Steine haben es ihm angetan

Als Geologe ist Konrad Zehnder spezialisiert auf Natursteine an Bauwerken. Er leitet zu diesem Thema auch Führungen in Altstädten.

Konrad Zehnder am Eingang zur Altstadt beim Archivturm, auch Bollwerkli (Baujahr 1554) genannt
Konrad Zehnder am Eingang zur Altstadt beim Archivturm, auch Bollwerkli (Baujahr 1554) genannt (Bild: sha)

von
Stefan Haller

11. April 2019
09:00

Konrad Zehnder verbrachte als Sohn eines Oberförsters in seiner Jugend viel Zeit im Wald. Dort hatten es ihm aber weniger die Bäume als die Höhlen angetan. «Als Bub vermass ich die Sandsteinhöhle am Bruggerberg, nachdem sie mir der Vater gezeigt hatte», erzählt er. Es entstand der Berufswunsch Geologe, dem später das entsprechende Studium an der ETH Zürich folgte. Nach seiner Dissertation zum Thema «Verwitterung von Molassesandsteinen an Bauwerken und Naturaufschlüssen» war Zehnder ab 1982 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Denkmalpflege der ETH tätig und wirkte bis zur Pensionierung als Leiter der Forschungsstelle Technologie und Konservierung ebenda

Im Laufe seines Berufslebens lernte er Hunderte von historischen Bauwerken in der Schweiz kennen. Und diese hatten auch mit Schäden zu kämpfen: «In den 1980er-Jahren traten Probleme mit Wandmalereien in mittelalterlichen Kirchen auf, als man begann diese zu beheizen», erklärt Zehnder. Denn durch die Wärme traten Salze aus, welche Putz und Mörtel und so die Malereien beschädigten. Solche Probleme gab es auch im Brugger Salzhaus – über diese verfasste er einst einen Artikel in den «Brugger Neujahrsblättern».

 

Buchautor und «Steinführer»

Nach der Pensionierung startete der Brugger das Buchprojekt «Steine Berns», das er zusammen mit Toni Labhart erarbeitete. Dieser Führer erklärt bis zu 110 Stationen, Bauwerke und Monumente in der Zähringerstadt. In Zürich und in Brugg leitet Zehnder zudem öffentliche Führungen. Die nächste in der Prophetenstadt findet unter der Ägide von Brugg Regio am 22. Juni zum Thema «Steine in Brugg» statt. Ein Buch zu diesem Thema sei aber nicht in Vorbereitung, wenngleich auch die hiesigen Steine viel zu erzählen haben, wie Zehnder erklärt. Anhand der Reste der Befestigungsmauer von Brugg aus dem Hochmittelalter lasse sich feststellen, dass die Steine dazu aus dem Freudensteinwäldchen – es war einst ein Steinbruch – stammen.

Noch älter ist der untere Teil des Schwarzen Turms, der aus römischen Bauwerken aus Vindonissa stammt. Die Römer hatten diese zuvor im Steinbruch Eckwil geholt, es handelt sich um den bekannten «Mägenwiler Muschelkalk». Die Brunnenmühle wiederum sei etwa auf Kalktuff gebaut, weiss Konrad Zehnder. Zusammenfassend lasse sich sagen, dass mit zunehmenden Transportmöglichkeiten und finanziellen Mitteln die Steine für Bauwerke wie Häuser oder Brunnen von immer weiter her herangeschafft wurden. 

 

Verbunden mit der Altstadt

Verbunden mit den Brugger Altstadthäusern fühlt sich Konrad Zehnder nicht nur, weil er an der Unteren Hofstatt selbst eines besitzt; dieses war von seinem Grossvater einst erworben worden. Auch als Präsident des Quartiervereins Altstadt organisierte er während der letzten 13 Jahre immer wieder Kurse für Hausbesitzer, denn diese bräuchten oft Beratung, ist er überzeugt. «Es ist heutzutage oft ein Kunststück, wenn man in der Altstadt etwas renovieren möchte.» Es bräuchte etwas mehr Mut, auch seitens des Kantons, denn dieser habe zu viele Vorschriften erlassen. Auch mit dem Vorgehen der Stadt ist Zehnder nicht immer glücklich. «In Brugg vermisse ich eine gewisse Liebe oder besser einen gewissen Stolz für das baukulturelle Erbe. Es überwiegt die liberale Haltung.» Zehnder ist ein erklärter Gegner des geplanten Abbruchs der historischen Häuserzeile mit alter Schmitte, Müller-Haus und Kupper-Haus für die geplante neue Stadtverwaltung.

 

Rücktritt als QVA-Präsident

Zehnder tritt aber nicht etwa aus Frust gegen Stadtrat oder -verwaltung als QVA-Präsident zurück. «Generell lässt sich sagen, dass sich das Klima zwischen Behörden und Altstadtbewohnern verbessert hat», hält er fest. Das Wichtigste sei, dass heute wieder eher eine Willkommens-Kultur für Neuzuzüger und auch Kundschaft der Läden herrsche. Den Quartierverein mit konstant rund 100 Mitgliedern betrachtet der abtretende Präsident als «gut aufgestellt im personellen Bereich». «Die Altstadt ist ein lebendiger Organismus, der sich stetig mausert. Alte Federn fallen ab, neue wachsen nach. Ich sehe gute Ansätze, die in eine neue Richtung gehen.» Was Zehnder nicht gerne hört, sind Aussagen über die «tote, ausgestorbene Altstadt». Der Boom in den Nachkriegsjahren lasse sich nicht auf die Neuzeit übertragen. Zudem habe es damals noch keinen Neumarkt und keine Einkaufsmöglichkeiten im Internet gegeben. Auch viele Geschäfte ausserhalb der Altstadt kämpfen mit dem Wandel, ist er überzeugt. Schade findet er hingegen, dass weniger Familien mit Kindern in den Altstadthäusern leben. 

Die Gründe für seinen Rücktritt als QVA-Präsident liegen im Privaten, erklärt der just am 29. März 70 Jahre
alt gewordene Zehnder. «Ich brauche Luft für etwas anderes.» Künftig wird er mehr in den geliebten Bergen anzutreffen sein. Seine Frau arbeitet als Psychologin in einer Klinik in Lavin,  weshalb auch er mehr Zeit im Unterengadin verbringen will. 

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