Stilecht mit Wetten und Gästesofa

«Wetten Brass …?» in Untersiggenthal entpuppte sich als mitreissende Show mit Hits von Weltstars und spannenden Wetten.

Chocolatier Fabian Rimann aus Wettingen mit seinem Riesenosterhasen
Chocolatier Fabian Rimann aus Wettingen mit seinem Riesenosterhasen (Bilder: ub)

von
Ursula Burgherr

29. März 2018
09:00

«Wer nichts Neues riskiert, wird verlieren», meint Flavio Killer, der die zur Spielgemeinschaft zusammengeschlossenen Vereine Musikgesellschaft Untersiggenthal und Badenia Baden seit sechs Jahren leitet. Es sei schwierig, mit einem konservativen Unterhaltungsabend noch Leute anzulocken. Deshalb wurde vor vier Jahren per Publikumsvoting entschieden, dass das Jahreskonzert künftig unter dem Label «bsteck & musig» stattfinden solle. «Es steht symbolisch dafür, dass man bei uns gut verpflegt wird und tolle Unterhaltung geniessen kann», sagt Killer dazu. 2017 stand «bsteck & musig» unter dem Motto Schottland. Als Gäste traten Dudelsackspieler auf. Es gab eine Whiskeybar und sogar der Moderator stammte von der britischen Insel. Dieses Jahr wurde das einstige Fernsehquiz-Flaggschiff «Wetten dass …?» zum Thema des Abends erkoren und mutierte passend zur Musik der 32-köpfigen Brassband-Formation zu «Wetten Brass …?». Stadtbistro-Isebähnli-Wirt Jean-Michel Vionnet, kredenzte den Gästen in der Mehrzweckhalle Untersiggenthal im Vorfeld der Show ein Rieslingschaum-Süppchen, mediterrane Pouletbrust und Zucchetti-Piccata. Die Vorstellung war restlos ausverkauft. 

  • Es gab viel zu lachen bei der «Wein-Wette» von Daniel Cortellini (links die Publikumskandidaten und rechts Moderatorin Bettina Bestgen und Erfinder Stefan Heuss)
    Es gab viel zu lachen bei der «Wein-Wette» von Daniel Cortellini (links die Publikumskandidaten und rechts Moderatorin Bettina Bestgen und Erfinder Stefan Heuss)

Der Anfang mit einem ABBA-Medley der Jugendband Siggenthal gestaltete sich noch etwas zaghaft. Aber wer klein anfängt, kann einmal gross rauskommen! Dann ging es aber los, mit «Wetten Brass …?» – stilecht mit Gästesofa und einer Schale Gummibärchen in der Mitte. Bettina Bestgen, Moderatorin bei Virus und Macherin der SRF-3-Webserie «Inked», führte fast so schlagfertig durch den Abend wie einst Thomas Gottschalk. Unter den illustren Wettkandidaten war beispielsweise Fabian Rimann, Chocolatier aus Wettingen. Er wettete, den grössten stehenden Schokoladenosterhasen der Schweiz kreieren zu können. Das fast 200 Kilo schwere Gebilde hatte er mit seinem Team in aufwendiger Vorarbeit gegossen und vor Ort hinter einem Vorhang aufgebaut. Um die Spannung beim ahnungslosen Publikum hochzuhalten, wurde der Herstellungsprozess etappenweise auf Grossbildschirmen eingespielt. Bis zum Schluss war für die Zuschauer nicht klar, ob Rimann es wirklich schaffen würde oder nicht. Ebenfalls wie in der Originalsendung gab es zwischen jeder Wette musikalische Acts von Weltstars. Sie standen zwar nicht persönlich auf der Bühne. Aber die Musikgesellschaft Untersiggenthal machte Tina Turner, Elton John, Toto, Robbie Williams und Konsorten mit den raffiniert arrangierten und fulminant gespielten Versionen ihrer grössten Hits alle Ehre. Der Untersiggenthaler Kranzschwinger Christoph Bieri war für die Saalwette zuständig. Dafür stellte der aus «Giacobbo/Müller» bekannte Erfinder Stefan Heuss drei seiner abstrusen Neuschöpfungen vor. Zum Beispiel ein Hartscha­lengehäuse fürs Smartphone aus Salzteig. Kraftpaket Bieri musste nun zehn Leute 
in Untersiggenthal mit ebensolchem Innovationsgeist ausfindig machen, was er schlussendlich nicht ganz schaffte. 

Weinfachmann Daniel «Corti» Cortellini aus Baden wettete, dass er Markus, Sandra und Stefan aus dem Publikum per Blindverkostung innert 10 Minuten zu absoluten Kennern mit entsprechender Wein-Ansprache machen könne. Und er lag damit richtig. Es gab viel zu lachen und zu erfahren über die regionalen Persönlichkeiten.  So zum Beispiel, dass Rimann praktisch jeden Tag 150 Gramm Schokolade isst. Oder Corti früher Banker war, und zum Wein kam, weil er etwas Sinnvolles machen wollte, statt immer nur Geld zu zählen. Als Höhepunkt wurde zum Schluss Rimans Riesenosterhase enthüllt. Er hatte zwar die Zielhöhe erreicht, konnte aber «aufgrund der hohen Raumtemperaturen» nur in liegender Position präsentiert werden. Weil er seine Wette knapp verfehlt hatte, spendierte Rimann das süsse Gebilde für die Tombola-Gewinner. Schwinger Bieri zerlegte es – ebenfalls als Wetteinsatz – vor den Augen des staunenden Publikums. 

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