Stadtgeschichte hautnah erleben

Schulklassen der Kantonsschule Baden führen ein einzigartiges Projekt durch: In «Twistory» schreiben sie Badens Geschichte neu.

Zeitzeugen bei der Vernissage: Ein Telefon aus dem frühen 20. Jahrhundert. (Bild: zVg | Historisches Museum Baden)

von
Meyer, Simone

22. Juni 2022
15:58

Der Begriff Twistory ist eine Wortschöpfung aus «Twitter» und «History» – und der Name ist Programm. Das Projekt der Kantonsschule Baden ist in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Baden sowie dem Historischen Museum Baden entstanden. Schülerinnen und Schüler schlossen sich zu Gruppen zusammen und durften sich aus der Sammlung des Historischen Museums, in dem über 12 000 Objekte aufbewahrt sind, ein beliebiges Objekt für ihre Recherche auswählen. «Es war wunderbar», berichtet Ariane Knüsel. Die Geschichtslehrerin der Kanti Baden ist Initiatorin von Twistory. Die Schülerinnen und Schüler durften sogar in einer Führung das Depot besichtigen. Im Stadtarchiv konnte Frau Knüsel zudem über tausend Dokumente zur Badener Geschichte für das Projekt lesen und fotografieren.


Blogeinträge zu den Objekten
In einem nächsten Schritt verfasste jede Gruppe zu dem von ihr gewählten Objekt oder Dokument eine historische Arbeit. Ziel der Arbeit war es, die Objekte in ihren jeweiligen historischen Kontext einzubetten und dadurch zugänglich zu machen. Da die Museumsobjekte eine starke Verbindung zu Baden aufweisen, ermöglicht jede dieser Arbeiten einen kleinen Blick in die Vergangenheit der Stadt.

Ausgehend von den historischen Arbeiten, verfassten die Schülerinnen und Schüler zudem Blogeinträge zu ihren Objekten, die ab dem 6. Juni 2022 in den sozialen Medien und auf der Website der Kantonsschule Baden veröffentlicht werden. «Dadurch entsteht eine virtuelle Timeline zur Geschichte Badens, die künftig jährlich durch weitere Quellen und Blogs von Schülerinnen und Schülern erweitert werden wird», meint Ariane Knüsel. Bei dem Projekt handelt es sich um das erste seiner Art in der Schweiz. Am 8. Juni fand im Historischen Museum Baden die Auftaktveranstaltung von Twistory statt.
 

Aus einer Kautschukmischung gefertigt: Stöpsel aus dem Jahr 1920. (Bild: sim)


Das Velo des Hoteliers
Unter den Objekten, die dieses Jahr ausgewählt wurden sind ein Fahrrad des Badener Hoteliers Bruno Saft aus dem Jahr 1864,  eine Glasflasche von «Müller Bräu» von 1923, ein Stöpsel von 1920, ein Damenhut aus dem späten 19. Jahrhundert, eine Nähmaschine der Firma Pfaff, die zwischen 1905 und 1925 hergestellt wurde, sowie ein Poster für die Badenfahrt 1937.

Zum besten Beitrag des Jahres gekürt – und dafür mit einem Artikel in den Badener Neujahrsblättern belohnt – wurde die Arbeit zur Textquelle «Maßregeln bei Choleragefahr» aus dem Jahr 1884. «Das Schwierigste an der Arbeit war, Literatur zu finden, die über die genaue Situation in Baden Auskunft gab», erklärt eine Schülerin, die sich mit dieser Textquelle beschäftigt hatte. Die Arbeit zeigt auf, welche Auswirkungen das vermehrte Auftreten von Cholerafällen in Baden auf das Leben in der Stadt hatte. «Zuvor hat man seine Notdurft direkt in dafür vorgesehenen offenen Gräben entsorgt. Mit dem Auftreten der Cholera hat man zu verschliessbaren Behälter gewechselt, was eine kontrollierte Entsorgung ermöglichte.»


Für die ganze Schweiz
«Ein erfolgreicher Anfang ist geschafft», resümiert Michael Laufer, der das Projekt für die Kantonsschule Baden mit betreut hat, die Auftaktveranstaltung. Gemeinsam mit Ariane Knüsel hofft er, dass Twistory in den kommenden Jahren wachsen wird und vielleicht bald schon andere Kantonsschulen dem Beispiel folgen werden, um so die Geschichte nicht nur in Baden, sondern in der ganzen Schweiz zugänglich und erlebbar zu machen.


kanti-baden.ch/twistory

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