Sie geben dem Dorf ein kulturelles Leben

Seit 24 Jahren erfreut die Krippe der Chlausgesellschaft die Bevölkerung im Advent. Am Samstag ziehen die Figuren und zwei Schafe ein.

Kurze Verschnaufpause: die Mitglieder der Chlausgesellschaft am Samstag beim Aufbau vor dem Gemeindehaus. (Bild: is)

24. November 2021
19:12

Es ist kalt und feucht an diesem Samstagmorgen, doch auf der Wiese vor dem Gemeindehaus Neuenhof wird fleissig gehämmert und gezimmert. Die Mitglieder der Chlausgesellschaft Neuenhof bauen ihre Krippe auf, wie immer eine Woche vor dem ersten Advent. Dabei packen mehrere Generationen mit an – «unser ältestes Mitglied ist achtzig Jahre alt», sagt Präsident Hardy Wiederkehr. Der jüngste Helfer an diesem Morgen ist zehn.

Seit 1997 ist der Verein für den Aufbau und den Unterhalt des Holz­gebäudes besorgt. Die Idee stammte vom damaligen Mitglied Peter Hunkeler. Die erste Krippe wurde im Bauamt gezimmert. «Sie war so klein wie ein Bushäuschen», erinnert sich Wiederkehr. Fünf Jahre später wurde eine grössere Behausung gebaut, die bis heute ihren Dienst verrichtet. Ein Teil des Holzes stammt aus dem Sägewerk, das zu Beginn der 2000er-Jahre abgerissen wurde. Sämtliche Bauteile werden übers Jahr auf einem Bau­wagen in der Waldegg eingelagert.

Am kommenden Samstag werden dann auch die «Bewohner» einziehen: die Figuren Maria, Josef, das Jesuskind und der Hirte im einen Stall, die drei Könige im anderen. Es sind immer noch die gleichen Schaufensterpuppen wie vor 24 Jahren, erklärt Wiederkehr: «Wir suchten damals Sponsoren für die Puppen und kauften sie überall zusammen.» Die Neuenhoferin Yvonne Ihringer hörte davon und sponserte die Ausrüstung, welche die Puppen bis heute tragen.


Schafe aus Berikon
Zu den Bewohnern der Krippe gehören aber jeweils auch zwei echte Schafe. In den ersten Jahren stellte Ruedi Haller zwei Tiere zur Ver­fügung, danach Antonio Siletta, der 2019 verstorben ist. Im Dorf wurde die Chlausgesellschaft danach nicht mehr fündig, und deshalb ziehen seither zwei Tiere von Schäfer Urs Kaufmann aus Berikon für einige Wochen in ihren Stall. Für die Betreuung der Tiere ist der Verein zuständig: «Ich komme jeden Morgen hierher, um frisches Wasser, Heu und Kraftfutter zu geben. Zudem kontrolliere ich, ob alles seine Ordnung hat, und putze, sofern nötig. Am Samstag wird gemistet», erklärt Hardy Wiederkehr, der seit Kurzem pensioniert ist, «jetzt habe ich ja Zeit.» Damit die Tiere keine nassen Füsse bekommen, werden Gummiplatten auf dem Boden ausgelegt. Zudem haben die Schafe neben einem Futterplatz auch einen Rückzugsort in einem weiteren Stall. Denn die Krippe zieht viele Schaulustige an. «Die Leute schätzen es sehr, dass wir sie jedes Jahr aufstellen», weiss der Vereinspräsident. Sogar eine Lehrerin aus Nussbaumen komme seit Jahren regelmässig nach Neuenhof mit ihren Klassen.


Sterne auf der Turnhalle
Dem Verein ist es ein Anliegen, das Dorfleben mit seinen traditionellen Anlässen zu bereichern. Der Startschuss der Aktivitäten fällt jeweils Mitte Oktober mit dem beliebten ­Oktoberfest in der Zürcherturnhalle. Mitte November wird das Vordach der Halle mit Leuchtsternen und Samichläusen dekoriert. Normalerweise eröffnet der Verein am ersten Advent die Krippe mit dem Chlauseinzug – doch dieses Jahr findet er erstmals in zwanzig Jahren nicht in der gewohnten Form statt: Am kommenden Sonntag ab 18 Uhr werden die eingeladenen Schüler und Kindergärtner auf dem Schulhausplatz den Samichlaus musikalisch begrüssen. «Wir hoffen jedoch, dass wir den Chlauseinzug nächstes Jahr wieder in der traditionellen Form durchführen können», erklärt Hardy Wiederkehr.

Und natürlich gehört auch das «Kerngeschäft» dazu: Die Chläuse und Schmutzli der Chlausgesellschaft können via Website (www.chlausgesellschaft.ch) engagiert werden. Das Christbaumverbrennen im Schützenhaus am 9. Januar bildet den krönenden Abschluss der Weihnachtszeit – «ein Anlass, der auch für Familien geeignet ist», findet Wiederkehr. Mitte Januar wird dann die Krippe wieder abgebaut und in der Waldegg verstaut.


Chläusli- und Kinderball
Die Chlausgesellschaft ist aber nicht nur während der Weihnachtszeit aktiv, sondern auch Organisatorin der Neuenhofer Fasnacht. Vor achtzehn Jahren rief sie den Fasnachts-Kinderball im Peterskeller ins Leben, der traditionell am Samstag nach dem schmutzigen Donnerstag stattfindet und mittlerweile in die Zürcherturnhalle umgezogen ist. Dabei kann sich der Verein auf treue Helferinnen und Helfer verlassen. Seit vielen Jahren etwa betreut Enza Sino die Kinder am Kinderball, und Mischa Wiederkehr ist als DJ im Einsatz. Auch den «Chläusliball» führt der Verein regelmässig durch. «Wenn wir diese Anlässe nicht machen würden, gäbe es in Neuenhof keine Fasnacht mehr», ist Hardy Wiederkehr überzeugt. 

Doch auch die Chlausgesellschaft kämpft mit Nachwuchsproblemen. Viele der heute rund 35 Mitglieder sind schon älter, und es kommen kaum Junge nach. «Es wäre schade, wenn es uns in fünf Jahren nicht mehr gäbe», so der Präsident. Neue Mitglieder seien jederzeit willkommen.

Nach rund fünf Stunden ist die Krippe beim Gemeindehaus fertig. Dann wird der Grill angeworfen, dazu gibt es Gerstensuppe. In den kommenden Tagen wird noch ein Angestellter der Regionalwerke Baden kommen, um eine der beiden grossen Tannen mit Kerzen zu schmücken und die Krippenbeleuchtung an den Strom anzuschliessen. Besonders schön sei die Krippe anzusehen, wenn Schnee liege und es dunkel sei, sagt ein Helfer. Sechs Wochen lang wird das Werk der Chlausgesellschaft die Bevölkerung erfreuen.  

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