«S’isch halt Turnfäscht»

Viel Arbeit, wenig Schlaf: Die Crew ­hinter den Kulissen läuft während des Turnfests auf Hochtouren. Nach der ersten Hälfte heisst es durchstarten – für den Ansturm am zweiten Wochenende.

Wettingen turnt und festet weiter. Tausende von Turnerinnen und Turnern werden zu den Vereinswettkämpfen erwartet. (Bild: zVg | Wettingen 2022, Rita Stricker)

21. Juni 2022
21:19

Das zweite Wochenende

Ab morgen gehts weiter am Kantonalturnfest. Die Höhepunkte: Freitag, 24. Juni: Vereinswettkämpfe, 19.30 Uhr: Konzert Pedestrians auf der AKB Outdoor Stage. – Samstag,
25. Juni: Vereinswettkämpfe, ab 12 Uhr: Vorführungen der besten Turnvereine im Vereins­turnen. Ebenfalls ab 12 Uhr: Swiss Parkour Series Wettingen, Finalläufe ab 17 Uhr, ­Vorplatz Tägi Eventarena. 19.30 Uhr: Konzert Karavann, AKB Outdoor Stage. – Sonntag, 26. Juni, 11 Uhr: Schlussfeier (Stadion Altenburg oder WNW-Festzelt, je nach Witterung).


Infos und Ranglisten: wettingen2022.ch und auf der App Wettingen 2022

Als am Sonntagabend um 22 Uhr die Lichter auf dem Festgelände gelöscht werden, schaltet das Kantonalturnfest 2022 in einen viertägigen Pausenmodus um. Von Montag bis Donnerstag ruht das Geschehen auf dem Gelände rund ums «Tägi». Für das OK bedeutet das zwar eine kurze Entspannung, aber von Ruhe tagen kann keine Rede sein. Vier Beteiligte von «Wettingen 2022» blicken zurück auf das erste Wettkampfwochenende und voraus auf das zweite – wenn 13 000 Turnerinnen und Turner das Festgelände stürmen.


Mathias Baumann (35), Infrastruktur:
«Bereits am Sonntag haben wir damit begonnen, alle Wettkampfanlagen umzubauen. Das ist nötig, weil die Erwachsenen am zweiten Wochenende teilweise andere Disziplinen oder Distanzen brauchen als die Kinder am ersten Weekend. Von den elf Weitsprunganlagen brauchen wir nur noch drei. Einige haben wir abgebaut und das Holz verwendet, um daraus die Unterlage für den Anlauf beim Wurf zu bauen. Da am Montag wieder Schulbetrieb war, mussten wir auch die Hallen freigeben für den Turnunterricht.

Als Projektleiter Digitalisierungsapplikationen bei der AKB habe ich beruflich nichts mit Infrastruktur und Bau zu tun. Aber ich habe sehr viel gelernt. Alles funktioniert, es gab nur Details anzupassen. So stellten wir fest, dass sich die Bühne im WNW-Festzelt verschiebt, wenn zu viele herumhüpfen. Da haben wir zusätzliche Träger montiert und Spanngurte angebracht.

Am zweiten Festwochenende kommt der Zeltplatz dazu. Dort erwarten wir rund 1200 Personen in 500 bis 600 Zelten. Auch im Wagenpark wird mit 70 Traktoren mit Anhängern ein eigenes Dörfli entstehen. Und nach der Schlussfeier vom 26. Juni heisst es «Kommando zurück!»: Am Montag beginnt der Gastro-Abbau, abends werden Zelte und Festbänke abgeräumt, und am Dienstag bauen wir mit den Zeltbauern die Zelte ab. Der Rückbau braucht zwei Wochen, genau wie der Aufbau. Am 7./8. Juli muss alles fertig sein. Ich habe insgesamt fünf Wochen Ferien genommen.»
 

  • Furioser Auftakt am 15. Juni: Die OK-Präsidenten Reto Widrig, Roli Steiner und Mathias Baumann mit den Fähndrichen ihrer Vereine. (Bild: zVg | Wettingen 2022, Rolf Hunziker)
  • Bei den Vereinswettkämpfen am Freitag war Geschicklichkeit gefragt – und viel Schatten. (Bild: zVg | Wettingen 2022, Martin Schmid)


Mirijam Frei (28), Events:
«Dass ich im OK mitmache, war für mich selbstverständlich, denn der Damenturnverein Wettingen ist ja einer der vier organisierenden Vereine. Viele OK-Mitglieder und Helfende turnen auch selber noch mit. Wir schlafen alle wenig. Nach dem ersten Wochenende habe ich trotzdem zwei Tage gearbeitet. Ich unterrichte Sport und Allgemeinbildung an der BBB. Das Ressort Events ist mit fast zwanzig Personen das grösste im OK. Wir sind zuständig für die Bespielung der Bühne, die Partys in den Festzelten und die Freizeitaktivitäten. Bei der Gestaltung des Musikprogramms konnten wir uns auf die Expertise von Teammitglied Björn Bestgen verlassen, der selber DJ ist. Ich habe ein sackstarkes Team! Nach dem Konzert von Dodo auf der AKB Outdoor Stage standen wir backstage mit dem Sänger und redeten. Er war völlig geflasht von der Atmosphäre.

