«Tokio, ich komme!»

Die Karateka Elena Quirici hat es geschafft: Sie vertritt die Schweiz in Japan und kämpft am 7. August um eine Medaille.

Elena Quirici (links) ist gut in Form. (Bild: zVg)

23. Juni 2021
11:05

Die 27-jährige Schinznacherin ist in diesen Tagen eine sehr gefragte Frau. Am letzten Montag filmte das Schweizer Fernsehen bei ihr zu Hause und verfolgte die Trainingseinheiten in Windisch. Kurz danach erreicht der «General-Anzeiger» Elena Quirici am Telefon, um ihr zu gratulieren. Sie sagt: «Diese Qualifikation bedeutet mir sehr viel, denn es war ein Schock, dass ich ein zweites Mal hart dafür kämpfen musste.» Es sei ein regelrechter Marathon gewesen, physisch wie auch psychisch. Umso mehr könne sie den Moment nun geniessen, erklärt das quirlige Energiebündel aus dem Schenkenbergertal.


Letzte Chance genutzt

Rückblende: Elena Quirici galt aus sportlicher Sicht als eine der Verliererinnen der Pandemie. Sie war bereits für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 qualifiziert, als diese um ein Jahr verschoben wurden. Weil der internationale Karateverband die Selektionsphase verlängerte, begann für die sympathische Spitzensportlerin das grosse Zittern. Umso mehr, als sie im Mai in Kroatien ihren dritten EM-Titel verpasste, der gleichbedeutend mit dem Olympia-Startplatz gewesen wäre.

Aber das ist nun alles vergessen: Die Aargauer Karateka gewann am 13. Juni in der Kumite-Gewichtsklasse 61 Kilogramm plus das Qualifikationsturnier in Paris und nutzte damit ihre letzte Chance, um bei der olympischen Premiere ihrer Sportart dabei zu sein.

Doch was heisst hier dabei zu sein? «Ich fliege nach Japan, um dort eine Medaille zu gewinnen», stellt sie klar und genau diese Winnermentalität hat der mehrfachen Europa- und Schweizer Meisterin zu ihren bisherigen Erfolgen verholfen. Die Chance, in Tokio nach olympischem Metall zu greifen, könnte in der Tat einmalig sein. Denn bereits in Paris 2024 ist Karate nicht mehr olympische Disziplin, das steht schon heute fest.


Nichts dem Zufall überlassen

Bei aller Motivation: Quirici weiss, dass ihre Konkurrenz nicht schläft. «Nebst den Japanerinnen und Chinesinnen ist auch Europa mit der Schweiz und Italien ein starker Karatekontinent.» Weitere respekteinflössende Gegnerinnen kommen aus der Türkei und Aserbaidschan. Und: Sie muss in der nach oben offenen Gewichtsklasse antreten, könnte es also mit deutlich schwereren Konkurrentinnen zu tun bekommen, was allerdings im Karate nicht zwingend ein Nachteil sein muss.

Dem Zufall überlasst Quirici nichts. Sie verrät: «Nun stehen ein paar Trainingstage in Griechenland bevor, ehe ich zu einem Trainingslager nach Gran Canaria fliegen werde. Das dortige feuchtwarme Klima ist demjenigen in Japan ähnlich.» Um optimal trainieren zu können, lässt sie auf eigene Rechnung acht bis zehn weibliche und männliche Sparringspartner einfliegen. «Diese Investition lohnt sich, um den olympischen Wettkampf möglichst originalgetreu simulieren zu können», ist Quirici überzeugt.


Sehr guter Support

Hinter einer solch starken Frau, steht bestimmt auch ein starkes Team! Quirici bejaht: «Ich habe sehr guten Support von vielen Menschen, die an mich glauben.» Dafür sei sie sehr dankbar. Das optimale Umfeld mit der Familie in Schinznach-Dorf und ihrem Staff habe die Karriere der Spitzenkarateka seit Jahren ermöglicht. Zum engsten Team gehören David Baumann, Kumite-Coach und Clubtrainer vom Karate do Brugg, sowie Athletik-Trainer Sandro Galli. Der Sportwissenschafter Galli verrät: «Bei der Gründung von personal-training.ch war Elena eine unserer ersten Kundinnen. Sie überzeugt durch Trainingsdisziplin und Entschlossenheit. In Tokio stehen ihr alle Türen offen.»  Als Einzelsportlerin sei es Elena Quirici gewohnt, extrem viel selber organisieren zu müssen. Mit der Kampagne «I believe in you» kann jedermann den olympischen Weg der derzeit wohl ambitioniertesten Sportlerin aus dieser Region unterstützen, um ihr so eine optimale Vorbereitung zu garantieren. Bevor es mit dem Flieger am 24. Juli in den Fernen Osten geht. Am 7. August heisst es dann, vor den Bildschirmen Daumen drücken und mitfiebern für Elena Quirici.

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