Startschuss für Millionenprojekt

Mit einem «zünftigen» Spatenstich ist der Bau für den öffentlichen Teil der Zentrumsüberbauung in Angriff genommen worden.

Marlène Koller übernimmt das Kommando über einen Bagger. (Bild: bkrs)

07. Juli 2021
14:21

Das Elf-Uhr-Läuten der Kirchenglocken, das wie bestellt am Beginn des Spatenstichs für die Untersiggenthaler Mehrzweck- und die Dreifachturnhalle stand, war Frau Gemeindeammann Marlène Koller ein gutes Zeichen für das Gelingen des Bauvorhabens. Dass Termine und Kosten eingehalten werden, ist auch für sie wichtig, noch wichtiger aber, dass die Bauarbeiten unfallfrei verlaufen. In ihrer Rede skizzierte sie die Vorgeschichte – die verschiedenen Hürden und Etappen, welche das Projekt zu nehmen hatte. 32 Millionen Franken sind eine beachtliche Summe, welche die Gemeindeversammlung im November 2019 zusammen mit dem Projekt bewilligt hat. Die Ortsbürgergemeinde steuert aus ihrer Kasse fünf Millionen Franken an die Kosten bei.


Zwei Grossvorhaben

Zum Mammutprojekt wird die Zentrumsüberbauung, weil sie aus zwei Grossvorhaben besteht. Direkt neben der neuen Mehrzweckhalle sowie einer Dreifach-Turnhalle, befindet sich eine mit einem Investitionsvolumen von 40 Millionen Franken budgetierte private Wohn- und Gewerbeüberbauung in der Bewilligungsphase. Sie wird 72 Wohnungen, einen Migros-Supermarkt sowie weitere Laden- und Gewerbeflächen beherbergen. Gerne hätte man den Baustart der beiden Vorhaben zusammengelegt. Das geht nicht, weil eine Einwendung (früher Einsprache genannt), die zur Beurteilung an den Kanton weitergezogen wurde, das Bewilligungsverfahren blockiert. Übrigens: Das Land für die private Überbauung befindet sich weiterhin im Eigentum der Gemeinde. Jährliche Baurechtszinsen von 410 000 Franken helfen, die Betriebskosten des öffentlichen Teils zu tragen.

Daniel Zehnder ist Bauexperte und Berater der Gemeinde Untersiggenthal. Er vertritt die Interessen der Bauherrin gegenüber den Unternehmern. Selbstverständlich ist auch Bauverwalter Pius Murmann involviert. Da er aber im Frühling in Pension geht, hat der Gemeinderat Verwaltungsleiter Stephan Abegg als internen Projektleiter eingesetzt. Zehnder fragte sich in seiner Grussadresse, weshalb sich die Gemeinde gerade jetzt ein städtebauliches Zentrum – zu ihm gehört auch ein Dorfplatz mit offenem Pavillon – leistet. Er blendete auf der Suche nach der Antwort weit zurück und stellte fest, dass das Dorf Untersiggenthal in seiner Geschichte oft in Brand gesetzt wurde. Die Täter? Die alten Eidgenossen, aber auch Napoleons Besatzungstruppen. Zu Wohlstand kam die Gemeinde erst mit der Industrialisierung (Stoppel-Areal), was sich dank Standortglück und reger Bautätigkeit fortgesetzt hat.


Beton und Holz

Zurück zu den Ortsbürgerinnen und -bürgern. Sie sind es, die dafür sorgen, dass die Fassaden mit Weisstanne vom Siggenberg ausgeführt werden und die Mehrzweckhalle einen Eichenboden bekommt. Für diesen wurden die Eichen in der letzten Schlagsaison ebenfalls am Siggenberg gefällt – das Holz muss für die weitere Verarbeitung rund zwei Jahre lang trocknen. Diese Hölzer verwenden zu dürfen, freut Architekt Nathanaël Chollet vom Zürcher Büro NYX. Er hatte mit seinem Team den Projekt-Wettbewerb gewonnen und liebt den schnörkellosen Kontrast von Beton und Holz.

Im Anschluss an den Spatenstich per Hand – ausgeführt von Frau Gemeindeammann Marlène Koller in Zusammenarbeit mit ihren Gemeinderatskollegen sowie Männern aus der Verwaltung und der beauftragten Firmen – überredete Bauunternehmer Markus Birchmeier (seine Firma hat den Zuschlag für Aushub- und Baumeisterarbeiten bekommen) die Politikerin, das Kommando eines Baggers zu übernehmen. Koller und Birchmeier hatten bereits 2003 exakt auf dieser Wiese ein Treffen. Sie war OK-Präsidentin des kantonalen Schwingfests – er damals ein Spitzenschwinger.

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