«Timing ist in der Politik wichtig»

Dieter Egli kandidiert für den Regierungsrat. «Einer für alle», so lautet seine Vision. Privat beschreibt sich der Windischer eher als Einzelgänger.

Holt sich immer wieder die nötige Distanz zur Politik: Dieter Egli, hier am Hansfluhsteig in Brugg. (Bild: zVg)

07. Oktober 2020
12:26

Das Gespräch mit SP-Regierungsratskandidat Dieter Egli findet am 27. September statt. Es ist Abstimmungstag. Das neue Energiegesetz wurde im Kanton Aargau abgeschmettert. Befürworter Egli ist enttäuscht. «Wir müssen uns bei der Klimapolitik unbedingt einigen, um weiterzukommen. Dieses Resultat wirft uns um Jahre zurück», meint der 50-Jährige. Er spricht leise, gibt sich zurückhaltend. Aber hinter seiner Brille blitzen die Augen wach, interessiert und manchmal ein wenig schalkhaft hervor. Er sei nicht der Typ, der gleich auf den Tisch haue. Geschweige denn ein «Polteri». «Ich tendiere eher zu einem moderaten Ton, wenn ich meine Ziele durchbringen will. Aber ich bin hartnäckig, geduldig und warte den richtigen Zeitpunkt ab. Timing ist in der Politik sehr wichtig.»

Dass frischgebackene Väter im Aargau künftig zehn Tage Vaterschaftsurlaub erhalten, ist ganz in seinem Sinn. Obwohl er selber keine Familie hat. «Privat bin ich ein Einzelgänger», gesteht er.


Lösungsorientiert und selbstkritisch
Wenn er sich am 18. Oktober als Nachfolger von Urs Hofmann zum SP-Regierungsrat aufstellt, sieht er aufgrund der Corona-Krise vor allem wirtschaftspolitische Herausforderungen auf sich zukommen. «Unternehmen werden zwar finanziell unterstützt, aber langfristig geht es darum, dass Menschen weiterhin Arbeit haben und nicht einfach auf die Strasse gesetzt werden. Denn nur ihre Kaufkraft kann die Wirtschaft wieder ankurbeln.» Egli bezeichnet sich als pragmatischen Menschen. Als einen, der nach Lösungen sucht, egal wie schwerwiegend die Probleme sind. «Wenn ich falsch liege, kann ich das auch zugeben und meine Person zugunsten der Sache zurückstellen», betont er und attestiert sich eine angemessene Selbstkritik. Diese erachtet er für Politikerinnen und Politiker generell als enorm wichtig.


Gerne im Scheinwerferlicht
Dieter Egli wohnt seit seiner Geburt in Windisch. Für den studierten Soziologen, Kunsthistoriker und Betriebswirtschafter, der seit Jahren schweizweit in der Unternehmenskommunikation arbeitet und nebenbei immer politisch aktiv war, ist die Gemeinde nach wie vor der ideale Rückzugsort. Seinen jetzigen 80-Prozent-Job als Kommunikationsleiter bei der Gewerkschaft Syna müsste er aufgeben, wenn er zum Regierungsrat gewählt würde. Schweren Herzens, wie er sagt: «Aber auch im Regierungsrat wird mich meine Leidenschaft als Kommunikator weiterbegleiten.»
Er redet und schreibt gerne, auch wenn das nicht auf den ersten Blick offensichtlich ist. In einem Zeitungsinterview bezeichnet er sich als «Rampensau». «Ich arbeite gerne im Hintergrund und dränge mich nicht vor. Aber wenn ich im Scheinwerferlicht bin und für ein Anliegen kämpfe, kann ich durchaus die überzeugende Präsentation bieten, welche von einem Politiker erwartet wird. Das mache ich dann genauso gerne.»


Theatermann und Marathonläufer
In seiner Freizeit spielt Dieter Egli leidenschaftlich gern Theater. Seit vielen Jahren gehört er der Aarauer Truppe «GaukeLaien» an und wirkt in freien Produktionen mit. Das Eintauchen in andere Rollen fasziniert ihn. Er gibt gerne den Guten, aber auch den Schurken. «Die Grundlage für jede Rolle», ist er überzeugt, «muss ich immer in mir selber holen.» Das Laientheater sei eine Gruppenleistung auf Gedeih und Verderb. «Wenn wir auf der Bühne vor Publikum stehen, müssen wir mit irgendwelchen Unzulänglichkeiten oder Fehlern spontan umgehen und innert Sekunden das Beste daraus machen. So etwas schweisst ein Team zusammen.»

Schlank und schlaksig ist er vor allem durch regelmässiges Joggen. Wenn er nicht mindestens zweimal in der Woche seine Strecke ablaufen und damit neue Energien tanken kann, fühlt er sich unwohl. Er beteiligt sich an Marathonläufen und zeigt auch in dieser Disziplin, was es seiner Meinung nach fürs Leben braucht: Durchhaltevermögen.


«Für mich würde kein Lebenstraum platzen»
Bezüglich seiner Wahlchancen am 18. Oktober gibt sich Dieter Egli optimistisch. Seine Kontrahentin Christiane Guyer unterstützt er. Denn: «Für die SP und die Grünen ist völlig klar, dass es wieder zwei links-grüne Sitze im Aargauer Regierungsrat braucht», bekundet er. Es würde ihn unglaublich reizen, sich als Regierungsrat in das politische Geschehen des Kantons einzubringen. «Sollte ich nicht gewählt werden, wäre das für die Partei hart. Aber für mich würde kein Lebenstraum platzen. Ich habe immer noch meinen Beruf und bringe mich dort genauso voll ein, wie ich das künftig in meinem neuen politischen Amt tun würde», sagt er – und zeigt wieder sein schalkhaftes Lächeln.

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