Am Samstagabend kommt ein weiteres Highlight: Dann wird die Band Karavann live den offiziellen Turnfestsong ‹Bring back the Feeling› spielen. Es ist das erste Turnfest seit dem Eid­genössischen 2019 in Aarau, der Song soll die Emotionen eines Turnfests zurückbringen. Bei der Eröffnungsshow und an der Schlussfeier Jugend tanzten alle im Festzelt den Flashmob dazu. Einfach ein Hammer­gefühl! Ich habe im OK so viel gelernt, was mir im weiteren Leben hilft. Auch die vier Vereine sind zusammen­gewachsen. Wir werden uns in Zukunft noch mehr gegenseitig bei unseren Anlässen unterstützen.»

  • Andreas «Chäppu» Wernli, Gesamtwettkampfleiter. (Bild: is)
  • Calvin Stettler, Moderator. (Bild: zVg | Wettingen 2022, Rolf Hunziker)
  • Mirijam Frei, Ressortleiterin Events. (Bild: is)
  • Mathias Baumann, OK-Präsidium und Ressortleiter Infrastruktur. (Bild: is)


Calvin Stettler (25), Moderation:
«In einem Turnverein war ich selber nie, da sich mein Job in der Sportredaktion des Schweizer Fernsehens nicht mit einem Vereinsleben vereinbaren lässt. Ich bin im Turnen auch ein völliges Anti-­Talent, sozusagen der Kartoffelsack an den Ringen. Dass ich drei Anlässe am Kantonalturnfest moderieren darf, ehrt mich deshalb besonders – auch weil ich in Wettingen aufgewachsen bin. Es ist für mich wie ein Heimspiel, obwohl ich mittlerweile in Rütihof lebe. Als ich vor der Eröffnungsshow ins Publikum schaute, spürte ich dann aber doch ein Kribbeln beim Anblick der vielen bekannten Gesichter.

Doch das Wettinger Publikum ist sehr wohlwollend. Am Jugendtag an Fronleichnam war ich extra früher auf dem Gelände und schlenderte ein wenig herum, um die Emotionen aufzusaugen und die Moderation auf der Bühne später authentisch rüberzubringen. Ich sah die Kids; das gab mir ganz viel Energie, und freute mich richtig auf die Schlussfeier am Abend. Auf der Bühne hatte ich vom ersten Moment bis zum Schluss Gänsehaut. Ich habe viel Interaktion in die Moderation eingebaut und war mir nicht sicher, ob die Kids überhaupt noch Energie dafür haben. Aber sie machten so herzig mit! Ich frage mich nur: Wie kann man das noch toppen?

Es waren zwei extrem schöne Abende, die Zusammenarbeit mit dem Event-Team war super. Nun freue ich mich auf die Abschlussfeier, die sicher auch Gänsehaut-Feeling pur bringen wird.»


Andreas Wernli (44), Wettkampfleitung:
«Ich habe schon x Turnfeste organisiert. Trotzdem gibt es immer neue Herausforderungen, wo man schnell eine Lösung finden muss. Wir hatten zum Beispiel einen Sturz an den Schaukelringen im Einzelgeräteturnen. Das war natürlich für die ganze Riege des verunfallten Mädchens ein Schock, und das ganze Programm wurde unterbrochen. Zum Glück kam später Entwarnung. Trotzdem verzögert sich natürlich das Programm. Dass in unserem 40-köpfigen Team fast 95 Prozent schon beim letzten Kantonalturnfest 2017 in Muri im Einsatz waren, erleichtert meinen Job – wir sind ein eingespieltes Team. Es ist auch immer eine Ungewissheit, ob alle Wertungsrichter kommen. Ab und zu taucht einer einfach nicht auf. Dann suche ich per Telefon Ersatz. Ohne Richter kein Wettkampf. Auch das Wetter ist eine unberechenbare Komponente. Ich stehe immer im Austausch mit Meteo Schweiz. Die melden uns frühzeitig, wenn ein Gewitter im Anzug ist. Früher sass man da immer wie auf Nadeln. 2013 war ich als Helfer des Aargauer Turnverbands am Eidgenössischen Turnfest in Biel, wo schwere Stürme über das Festgelände fegten. Es gab sogar ein Todesopfer. Die Solidarität damals war beeindruckend – alle halfen einander. 

Meine Hauptarbeit habe ich schon im Vorfeld des Turniers erledigt: Reglemente erstellen, Anmeldung durchführen, Zeitpläne für die sechs Wettkampftage erstellen. Zum Glück kann ich in meinem Job als Hauswart der Mehrzweckhalle Mühlematt in Brugg die Zeit manchmal frei einteilen. Über die Turnfesttage habe ich trotzdem gleich zwei Wochen Ferien genommen. Anders übersteht man das nicht. Wir haben immer anderthalb Stunden vor Wettkampfbeginn Leitersitzung. Da muss man auch mal mit vier Stunden Schlaf auskommen. Aber s’isch halt Turnfäscht!» 

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