Souveräne Schweiz hat für sie Priorität

Otto H. Suhner tritt als Präsident von Perspective.ch zurück. Reto Caprez, Geschäftsleiter aus Würenlingen, wird sein Nachfolger.

Reto Caprez (neuer Präsident Perspective.ch), die Ständeräte Hansjörg Knecht und Thierry Burkart, Otto H. Suhner (abtretender Präsident Perspective.ch). (Bild: sha)

10. November 2021
20:05

Die traditionelle öffentliche Veranstaltung von Perspective.ch – dem Forum für Weltoffenheit und Souveränität – war hochkarätig besetzt. Im Gasthof Ochsen in Lupfig durfte Präsident Otto H. Suhner spannende Gäste begrüssen. Zuallererst die zwei Aargauer Ständeräte Thierry Burkart, seines Zeichens neu gewählter Präsident der FDP Schweiz, sowie Hansjörg Knecht (SVP). Beide sind Mitglieder von Perspective.ch und hatten im Sinne einer Lagebeurteilung zum Thema «Perspektiven für die Schweiz» den Anwesenden einiges mitzuteilen. Besonders freute sich Otto H. Suhner über die Anwesenheit eines legendären Politikers: «Dass unser ehemaliger Bundesrat Christoph Blocher den Weg in den Industriekanton Aargau gefunden hat, ehrt uns ganz besonders. Ohne sein gewaltiges Engagement wäre die Schweiz 1992 dem EWR und in der Folge vermutlich auch der EU beigetreten.»

Der Unternehmer Suhner tritt als Präsident des Vereins Perspective.ch nach 28 Jahren zurück und wurde für seine Verdienste gewürdigt. Zu seinem Nachfolger gewählt wurde Reto Caprez, Geschäftsführer aus Würenlingen. Zur Vizepräsidentin bestimmt wurde Nationalrätin Stefanie Heimgartner; zweiter Vizepräsident und Gründungsmitglied ist Hans-Jörg Bertschi. Weiter im Vorstand sind Daniel Knecht, Michelle Rütti, Daniel Heller, Markus Letsch. Neu in den Vorstand gewählt wurden Nationalrätin Martina Bircher und Grossrat Silvan Hilfiker.


Blackout: «Die Frage ist nicht ob, sondern wann er kommt»
Suhner stellte in seinem Referat mehrfach die Frage: «Was ist los in unserem Land?» Einerseits sei die Schweizer Industrie in Europa nach wie vor Spitze: «Weil wir den Strukturwandel akzeptieren, Produkte haben, für die weltweit eine grosse Nachfrage besteht, ein hohes Bildungsniveau aufweisen und in die internationale Arbeitsteilung hervorragend eingegliedert sind», so Suhner. Doch andererseits zittere nun die Schweiz, wie etwa auch Österreich, um die Stromversorgung. Die Frage sei nicht ob der Blackout komme, sondern wann, ist Suhner überzeugt. «Wir müssen nun schleunigst unsere eigene Energieversorung wieder an die Hand nehmen, Schluss machen mit der fehlgeleiten Energiewende, notabene zulasten der Umwelt, mit zunehmend importiertem Strom, etwa aus deutschen Braunkohlekraftwerken.» Die USA und China würden mit Hochdruck an neuen Technologien der Kernenergie forschen, in der Schweiz sei dies mit der «Energiestrategie 2050» den dafür prädestinierten Institutionen ETH und PSI nicht möglich. So liessen sich natürlich auch keine Investoren finden, schlussfolgerte Suhner und kam zum Fazit: Technologie- und Forschungsverbote seien der falsche Weg.

Unverständlich ist für Suhner, «dass nach dem mutigen und schicksalsträchtigen Entscheid des Bundesrats, die Rahmenvertragsverhandlungen mit der EU abzubrechen, andere Kreise ein Volksbegehren lancieren». Mit diesem solle der Bundesrat gezwungen werden, am besten gleich die EU-Mitgliedschaft anzustreben. «Und das notabene fast gleichzeitig mit der Meldung, dass der Europäische Gerichtshof Polen mit einer Million Euro pro Tag bestraft, weil man in Warschau nationales Recht über EU-Recht stellt», so Suhner.


«Vernunft statt Populismus bei der Klimapolitik»
Nach einem weiteren Intermezzo durch die Blaskapelle Eigenamt stellte der Lupfiger Ammann Richard Plüss seine Gemeinde vor. Dann war die Reihe an Ständerat Hansjörg Knecht. Auch für ihn steht unser Land «vor gewaltigen Herausforderungen, wenn 2035 die Kernenergie vom Netz geht». Die Konsequenz wäre, die Wasserkraft auszubauen. Doch leider, so der Leibstadter Unternehmer, werde die Erhöhung der Grimsel-Staumauer seit Jahren von Umweltverbänden blockiert. Knecht forderte generell «Vernunft statt Populismus bei der Klimapolitik». Ebenso dürfe die Schuldenbremse nicht weiter ausgehöhlt werden. Ein Dorn im Auge sind ihm die hohen Jahresgehälter der Bundesbeamten in Bern; laut Knecht sind dies über alle Berufsgruppen durchschnittlich 142 000 Franken im Gegensatz zu bloss 90 000 bis 95 000 Franken in der Privatwirtschaft. Kein Wunder, dass es immer mehr Beamte gebe, ist er überzeugt.

Thierry Burkart, frischgebackener Präsident der FDP Schweiz und ein brillanter Rhetoriker, richtete während fast 50 Minuten frei sprechend seine Gedanken an die Anwesenden: «Wir sollten dankbar sein, in diesem  wunderbaren Land zu leben», so sein Appell. Als Wohlstandsfaktoren verortete er unter anderem kluge Entscheide der Vorgängergeneration, das hohe Bildungsniveau genauso wie das duale Bildungssystem (für Burkart «ein Exportschlager»), positive Tugenden wie Fleiss, Ehrlichkeit, Bescheidenheit, ein gutes Rechtssystem sowie «noch einigermassen liberale Rahmenbedingungen». Für Burkart befindet sich die EU aktuell in der schwierigsten Situation ihrer Geschichte. Als Beleg dafür nannte er den Brexit, das Nord-Süd-Gefälle sowie die enorme Schuldenkrise. Der FDP-Präsident folgerte daraus: «Die Schweiz muss ein eigenständiger Kleinstaat bleiben, mit vielen Doppelbesteuerungs- und Freihandelsabkommen, aber souverän in seinen Entscheidungen.»

Christoph Blocher (81), der «aus Sympathie zum abtretenden Präsidenten nach Lupfig reiste», kam in seiner kurzen, gewohnt charismatischen Rede auf die Stromversorgung  zu sprechen. Forschungs- und Bauverbote bei der Kernenergie sind für ihn falsch. Blocher glaubt: «Jetzt wäre der Moment günstig, um das Gesetz zu ändern.» Ein gemeinsamer parlamentarischer Vorstoss von FDP und SVP würde den SVP-Doyen freuen.

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