Sie rappen mit den Händen

Ihre Raps sind ein Blickfang. Am Vindonissa Festival in Brugg, das ab Mittwoch über die Bühne geht, werden «MixIt» für augenfällige Überraschungen sorgen.

Die Band «MixIt»: Rapper Gaston, Gebärdensprachkünstler Rolf und DJ Oli
Die Band «MixIt»: Rapper Gaston, Gebärdensprachkünstler Rolf und DJ Oli (Bild: Fabian von Unwerth)

von
Annegret Ruoff

07. Juni 2018
09:00

Vindonissa Festival

Das Festival bietet Erotik von Ovid, Reggae von «Meta and the Cornerstones», Pop von «Frank Powers» und weitere Köstlichkeiten.

13. bis 17. Juni
Vindonissa Museum Brugg
www.vindonissamuseum.ch 

Sie spielen eine Nebenrolle. Ganze dreissig Minuten dauert ihr Auftritt am ersten Vindonissa Festival, das vom 13. bis 17. Juni in Brugg stattfindet. Als Vorgruppe der international bekannten Reggae-Band «Meta and the Cornerstones» haben sie einen schweren Stand. Und doch lässt ihr Auftritt aufhorchen – und aufsehen. Eingebunden ins Vernetzungsprojekt Young Artists Exchange Project YAEP treten «MixIt» – im Zusammenspiel mit «Joce & JohBeats» – am Samstag auf die Open-Air-Bühne hinter dem Vindonissa Museum. «MixIt» bietet einen Rap der besonderen Art. Einen, der nicht bloss gehört, sondern auch gesehen werden will.

 

Laut- und Gebärdensprache

Rolf Perrollaz, der die Band zusammen mit Gaston Perroud und Oli aka «DJ Okay» bestückt, rappt nämlich in Gebärdensprache. Seit 2006 steht der 39-Jährige aus Seon, der seit klein auf gehörlos ist und sowohl die Laut- als auch die Gebärdensprache beherrscht, als Gebärdensprachpoet auf der Bühne. Mehrfach ausgezeichnet, tat sich Rolf Perrollaz 2010 mit Gaston Perroud und DJ Okay zur Rapper-Band «MixIt» zusammen. Perroud, der beruflich mit Gehörlosen arbeitet und die Gebärdensprache beherrscht, ist der ideale Partner für Perrollaz. Gemeinsam erarbeiten sie ihre Songtexte, rappen und reimen und improvisieren zusammen – in einer Performance, die das Publikum unmittelbar in Bewegung bringt.

Dass «MixIt» und «Joce & JohBeats» am Vindonissa Festival auftreten, ist das Verdienst von YAEP. «Wir bieten jungen Künstlern eine Plattform, über die sie sich mit anderen Kunstschaffenden vernetzen und gemeinsam an Projekten arbeiten können», sagt Johannes Küng, Gründungsmitglied von YAEP. Er ist selbst als Musiker bei der Plattform engagiert und hat in bisher vier Projekten als Organisator mitgewirkt. In Zusammenhang mit dem fünfjährigen Jubiläum von YAEP, das nächstes Jahr ansteht, arbeitet Johannes Küng aktuell an einer Remix-EP und einem Festival-Projekt in Uganda. «Durch YAEP habe ich viele Menschen kennengelernt und an vielen spannenden und bereichernden Projekten mitarbeiten können», schwärmt Küng. Zudem habe er durch YAEP Auftrittsmöglichkeiten in der Schweiz, Deutschland, Uganda und den USA erhalten. «Alleine wäre das wohl kaum möglich gewesen», vermutet er.

YAEP sucht nicht aktiv nach neuen Künstlern. Vielmehr gelangt die Plattform über die Netzwerke von bereits beteiligten Kunstschaffenden an neue Kontakte. 

«MixIt» – «mini Sproch»

 

 

«MixIt» – «Stärne»

 

Begegnungsort der Kulturen

Bei der Wahl der Bands fürs Vindonissa Festival hat – ganz nach dem römischen Motto «Alea iacta est» – auch die Gunst des Schicksals mitgespielt. «Da YAEP praktisch ausschliesslich projektbasiert arbeitet, entscheidet oft der Zufall, wer während eines Projekts gerade Zeit und Energie hat, um mitzuarbeiten», sagt Johannes Küng. Alle Künstler, die sich innerhalb der Plattform engagierten, hätten in irgendeiner Weise bereits mit anderen Kunstschaffenden von YAEP zusammengearbeitet und gemeinsame Projekte umgesetzt. «So gesehen verstehen wir uns eher als transkulturelles Projekt, da nicht zwischen verschiedenen Kulturen Austausch besteht, sondern sich verschiedene Kulturen in gemeinsamen Projekten durchdringen», erklärt Johannes Küng.

YAEP passt also perfekt zum Motto «Roots», mit dem das Vindonissa Festival seine Premiere feiert. Ein Treffpunkt vieler Kulturen – das sei das Legionslager Vindonissa zu seiner Zeit schliesslich gewesen, sagt Rahel Göldi, Hauptorganisatorin und Leiterin des Römerlagers Vindonissa. «Mit unserem Festival möchten wir das Vindonissa Museum neu etablieren: als Begegnungsort der Kulturen.»

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