Stimmbürger lassen FC jubeln

114 Stimmbürger gaben bei der Sommergmeind Turgi in der Mehrzweckhalle Gut vergangene Woche grünes Licht für den Zusatzkredit.

Ein Spalier aus FC-Turgi-Junioren empfängt die Stimmbürger vor der Mehrzweckhalle Gut (Bild: wag)

von
Hans Christof Wagner

11. Juni 2019
16:10

Traktandum sechs der Traktandenliste war sicher das brisanteste und spannendste. Schon vor der Halle hatte die FC-Turgi-Jugend einen Spalier gebildet und den ankommenden Stimmbürgern lautstark Info-Flyer in die Hände gedrückt, auf denen alle Argumente für ein Ja nochmals zusammengefasst waren. Für Turgis Gemeindeammann Adrian Schoop eine schöne Geste. «Der FC Turgi ist wichtig für unsere Gemeinde. Das hat die Aktion eindrücklich bewiesen.» Der neue Sportplatz sei ein Generationenprojekt, das Turgi «ein schönes Gesicht» verleihe, sagte er zur Begrüs­sung der Stimmbürger. Diese und die zahlreichen Gäste des Fussballclubs, aus Vorstand und den Reihen der Mitglieder – mussten aber bis zum Schluss ausharren. Denn die Sportplatz-Abstimmung stand auf der Traktandenliste ganz am Schluss. 

  

822'000 Franken keine Kleinigkeit

Auch hier ergriff zuerst Schoop das Wort. Verwies auf die lange, rund 30-jährige Vorgeschichte des Vorhabens und die Arbeit, die vor allem seit dem vergangenen Jahr dafür in diversen Kommissionen aufgewendet worden sei. «822'000 Franken sind keine Kleinigkeit, aber der Gemeinderat will, kann und muss die Kosten tragen», betonte Schoop. Turgi wolle sich den Platz leisten, auch aus Respekt vor dem, was der FC für das Dorf leiste – für die Jugend, die Integration und das soziale Leben. 

  

Alles marode

Im Detail war es Gemeinderat Daniel Lienammer vorbehalten, dem Souverän aufzuzeigen, warum der FC Turgi ohne den neuen Platz nicht fortexistieren kann. Das ist vor allem der mangelhaften Infrastruktur der bestehenden FC-Anlagen geschuldet, dem Fussballplatz Steig und dem Trainingsplatz Unterau. Die Gebäude dort seien schon fast baufällig, führte Lienammer aus: undichte Dächer und Fenster, marode Heizungen und Duschen, zu wenige Plätze und Garderoben – und das alles angesichts steigender Mitgliederzahlen, vor allem im Junioren-Bereich. 

  

Total fast 4,5 Millionen Franken

2008 hatten noch Baukosten von insgesamt knapp drei Millionen Franken im Raum gestanden, von denen die Gemeinden Turgi, Untersiggenthal und Gebenstorf 1,7 Millionen Franken übernehmen wollten. Die restlichen 1,3 Millionen hätten durch ein Darlehen Turgis an den FC, durch Sport-Toto-Mittel und durch Eigenleistungen des Clubs gestemmt werden sollen. Doch schon ein Jahr später, 2009, waren die Baukosten auf 3,27 Millionen Franken angestiegen. Und jetzt, nach weiteren zehn Jahren, ist von total fast 4,5 Millionen Franken die Rede, nochmals 1,2 Millionen mehr. Lienammer führte die zahlreichen Einwendungen, höhere gesetzliche Anforderungen, die allgemeine Teuerung und gestiegene technische Standards als Gründe ins Feld. 822'000 Franken der insgesamt 1,2 Millionen seien begründete Mehrkosten, für die der FC nichts könne. «Aus Sicht des Gemeinderates können diese dem FC Turgi nicht auch noch aufgebürdet werden. Die muss die Gemeinde übernehmen», sagte Lienammer. Schliesslich trage der FC schon 358'000 Franken der Zusatzkosten selbst. Dass es dann ein weiteres Mal deutlich teurer werden könnte, schloss Lienammer aus: «90 Prozent der Zusatzkosten sind schon verifiziert», betonte er.

 

Untersiggenthal und Gebenstorf zahlen nicht mehr 

Schon im Vorfeld der Einwohnergemeindeversammlung vom Freitag hatte der Gemeinderat am 28. Mai zu einer Infoveranstaltung zum Oberau-Projekt eingeladen. Und war dort von der grundsätzlich positiven Stimmung angetan. So gab es auch in der Gmeind zwar einige Wortmeldungen, doch keine davon war ablehnender Natur. Warum nur Turgi die Mehrkosten übernehme, nicht aber auch Untersiggenthal und Gebenstorf – Gemeinden, aus denen doch das Gros der Spieler stamme – war Thema. Aus Untersiggenthal seien die meisten Einwendungen gekommen, erinnerte Gemeindeammann Schoop. Daher habe man das Projekt nicht nochmals von einem Votum aus dieser Gemeinde abhängig machen wollen. Turgi trage die Mehrkosten alleine, könne dafür aber auch den Erlös aus dem Verkauf des Steig-Areals, das mit dem Neubau nicht mehr gebraucht werde, für sich allein behalten – laut Schoop ein Vielfaches dessen, was jetzt ausgegeben wird. Die Mehrkosten für den neuen Sportplatz könnten so mehr als refinanziert werden.

  

Beruhigt Jubiläum feiern 

So viele Pro-Argumente hätte es vermutlich gar nicht gebraucht. Denn als es zur Abstimmung kam, war das Votum bis auf eine Enthaltung einstimmig. Beim FC Turgi war die Erleichterung gross. Allenthalben hörte man Mitglieder, Funktionäre und Vorstandsmitglieder sich gegenseitig beglückwünschen. Jetzt, so der Tenor, könne man beruhigt das 100-Jahr-Jubiläum feiern.

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