Self-Scanning in der Bibliothek

Der Wettinger Gemeinderat will die Bibliothek modernisieren und die frühere Schulpflege durch eine Stabstelle ersetzen.

Der Wettinger Gemeinderat informiert über die bevorstehenden Traktanden. (Bild: fre)

09. Juni 2021
18:30

Normalerweise lädt der Gemeinderat Wettingen erst dann zu einer Medienorientierung ein, wenn Grosses ansteht. Zum Beispiel ein Kredit in Millionenhöhe oder ein richtungsweisender Antrag. Aber das hier: Kenntnisnahme der Schulraumplanung 2016–2030? Oder die Verlängerung des Baurechtsvertrags einer Parzelle mit Erträgen unter 30'000 Franken pro Jahr?

Dass sich vergangenen Montag trotzdem gleich drei Gemeinderäte plus Gemeindeammann den Medien präsentierten, hängt mit dem Antragsstau zusammen, der sich in der Vergangenheit immer mehr abzeichnete. Um der Traktandenflut Herr zu werden, finden am 24. Juni und am 1. Juli gleich zwei Sitzungen hintereinander statt. Es stehen also eher viele als bedeutende Geschäfte bevor. Noch gibt es keine Alternative im politischen Alltag, Anträge schneller abzuarbeiten. Zu den Kernelementen unserer Demokratie zählt bei Abstimmungen die physische Anwesenheit in der Legislative.


Trotz Selbstausleihe keine Entlassungen geplant

Womit wir bei der Gemeindebibliothek angekommen sind. Gemeinderat Rey Philippe (parteilos) will in der Bibliothek die Selbstverbuchung einführen. Die Kundinnen und Kunden sollen dadurch schneller und «zeitgemässer» ihre Bücher ausleihen können. «Das funktioniert wie bei den Self-Scanning-Kassen von Migros und Coop», so Rey. Welchen Stellenwert eine Bibliothek in der heutigen Zeit noch hat, versuchte er anhand einer eindrücklichen Zahl zu belegen. Kurz vor dem Lockdown im letzten Jahr seien innerhalb von vier Stunden 3105 Ausleihen getätigt worden. Mit der Self-Scanning-Verbuchung könne man solchen Anstürmen besser begegnen. Auf 180'000 Franken belaufe sich das Kreditbegehren. Die Hauptkosten gehen zulasten von neuen Elektroanlagen und Hard- sowie Softwareausgaben.

Doch was geschieht mit dem bisherigen Personal in der Gemeindebibliothek. Kommt es zu Entlassungen? «Im Gegenteil», so Rey. Das Personal soll in der Medienberatung geschult werden.


Teure Sanierung

Fast doppelt so hoch wie die Erneuerung in der Bibliothek kommt das Kreditbegehren für die energetische Sanierung der Liegenschaft Schartenstrasse 42. Die Gemeinde verspricht sich von einer Energiesanierung auch eine Reduktion des Energieverbrauchs von 70 Prozent. Die effektiven Einsparungsmöglichkeiten sind allerdings nicht so hoch. Die jährlichen Kosten im Energiebereich belaufen sich auf knapp 4000 Franken. Mit den Baukosten von 350 000 Franken sollen vor allem die CO2-Ziele der Gemeinde erreicht werden, so der Gemeinderat.

Weniger gut kalkulieren lässt sich die Schulraumplanung. Seit dem letzten Bericht sind fünf Jahre vergangen. Das Monitoring 2021 zeigte aber, dass die damals angestellten Prognosen mit der Wirklichkeit einhergingen: Mittelfristig besteht in Wettingen Bedarf an Klassenzimmern. Vor allem auf Stufe Bezirksschule ist das Defizit erkennbar. Die Gemeinde begegnet diesen Lücken mit Provisorien. Hält die Entwicklung der steigenden Schülerzahlen an, sei ein Schulhausneubau nicht undenkbar, teilte der Gemeinderat an der Orientierung mit.

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