna ihrem Mann nicht ständig den Rücken gestärkt, wäre es schwierig gewesen, seine verrückten Fantasien in der Form auszuleben, wie sie sich heute im Bruno Weber Skulpturenpark präsentieren. Dank ihrer Kommunikationsarbeit im Hintergrund kamen wichtige Kontakte, wie jener zu Ausstellungsmacher Harald Szeemann. Daraus ergab sich der Auftrag für die Weltausstellung 1992 in Sevilla.


Herausforderndes Erbe

Wegen seiner Parkinson-Erkrankung begannen Bruno Webers Kräfte zu schwinden. Schliesslich starb er an einer Lungenentzündung. Nun ist Maria Anna Weber die treibende Kraft für das rund 10 000 Meter grosse Märchenland. «Mein Mann war mein Seelengefährte. Aber er hat mir kein einfaches Erbe hinterlassen», sinniert sie. Sie ist ständig auf Trab, macht Führungen, telefoniert, pflegt die Gartenanlagen. Eine Zeit lang war der Fortbestand des Parks in Frage gestellt. Dank der Gesellschaft Weinrebenpark konnte er im Juni 2020 wiedereröffnet werden. Der Wassergarten mit der Skulptur «Fliegender Hund» ist allerdings noch in der Konkursmasse und bleibt vorderhand zu. Maria Anna Weber ist fest gewillt, auch dafür eine Lösung zu finden. Ihr Wunsch für die Zukunft? «Ein Buch über das spannende Leben von meinem Mann und mir zu schreiben», sagt sie und lacht, «die Zeit dazu habe ich allerdings bis jetzt noch nicht gefunden.»

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