Tüschle geht auch online

Ein Brugger Zapfenstreichabend ohne Tüschle? Geht gar nicht, finden Mirco Fritschi und Janine Iten. Sie ermöglichen den Brauch nun online.

Sie sind kein Paar, haben sich aber trotzdem zum «Tüschle» im Freudenstein-Wäldchen getroffen: Mirco Fritschi und Janine Iten (Bild: aru)

24. Juni 2020
18:00

Ganz klar, Mirco Fritschi und Janine Iten sind ein Paar! Das jedenfalls meinen viele Bruggerinnen und Brugger. Mitnichten. Der Werber und die Webdesignerin spannen aber sonst bei zahlreichen Projekten erfolgreich zusammen. So zum Beispiel bei der Onlineplattform www.jugendfest-brugg.ch, welche sie 2017 gemeinsam lanciert haben. Bereits sieben Jahre vorher ging Janine Iten auf die Stadt Brugg zu mit der Idee, die Infos zum Jugendfest online zu sammeln. «In meinem Freundeskreis nervten sich viele darüber, dass die Informationen nur auf einem analogen Flyer ersichtlich waren, der notabene auch nicht allen zugänglich war», erzählt Janine Iten. Damals habe die Stadt auch das PDF noch nicht online publiziert, so die Bruggerin. 

Dies gab den Ausschlag für Iten, die Kommunikation in diesem Bereich zu optimieren. Unterstützt wurde die Webspezialistin in ihrem Vorhaben von ihrer Mutter Barbara Iten. Die ehemalige Primarlehrin und Schulleiterin Stapfer sass damals im Organisationskomittee fürs Jugendfest.

 

App vereinfacht Nutzung

Die Stadt jedoch winkte ab. Sie sah keinen Bedarf für eine Jugendfest-Website und wollte weiterhin an der analogen Form festhalten. Janine Iten liess das Projekt ruhen und wandte sich anderen Dingen zu. Doch als sie einige Jahre später mit Mirco Fritschi zusammen am Zapfenstreich teilnahm und ihm von ihrer Idee erzählte, fing dieser Feuer. «Ich wusste damals zwar noch überhaupt nicht, wie das Jugendfest funktioniert», schmunzelt der Baselbieter, «erkannte aber das grosse Potenzial eines Online-Auftritts in diesem Bereich». Und so setzten die Webdesignerin und der Werber ihre Idee halt eigenständig um. 

Die Onlineplattform www.jugendfest-brugg.ch stiess sofort auf Interesse, die Klickzahlen schnellten in die Höhe. Von der Stadt kam – nach vielen Nachfragen – irgendwann ein «Mini-Unterstützungsbeitrag», wie Janine Iten erzählt. Ansonsten wird die Website bis heute ausschliesslich mithilfe von Sponsoren betrieben. 

«Wir könnten so viel mehr machen, wenn wir die Finanzen dazu hätten», sagt Iten. Ihr schwebe eine umfassende Datenbank zum Jugendfest vor, ebenso historische Berichte zum Hintergrund des beliebten Fests und eine vollständige Rednerabfolge. «Wir würden auch gerne eine App lancieren», ergänzt Mirco Fritschi. Diese würde ermöglichen, dass man das gesamte Programm auf dem Handy abrufen könnte. «Das wäre nicht nur für die Besucherinnen und Besucher, sondern auch für kulturelle Veranstalter und Gastronomen ein Mehrwert», ist Fritschi überzeugt. 

 

Website wird gut genutzt

Mittlerweile zählt die Onlineplattform rund 10'000 Besucher pro Jahr und gut 120'000 Seitenaufrufe. Dies bedeutet, dass sich die Besucher der Website durch mehrere Seiten klicken. «Der Inhalt scheint viele zu interessieren», so Fritschi. Dies lasse sich einerseits mit der emotionalen Verbundenheit der Bruggerinnen und Brugger zu ihrem Fest erklären, andererseits aber auch mit dem Informationsbedürfnis rund um die Büscheliwoche und den historischen Aufnahmen, welche mittlerweile online gesammelt und zugänglich seien. «Viele Leute schicken mir per Post ihre alten Jugendfestbilder zu», erzählt Janine Iten. Diese scanne sie jeweils in ihrer Freizeit ein, um sie anschliessend auf die Seite hochzuladen. «Ich betreibe mittlerweile ziemlich viel Aufwand für dieses Portal», sagt die Bruggerin. Dazu gehöre auch der Informationsaustausch mit zahlreichen Akteuren. 

Wer nun vermuten würde, dass die Website einzig rund ums Jugendfest besucht wird, irrt sich gewaltig: Sie erreicht zwar Anfang Juli ihren Peak, wird aber das ganze Jahr hindurch sehr gut genutzt. «Ich vermute, dass keine Unternehmensseite in Brugg diesen Traffic generiert», fügt Mirco Fritschi lachend an. Belebt wird die Onlineplattform das ganze Jahr hindurch auch durch Posts auf Facebook und Instagram.  

 

Tüschle kann man auch online

Da dieses Jahr das Jugendfest ausfällt, haben sich Janine Iten und Mirco Fritschi einige Ideen ausgedacht, wie die Bruggerinnen und Brugger ihr traditionelles Fest trotzdem geniessen können. Zum Zapfenstreich lancieren sie ein Online-Tüschle. «Dabei kann man seinem Schatz eine schöne Nachricht schicken», erklärt Iten. Inspiriert für diese Idee wurde sie vom «Röselistand», den es jedes Jahr beim Bez-Fest gibt, und natürlich vom Brugger Brauch selbst. «Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Tüschle in der Primarschule», so die Webdesignerin. «Wir rannten damals um den Erdbeeri-Brunnen und taten, als würden wir Fangis spielen», lacht sie. «Und irgendwann tauschten wir ganz schnell Eichenzweig und Granate aus.» 

Auch sonst haben die Initianten der Online-Plattform zum diesjährigen Jugendfest einiges ausgeheckt. Was, bleibt vorerst ihr Geheimnis. «Spätestens am Zapfenstreich wird es aber gelüftet», versprechen Janine Iten und Mirco Fritschi. Und generieren damit wohl wieder einige Klicks. 

Die Effingermedien AG sind Medienpartner von www.jugendfest-brugg.ch.

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Kommentare (1)

  • Stefan Müller
    Stefan Müller
    vor 1 Woche
    Es ist so toll zu sehen, dass die junge Generation etwas bewegt. Denn die «alten» Brugger, bezogen auf den Stadtrat, sind leider schon sehr lange festgefroren. Nicht nur in der eigenen Stadt blüht nicht viel Ansprechendes, sondern auch in den Beziehungen mit den Nachbarn. Der Wandel wird kommen.

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