Sie holt das Sterben in den Alltag

Sterben, Tod und Trauer sind purer menschlicher Alltag. Dies thematisiert die Hausener Designstudentin Viviana Leonhardt in ihrem ersten Podcast.

Will den Tod zum Thema machen: Viviana Leida Leonhardt (Bild: aru)

von
Annegret Ruoff

18. Dezember 2019
11:20

Alltag ist für Viviana Leida Leonhardt nicht einfach Alltag. Sondern zugleich ihr Beruf. Die Studentin der Fachrichtung «Trends and Identity» an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) interessiert sich für alles, was unser Leben so alltäglich macht. «Ich analysiere unsere Alltagswelt und entwickle daraus Szenarien für die Zukunft», erklärt die 24-Jährige. Diese Beobachtungen führen sie mitten ins Herz unserer Gesellschaft.

 

Tod ohne Tabus

Berührungsängste kennt die Studentin kaum. Deshalb beteiligt sich Viviana Leonhardt auch mit grosser Leidenschaft am Forschungsprojekt «Care Futures» der ZHdK, welches die Themen Sterben, Tod und Trauer untersucht. Ziel des Projekts ist die Verknüpfung von Forschung und Lehre. Deshalb setzt die Hochschule auf eine Kooperation mit dem Hospiz Aargau. «Ich stelle immer wieder fest, dass der Tod in unserer Gesellschaft totgeschwiegen wird», sagt Leonhardt beim Gespräch in der «Stube» des Hospizes in Brugg. «Deshalb will ich herausfinden, durch welche Konzepte und Produkte man zu einer Veränderung beitragen kann.» Für ihre Aufklärungsarbeit hat sich Viviana Leonhardt das Medium Podcast ausgesucht. Selbst eine leidenschaftliche Podcast-Hörerin und -Sprecherin – sie spricht sich jeden Abend ihre Tageseindrücke aufs Handy –, hat sie sich in den letzten Wochen intensiv mit Herstellung, Aufnahmetechnik, Abmischung und Download-Portalen auseinandergesetzt. «Mir war wichtig, durch die direkte Ansprache des Hörers mittels einer menschlichen Stimme die nötige Emotionalität zu erzeugen», sagt sie. Somit sei es möglich geworden, den Mangel, den sie in der Gesellschaft bei der Thematik rund ums Sterben orte, ins Positive zu drehen: «In meinem Podcast wird über den Tod gesprochen», erklärt sie bestimmt.

In ihrem Podcast will Viviana Leonhardt aber nicht nur Sprecherin sein, sondern auch Gastgeberin. «Es ist meine Aufgabe, die Stimmen von Expertinnen und Experten in einen informativen Kontext einzubetten und so eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen», erklärt sie. Dabei sei ihr wichtig, nicht einfach einzelne Aspekte zu thematisieren, sondern eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen. Für ihren ersten Podcast – weitere sind geplant – hat sie mit dem Geschäftsleiter des Hospizes, einer Freiwilligen, die seit 30 Jahren als Sterbebegleiterin tätig ist, einer Leiterin des offenen Trauertreffs und einer Frewilligen auf der Station gesprochen. Danach war sie eine Woche lang im Tonstudio tätig, um die einzelnen Sequenzen zu einem hörbaren Ganzen zusammenzufügen.

 

Die schönen Seiten des Todes

Das Hospiz hat Viviana Leonhardt, die in Hausen aufgewachsen ist und nun in Zürich wohnt, als einen «angenehmen Ort» erfahren. «Nebst aller Melancholie, die der Vergänglichkeit anhaftet, habe ich hier Menschen getroffen, die – ganz aus ihrem Alltag heraus – den Tod in ein schönes Licht rücken», berichtet Leonhardt. Das habe nicht zuletzt mit der würdevollen Umgebung zu tun, in welcher sich ein Mensch im Hospiz auf seinen letzten Weg machen könne. Natürlich wisse sie, dass es ein Privileg sei, im Hospiz zu sterben, und der Tod sich andernorts – beispielsweise bei einem Unfall – nicht ganz so stimmig präsentiere. «Die Möglichkeiten, das eigene Sterben mitzugestalten, beeindrucken mich am Hospiz», sagt die Jungdesignerin. 

 

Weitere Folgen geplant

Während der vergangenen Wochen beschäftigten sich Viviana Leida Leonhardt und ihre Mitstudenten intensiv mit den Themen rund um den Tod und mit dem Hospiz. Dabei galt ihr Augenmerk stets auch dem Design. Was es bräuchte, um einen solchen Ort in Zukunft auch für junge Menschen ansprechend zu gestalten, hört man vielleicht bald in einem nächsten Podcast.

Der erste Podcast von Viviana Leida Leonhardt wird im Rahmen der Vernissage der Pop-Up-Ausstellung «Sterben, Tod, Trauer und Design» am 19. Dezember, 18 Uhr im Stadtmuseum Aarau präsentiert. Hören kann man ihn danach auf Leonhardts eigener Homepage, unter www.leidavanleo.com/das-endliche-tabu.

Kommentare (2)

  • Rita Staubli-Eichholzer
    Rita Staubli-Eichholzer
    am 22.12.2019
    Sonntag, 22.12.2019, heute nahm ich mir die Zeit; das Podcast 1 von Anfang bis Ende zu hören, aufzunehmen, ganz da zu sein, mich hinein zu geben.
    Dafür - einfach nur ein Danke, bleibt. Danke der Podcasteten, danke Maria, danke Dieter, danke Kristina, danke allen, die bereit sind, sich getrauen - dabei zu sein - als «Duna» Geburtshelfer/In. Auch weiter Geburtshelfer/In zu sein in unserer Gesellschaft Solidarität zu leben.
  • Rita Staubli-Eichholzer
    Rita Staubli-Eichholzer
    am 19.12.2019
    Mich freut, dass Junge sich mit dem Ende des Lebens befassen und neue Wege suchen, aufzeigen - das Alter, das Ende nicht auszublenden, damit zu leben.
    Danke

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