Streitereien führten zur Trennung

Vor 200 Jahren wurde Ennetbaden von der Stadt Baden getrennt. Warum es dazu kam, erklärt Silvia Hochstrasser in ihrer neuen Stadtführung.

Die Teilnehmer lauschen den Ausführungen von Silvia Hochstrasser (Bild: pg)

von
Peter Graf

20. März 2019
15:20

Ab dem Hochmittelalter ist die Geschichte Ennetbadens eng mit jener der Stadt Baden und der Badener Bäder verbunden. Bis 1819 war Ennetbaden keine eigene Gemeinde, sondern in einem eigenartigen Verhältnis Teil der Stadt Baden. Wie es zur Trennung kam, konnten die rund 25 Teilnehmer der ersten themenbezogenen Führung von Silvia Hochstrasser erfahren. Gestartet wurde bei der 1809 gebauten, gedeckten Holzbrücke. Gemäss der Stadtführerin waren die Streitigkeiten zwischen den beiden Parteien Hauptgrund für die Trennung. Als die Ennetbadener die Zahlung der Polizeisteuer verweigerten, stellte der Stadtrat im Januar 1817 beim Kanton den Antrag, den Stadtteil abzutrennen und daraus eine eigene Gemeinde zu bilden. In der Folge erliess die Kantonsregierung ein entsprechendes Dekret, welches nach der Zustimmung des Gros­sen Rates am 22. Dezember 1819 in Kraft trat. 

 

Keine eigene Holzbrücke

Die Forderung der Ennetbadener Badewirte Daniel Mäder vom «Hirschen», Josef Herzog vom «Sternen» und Baptist Herzog von der «Rebe» nach einer weiteren gedeckten Holzbrücke für Fuhrwerke und Kutschen fand mangels Bauholz und Geld beim Stadtrat kein Gehör. Erst 1869 wurde der Bau der «Schiefen Brücke», wo vorher ein Steg über die Limmat führte, in Angriff genommen.

Eine enge Bindung an Baden blieb in kirchlicher Hinsicht auch nach der Trennung bestehen. Als 1874 das Bestattungswesen durch die revidierte Bundesverfassung den politischen Gemeinden zugewiesen wurde, brach ein neuer Streit aus. Baden wollte nicht mehr zulassen, dass die Ennetbadener Leichenzüge während der Badesaison die von Kurgästen frequentierten Strassen benützten. Da sich die steilen Hänge von Ennetbaden nicht zur Anlage eines Friedhofs eigneten, winkte der Regierungsrat ab. Auf Drängen der Stadt, so Hochstrasser, musste sich Ennetbaden trotz mangelnden Finanzen mit dem Bau einer Schule befassen. Im Dezember 1824 konnte das grösstenteils in Fronarbeit erbaute Schulhaus bezogen werden.

 

Hanf aus Ennetbaden

Dank der Wasserkraftnutzung brachten nach 1833 die ersten Industrien Betrieb an die Limmat. Es entstanden industrielle Einrichtungen, die über Wasserräder, Transmissionen und Lederriemen die Energie des Flusses nutzten. Was anfänglich als Tabakstampfe und Schleife realisiert wurde, baute der Ennetbadener Maurermeister Johann Baptist Herzog ab 1853 in eine Färberei samt Walke um. Hier an der Limmat wurden auch die ersten Fahrräder der Marke «Badenia» gebaut, und kurze Zeit später entstand auch das erste Badener «Kinomatographen-Theater». Auf alten Karten ist das flache Ufer als Hanffeld eingetragen. Hanf zählt zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt und findet zur Herstellung von Rauschmitteln Verwendung. Er war auch der wichtigste Rohstoff für die erste Papierproduktion. 

Zum Abschluss der kurzweiligen Führung vor dem geschmackvoll renovierten «Schwanen» berichtete Silvia Hochstrasser noch viel Wissenswertes, so auch zur Entstehung des «Mercier-Steges». 

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