So wandelbar wie ein Chamäleon

Corinne Nora Huber ist eine der weiblichen Gesangsstimmen, die in der Produktion «Ikarus, stirb oder flieg» von Tanz und Kunst Königsfelden für Gänsehautmomente sorgen.

Corinne Nora Huber wird mit ihrem ausdrucksstarken Gesang die Inszenierung «Ikarus, stirb oder flieg» von Tanz und Kunst Königsfelden bereichern (Bild: ub)

von
Ursula Burgherr

22. Mai 2019
09:00

Tanz und Kunst Königs­felden presents:

«Ikarus, stirb oder flieg» in der Klosterkirche Königsfelden Windisch. Uraufführung: 24. Mai, 21 Uhr. Weitere Aufführungsdaten: 25., 26., 29., 30., 31. Mai sowie 1., 2., 5., 6., 7., 8., 9., 12., 13., 14., 15., 16., 19., 20., 21., 22. und 23. Juni, jeweils 21 Uhr. Ticketvorverkauf: Info Baden, Bahnhofplatz 1, 5400 Baden, Telefon 056 200 84 84, www.ticket.baden.ch. Vorverkauf Windisch: Einwohnerdienste Windisch, Dohlenzelgstrasse 6, 5210 Windisch, Telefon 056 460 09 00. 

Weich und samtig umhüllt die Stimme von Corinne Nora Huber das Publikum. Manchmal haucht die Sängerin mit viel Luft Melodienbögen ohne Worte ins Mikrofon und lässt sie durch den Raum schweben. Und zeigt dann ihre Wandlungsfähigkeit, in dem sie plötzlich die Klangfarbe wechselt und mit einem tiefen, erdigen und voluminösen Timbre überrascht. Dieser Facettenreichtum passt genau zum Spannungsbogen von «Ikarus, stirb oder flieg», der neuen Produktion von Tanz und Kunst Königsfelden, die am kommenden Freitag in der Kloster­kirche Königsfelden Premiere feiert. Denn das akustische Wechselbad, in das Nora Huber die Zuhörerinnen und Zuhörer mit ihrer Stimme eintauchen lässt, wird auf den verschiedenen Bühnen visuell mit Flamenco, Breakdance und zeitgenössischem Tanz umgesetzt. Die spektakulär choreografierten Szenen zeigen eindringlich, wie Ikarus hoch fliegt und tief fällt. Aber auch immer wieder aufsteht, die Flügel ausbreitet und neu durchstartet.

 

Musik ist stärker als alles andere

Die 32-jährige Sängerin und Multiinstrumentalistin ist in einem Musikerhaus in Rupperswil aufgewachsen. Der Vater, Pianist und Komponist Felix Huber, förderte von Anfang an das Talent seiner zwei Kinder. Ihr Bruder Christoph Huber ist Saxofonist und hat die Musik für «Ikarus, stirb oder flieg» komponiert. Vielleicht gerade weil die Musik seit Kindheit so selbstverständlich war, suchte Corinne Nora Huber nach der Matura einen Gegenentwurf. Sie machte einen Bachelor in Geschichte und träumte davon, Auslandkorrespondentin oder Reisejournalistin zu werden. Oder Tänzerin. «Aber die Musik war einfach immer stärker als alles andere», sagt die Frau mit den ausdrucksstarken grünen Augen. Ihr Blick hat etwas Durchdringendes, Fragendes. «Ich habe einen grossen Forschungstrieb. Mich interessiert der innerste Kern, der alles zusammenhält.» Die Berufsmusikerin ist bekannt dafür, dass sie mit viel Kreativität und Eigenwilligkeit neue Stilrichtungen auslotet. 2017 schloss sie ihr Masterstudium in Jazz und Komposition an der Hochschule der Künste in Bern ab. Da hatte sie schon längst die Band Nojakîn gegründet, die auf der Bühne einen schwer zu beschreibenden Genre-Mix aus Alternativpop und Jazz zelebriert. «Wir sehen uns als experimentelles Projekt, das sich fortlaufend weiterentwickelt», sagt die Bandleaderin. Das erste Album «Silent Smile» aus dem Jahr 2016 klingt deshalb auch noch anders als der 2018 erschienene Tonträger «Perfection in a Bird». «Nojakîn» tourte bereits durch Europa und spielte in den USA. Doch das ist nicht der einzige Pfeil, den Corinne Nora Huber im Köcher hat. 

 

Stillstand bedeutet Horror

Als Huber 2016 mit einem Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums ein halbes Jahr in New York verbringen konnte, entstand unter ihrer Ägide die Band Roiin. Das Konglomerat aus US- und Schweizer Musikern mäandert musikalisch zwischen verspielten lyrischen Klängen und einem rohen ungeschliffenen Sound. Ein Kontrast, der funktioniert und vor allem fasziniert. 2018 wurde die Formation an den BeJazz-TransNational-Contest eingeladen, was ihr eine Tournee durch die Schweiz ermöglichte. Vor dem Start der Proben zu «Ikarus, stirb oder flieg» wurde die Sängerin und Instrumentalistin (Cello, Gitarre, Klavier, Banjo und Kontrabass) vom Aargauer Kuratorium erneut ausgezeichnet. Sie erhält für ihr musikalisches Gesamtwerk 2018 ein Atelierstudium in London. «Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Musikern vor Ort, die pulsierende Energie dieser Grossstadt und viele Inspirationen für neue musikalische Konzepte.»

Stillstand bedeutet für Corinne Nora Huber den absoluten Horror. Neues zu entdecken und zu kreieren, ist ihre wichtigste Antriebsfeder. Materielle Sicherheiten interessieren sie genauso wenig wie festgefahrene Zukunfts- oder Jobperspektiven. Sie lebt bescheiden und schätzt die Freiheit, die dieser Lebensentwurf mit sich bringt. Dazu gehören in strengen Zeiten des Komponierens oder Songwritings auch Momente der Einsamkeit. Huber hat in ihrem Leben Ups und Downs erlebt. Es sind häufig gerade die Downs, aus denen sie ihre kreativen Inspirationen bezieht. «Herausforderungen schärfen das Profil und verleihen einem Menschen Tiefe», findet sie, «nach jeder Krise fühle ich mich stärker als vorher. Es geht mir wie Ikarus in der Produktion von Tanz und Kunst Königsfelden, der abstürzt, sich wieder aufrafft und weiterfliegt.» 

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