Stadtfest-Foto ging um die Welt

Ein Bild vom Riesenrad am Brugger Stadtfest 1984 wurde weltweit veröffentlicht. Es war der Karrierebeginn des Fotografen Karl-Heinz Hug.

Das Bild vom Brugger Riesenrad im Jahr 1984
Das Bild vom Brugger Riesenrad im Jahr 1984 (Bild: Karl-Heinz Hug)

von
Hans-Peter Widmer

07. August 2019
17:00

Für ein solches Sujet muss man ein Auge haben und den richtigen Moment erwischen. Beides glückte vor 35 Jahren, am Stadtfest 1984, dem frisch ausgelernten 21-jährigen Fotografen Karl-Heinz «Charly» Hug. Der Spross des damaligen Brugger Taxi-Unternehmens Hug sah in der Dämmerung das beleuchtete Riesenrad auf der Freudensteinwiese, das sich wie ein gewaltiger Leuchtschirm hinter einer Hausfassade aufspannte – und drückte ab. Das auf einem Schwarz-Weiss-Film festgehaltene Bild – die Digitalfotografie existierte noch nicht – schickte er der Agentur Keystone Press. Sie erkannte die Faszination des Motivs und verbreitete es im internationalen Dienst.

Und siehe da, die Aufnahme ging um die Welt! Die «Lancaster Eagle-Gazette» in Ohio druckte das Featurebild aus «Brugg by Zurich» ebenso ab wie «The Cumberland News» in England. Drei Jahre danach erinnerte sich der Keystone-Chef an den Stadtfest-Schnappschuss und bot dem Urheber den Posten des Keystone-Reuters-Chef-Fotografen in Bern an. Für Charly Hug war es der frühe Durchbruch zu einer eindrücklichen Karriere. Er feiert dieses Jahr seine 30-jährige Akkreditierung im Bundeshaus.    

 

Dramatischer Berufsentscheid

Eigentlich war angedacht, dass Karl-Heinz Hug nach der Sekundarschule bei Lehrer Martin Nüesch eine kaufmännische Ausbildung machen und als Nachzügler – die vier älteren Geschwister zeigten kein Interesse – vielleicht eines Tages den Taxibetrieb am Bahnhof Brugg weiterführen könnte. Kurz vor dem definitiven Berufsentscheid begleitete der 16-Jährige im Juli 1979 die Eltern zu einem Segeltörn ins dänische Esbjerg. Dort wollte der Vater seine neue  Yacht «Torna da me» («Komm zu mir zurück») übernehmen.

Am ersten Abend eröffnete Charly den Eltern, dass er nicht kaufmännischer Angestellter und später Taxihalter, sondern Fotograf – nichts anderes als Fotograf – werden möchte. Adrian und Ruth Hug akzeptierten seinen Wunsch. Doch der Vater starb am nächsten Tag. Er ertrank zwischen  Schiff und Hafenmauer. Seine Asche sollte mit der «Torna da me» im Schlepptau auf dem Meer zerstreut werden. Dabei explodierte das Schiff  aus ungeklärten Gründen und versank. Die Deutung: «Komm zu mir zurück» erfüllte sich auf mystische Weise.

Karl-Heinz Hug
Karl-Heinz Hug (Bild: zVg | W. Rudolf Egli)

 

Mit Fotografen-Virus geimpft

Karl-Heinz Hug machte die dreijährige Lehre bei Max Gessler in Brugg. Besseres konnte ihm nicht passieren. Im führenden Studio wurde er gründlich in die anspruchsvolle Bildkunst eingeführt und nach dem Credo seines Lehrmeisters: «Fotograf ist kein Beruf, sondern ein Zivilstand», mit der Leidenschaft für das Metier geimpft. Nach dem Lehrabschluss bewarb er sich mit 37 weiteren Anwärtern als Werkfotograf bei der BBC in Baden. Diese Aufgabe betrachte er als Chance, um nicht bei der Passfotografie stehen bleiben zu müssen, schrieb er selbstbewusst in der Bewerbung. Er bekam den Job und reiste vom ersten Tag an zu Auftragsorten des Konzerns in aller Welt.

Zwei Jahre später wechselte er zu Keystone Press und Reuters, wo er an Brennpunkte des aktuellen Geschehens im In- und Ausland geschickt wurde – wie schon während der «Stifti» als lokaler Fotograf für das «Brugger Tagblatt», aber jetzt in der «Champions League». Mit seiner Arbeit fiel er dem Ringier Konzern auf. Die nächsten Stationen waren der «Sonntagsblick» und die «Schweizer Illustrierte». Er lieferte unter anderem Kriegsbilder vom Balkan, die auch in internationalen Zeitungen, wie El Pais in Spanien, veröffentlicht wurden. Seine Reputation trug ihm danach die Foto-Chef-Funktion beim neuen Magazin «Landliebe» ein. 

  

Im Bundesratsjet unterwegs

Die Akkreditierung als Bundeshaus­fotograf – mittlerweile ist er der Doyen der Gilde – verschaffte ihm einen unmittelbaren Einblick in den nationalen Politbetrieb sowie in das Kommen und Gehen der Protagonisten. Hug wurde mit der ersten offiziellen Foto der Landesregierung beauftragt. Wiederholt war er mit Bundesräten unterwegs, gelegentlich auch im Bundesratsjet ins Ausland. Und er fotografierte Bundespräsidenten für Porträt-Geschichten an Lieblingsorten, etwa Adolf Ogi in Kandersteg oder jüngst Ueli Maurer auf dem Balkon seines Büros. 

Unter der Bundeshauskuppel hielt er feierliche Momente wie Vereidigungen und Staatsempfänge fest, aber auch dramatische Szenen wie den Rücktritt von Elisabeth Kopp und die Abwahl der Bundesräte Ruth Metzler und Christoph Blocher. Er lichtete Joseph Deiss, den früheren Bundesrat und späteren Präsidenten der Uno-Vollversammlung, in New York ab, Bill Clinton am WEF in Davos, Michael Gorbatschow im Kreml, Yassir Arafat in Genf, Margaret Thatcher und den jordanischen König in Bern. 2004 gewann er den nationalen Wettbewerb für die beste aktuelle Foto des Jahres. 

 

Das geschulte Fotografenauge

Heute ist Karl-Heinz Hug als selbständig erwerbender, international tätiger Fotograf für Unternehmen und Magazine tätig. Seine Spezialgebiete sind Geschäftsberichte, Buchproduktionen, Reportagefotografie, Food- und Tieraufnahmen. Er lebt im Kanton Freiburg und teilt seine grosszügige Mietwohnung seit der Scheidung vor zwei Jahren mit der Hundedame LyliBelle. Eigene Bilder von beachtenswerter Qualität schmücken die Wände, denn mit seinem für Licht, Proportionen und Dimensionen geschulten «Fotografenauge» fühlte er sich eine Zeitlang auch der Malerei zugetan.

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