Tritt Birmenstorf nun aus?

Seit bald zwei Jahren spitzt sich der Knatsch innerhalb der katholischen Kirche in Gebenstorf, Birmenstorf und Turgi zu. Die Fronten sind verhärtet. Es gibt wohl nur noch Verlierer.

Im Zentrum des Konflikts: Pater Adam und Kirchenpflegepräsident Daniel Ric (Bilder: Roger Wehrli)

von
Annegret Ruoff

19. März 2020
09:00

Als e-journal im vergangenen Dezember ausführlich über die unhaltbare Situation in der katholischen Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi berichtete, schien es, als hätte der Konflikt seinen Höhepunkt erreicht. Damals forderte die Mehrheit der Anwesenden in der Kirchgemeindever­sammlung den Rücktritt von Kirchenpflegepräsident Daniel Ric sowie die Entlassung von Pater Adam als Seelsorger. Der Antrag besass aber keine Rechtsgültigkeit. Er war nicht fristgerecht eingereicht worden. Zudem hatten Ric und Pater Adam zu diesem Zeitpunkt die Versammlung bereits verlassen.

Der Eklat schlug Wellen und schadete dem sowieso schon angeschlagenen Image der Kirche enorm. Doch, wie die neusten Recherchen des Aargauer Pfarrblatts «Horizonte» zeigen, ist nach wie vor keine Lösung des Konflikts in Sicht. Im Gegenteil. Die Situation spitzt sich immer mehr zu. Inzwischen sind die Fronten so verhärtet, dass sich Birmenstorf, das sich mit Gebenstorf und Turgi in einem Verband das Seelsorgepersonal teilt, überlegt, sich von Gebenstorf-Turgi zu distanzieren oder – in einem weiteren Schritt – eine Trennung zu prüfen. Dies sagte Ruth Rippstein, Präsidentin der Katholischen Kirchenpflege Birmenstorf, Anfang März gegenüber «Horizonte».

 

Demonstration vor der Kirche

Vor Kurzem demonstrierten, so schreibt das «Aargauer Pfarrblatt» in seiner Online-Ausgabe, gar verkleidete progressive Gemeindeglieder vor Beginn eines Samstagsgottesdienstes, der vom Salvatorianerpater Adam Serafin geladen wurde, vor Ort gegen die «Insektenplage in unserer Kirche», wie sie in einer Stellungnahme gegenüber «Horizonte» bekannt gaben. Diese Aktion sorgte bei Kirchenpflegepräsident Daniel Ric für Empörung. Er wandte sich, wie Hermann Blaser, stellvertretender Kommandant öffentliche Sicherheit der Stadt Baden, gegenüber «Horizonte» bestätigte, an die Polizei und verlangte eine Rechtsauskunft. Ob er Anzeige erstattet, steht derzeit noch nicht fest.

 

Externe Hilfe hat nichts gebracht

Zu einem Scherbenhaufen hat der Streit innerhalb der Kirche auch auf der anderen Seite geführt. Margrit Klusch, Leiterin des Kinder- und Erwachsenenchors, hat Ende Februar gekündigt. Wo solche Zustände herrschen, wolle sie sich nicht mehr engagieren, erklärte die Kirchenmusikerin gegenüber «Horizonte». Grund für ihren Missmut war auch die «nicht wahrgenommene Informationspflicht gegenüber der Kirchenpflege», welche ihr Daniel Ric in Form einer Verwarnung vorwarf. 

Die Zeichen, dass der Konlikt zwischen der 60-köpfigen Initiativgruppe, die sich aus Kirchenmitgliedern zusammensetzt, und der Gegenseite – bestehend aus den beiden Protagonisten Daniel Ric und Pater Adam und ihren Anhängern – nur noch Verlierer generiert, mehren sich. Auch breitet sich innerhalb der Kirchgemeinde zunehmend Unmut aus gegenüber den Verantwortlichen im Bistum, die ihrerseits beteuern, alle möglichen Ansätze zur Lösung der Konflikts unternommen zu haben. Dass sich die Situation von selber erledigt, würden sich wohl manche wünschen. In Anbetracht der monatelangen Querelen, die auch mit externer Coaching-Hilfe nicht zu lösen waren, ist aber eher davon auszugehen, dass alles in einem Desaster endet. 

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