Trouvaillen in der Spinnerei

Sie arbeitete schon in Afrika und Asien. Morgen eröffnet Silvia Wu ein Antiquitätengeschäft in der alten Spinnerei, wo sie auch Möbel restauriert.

Silvia Wu mit einer Auswahl ihrer Antiquitäten und Möbel, die sie selber restauriert. (Bilder: is)

01. Dezember 2021
14:33

Sessel, Kaffeeservices, Porzellanfiguren, antike Puppenwagen, Spitzen, echte Perlenketten aus Shanghai und jede Menge Schmuck: Im ersten Stock des Ostflügels in der ehemaligen Spinnerei präsentiert Silvia Wu ihre Schätze, die sie in der ganzen Welt gesammelt hat. «Noch mehr Ware habe ich im Estrich oben», sagt die gebürtige Rapperswilerin. Dort stehen auch ihre Maschinen, die sie für die Restaurationen von Möbeln braucht. Denn neben dem Verkauf von Antiquitäten bietet Wu auch Dienstleistungen an, unter anderem Möbelrestaurierungen, Vergoldungen von Bildern, Engeln oder Spiegeln sowie Restaurationen von Stuckaturen. Morgen Freitag, 3. Dezember, eröffnet sie ihren «Pawn Broker Shop» in Turgi. 

Silvia Wu hat einst Möbelschreinerin gelernt – das war damals eine kleine Sensation. «Es gab nur vier Frauen, die diesen Beruf in der Schweiz erlernten», erzählt sie. Die Ausbildung absolvierte sie bei einem bekannten Antiquitätenhändler in Zürich. «Später durfte ich mit meinem Lehrmeister die Kirche Thalwil und das Kloster Einsiedeln restaurieren.» In Richterswil eröffnete sie ihr erstes Geschäft, «und es lief sehr gut». Doch nach einigen Jahren zog es sie in die Ferne. Der Schreinerverband in Bern suchte damals Leute für ein Restaurationsprojekt in Botswana. Wu meldete sich – als einzige Frau. In Afrika restaurierte sie ein Patrizierhaus. «Ich erledigte auch Schreinerarbeiten, arbeitete oft bis in die Nacht hinein und auch am Wochenende», erinnert sie sich. Parallel führte sie ein Antiquitätengeschäft in Zürich, um das sich während ihrer Abwesenheit ihr Bruder sowie ihre Eltern kümmerten.

Auch Adventsgestecke stellt die kreative Geschäftsinhaberin selber her.


Von Südafrika nach Malaysia

Später zog es sie nach Johannesburg, wo sie unter anderem ein Haus des berühmten Herzchirurgen Christiaan Barnard restaurierte. Von Südafrika ging es weiter nach Malaysia. «Meine Arbeit war gefragt. Die Kunden merkten immer schnell, dass ich eine grosse künstlerische Begabung hatte», sagt sie stolz. In Malaysia lernte sie auf ihrem Geburtstagsfest ihren künftigen Ehemann kennen, dem sie ihren chinesischen Nachnamen verdankt. «Wir tanzten die ganze Nacht, er war Professor aus Shanghai – und ein hervorragender Tänzer», erzählt Silvia Wu, die ein grosser Fan von Elvis Presley ist. Viele Jahre verbrachte das Paar in Asien, bis ihr Mann vor achtzehn Jahren verstarb. 

Zurück in der Schweiz, eröffnete Silvia Wu ein Geschäft in Lenzburg. «2019 erlitt ich jedoch einen Herzstillstand und musste über ein Jahr pausieren», sagt sie nachdenklich. Schweren Herzens gab sie ihr Geschäft auf und stellte ihre Schätze in einem Lagerhaus in Schlieren ein. Auf der Suche nach einem neuen Standort stiess sie auf die Spinnerei in Turgi. Eine Besichtigung reichte: «Der Ort ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Vor allem finde ich es toll, dass hier so viele kreative Leute eingemietet sind.» Im Mai begann sie mit dem Umzug ihrer Ware von Schlieren an die Limmat. Hier sind ihre Nachbarn Architekten, Schneiderinnen, Maler, Schmuckgestalter oder Kinesiologen. In diesem kreativen Umfeld hofft Silvia Wu nun, dass möglichst viele Sammler den Weg in ihr Geschäft finden. 

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